Ölskandal im Südsudan

"Umwelt als Kriegswaffe"

02.01.2018
Unter diesem Titel beschäftigt sich die renommierte spanische Zeitung El País mit lebensbedrohenden Umweltverschmutzungen in Krisen- und Kriegsgebieten. So auch mit den von Hoffnungszeichen aufgedeckten Praktiken der südsudanesischen Ölindustrie und der dramatischen Situation im jüngsten Staat der Welt.
Die südsudanesische Regierung hat überraschend den von Hoffnungszeichen aufgedeckten Ölskandal anerkannt. Auf der UN-Umweltversammlung in Nairobi bestätigte das südsudanesische Umweltministerium das Desaster und bat die internationale Gemeinschaft um Hilfe.
Durch die unsachgemäße Förderung und Weiterverarbeitung von Rohöl ist es im Südsudan zur Umweltkatastrophe gekommen: Hunderttausende Menschen und der Sudd als eines der größten Sumpfgebiete weltweit sind in großer Gefahr.

Mindestens 180.000 Menschen sind von dem von Hoffnungszeichen aufgedeckten Ölskandal im Südsudan betroffen. Die im Norden des Landes ansässige Ölindustrie, dessen Hauptanteilseigner der malaysische Staatskonzern Petronas ist, hat mit unsachgemäßer Förderung und Weiterverarbeitung von Rohöl das Grundwasser - die Trinkwasserquelle von mehr als 180.000 Menschen - mit Giftstoffen kontaminiert. Salze machen das Wasser aus den Dorfbrunnen ungenießbar, Schwermetalle wie Blei und Barium sorgen für Vergiftungen. Seit 2008 macht Hoffnungszeichen auf diese Missstände aufmerksam und hat diese Zusammenhänge zudem wissenschaftlich belegt. Auch das Ökosystem des Sudd, ein durch den Nil gebildetes Sumpf- und Überschwemmungsgebiet, das zu den größten Sumpfgebieten weltweit gehört, ist in großer Gefahr.

Die südsudanesische Regierung hat die Umweltkatastrophe im Dezember letzten Jahres überraschend anerkannt und die internationale Gemeinschaft um Hilfe gebeten.

Unsere Aktion auch bei Twitter verfolgen und unterstützen: @hz_soh / #keingiftwasser - Weitere Infos auf keingiftwasser.de.

Um auf die Problematik aufmerksam zu machen, haben wir 2016 unsere Kampagne #keingiftwasser ins Leben gerufen und informieren zudem unter www.keingiftwasser.de über alle Hintergründe des Skandals. Auch die überregionale bzw. internationale Presse berichtet kontinuierlich, aktuell die auflagenstärkste spanische Tageszeitung El País: "Umwelt als Kriegswaffe" titelt die weltweit renommierte Zeitung und beschäftigt sich in einem großen Artikel mit lebensbedrohenden Umweltverschmutzungen in Krisen- und Kriegsgebieten. Im Abschnitt über den Südsudan bezieht sich El País auch auf die Erkenntnisse von Hoffnungszeichen und zitiert unseren Zweiten Vorstand und Menschenrechtsexperten Klaus Stieglitz.

Öl, der Fluch des Südsudan. "Öl hätte ein Segen sein können, wenn der Südsudan es gut genutzt hätte [...], aber genau das Gegenteil ist der Fall", erklärte Monsignore Roko Taban Mousa, der im Land lebt, 2009 in einem Interview mit AFP. Die Situation hat sich seitdem nicht großartig verändert. Rohöl ist nach wie vor ein Schlüsselfaktor für die Konflikte, die das Land bluten lassen. Es ist außerdem für Umweltverschmutzung verantwortlich und bedroht die Gesundheit der Bevölkerung. Die deutsche Hilfsorganisation Hoffnungszeichen | Sign of Hope warnte bereits vor fast einem Jahrzehnt, dass 180.000 Menschen in der Region Thar Jath, im Norden des Landes, Gefahr laufen, kontaminiertes Wasser zu trinken - dies aufgrund von Versickerungen von Abfällen der Ölindustrie in das Grundwasser. "Die Einheimischen begannen sich zu beklagen, dass das Wasser, das sie tranken, einen sehr bitteren Geschmack hatte, sehr salzig war und bei ihnen Halsschmerzen und Durchfall verursachte, und sie bemerkten auch, dass die Pflanzen und das Vieh zu sterben begannen", erinnert sich Klaus Stieglitz, Zweiter Vorstand von Hoffnungszeichen. Die von seiner Organisation durchgeführten Analysen (die Untersuchung von Wasser- und Haarproben) bestätigten den Verdacht: Die giftigen Substanzen aus der Ölindustrie hatten die natürlichen Ressourcen verseucht. Obwohl die NGO seither eine Verhaltensänderung und Wiedergutmachung von den internationalen Unternehmen fordert, bedauert sie, dass keine Fortschritte auf deren Seite erzielt wurden. "In der Bevölkerung wächst jedoch das Bewusstsein und es entstehen Bewegungen, die das Recht auf ein Leben in einer intakten Umwelt beanspruchen", stellt der Experte fest. Nachdem der Südsudan 2011 seine Unabhängigkeit von seinem nördlichen Nachbarn erlangt hatte, starteten mehrere NGOs und das Umweltprogramm der Vereinten Nationen Initiativen zum Schutz der natürlichen Umwelt, wie die Rehabilitierung der Region "Upper Nile", wo das "schwarze Gold" reichlich vorhanden ist. Der Ausbruch des letzten Bürgerkriegs im Jahr 2013 markierte jedoch einen Rückschlag und bedeutete eine weitere Verschlechterung der Umweltbedingungen. Obwohl die Vorschriften ausländische Unternehmen verpflichten, Mittel für den Schutz der Natur bereitzustellen, gibt es in der Praxis zahlreiche Hindernisse für die Umsetzung des Gesetzes, prangert Stieglitz an, und die Behörden schenken den Umweltproblemen weiterhin wenig Aufmerksamkeit.
Übersetzter Auszug des Artikels von El País
„Das Öl, die Macht und Zeichen der Hoffnung“ – Von Konzernen und dem Menschenrecht auf sauberes Wasser
„Das Öl, die Macht und Zeichen der Hoffnung“ – Von Konzernen und dem Menschenrecht auf sauberes Wasser (Klaus Stieglitz mit Sabine Pamperrien | ISBN 978-3-907625-95-8 | Verlag rüffer & rub, Zürich)
„Das Öl, die Macht und Zeichen der Hoffnung“ – Von Konzernen und dem Menschenrecht auf sauberes Wasser (Klaus Stieglitz mit Sabine Pamperrien, 288 Seiten, 18,- Euro, ISBN 978-3-907625-95-8, Verlag rüffer & rub)

In der Vergangenheit hat Hoffnungszeichen bereits für tausende Bewohner mehrerer Dörfer Tiefbrunnen errichtet und den Menschen so sauberes Trinkwasser bereitstellen können. Hoffnungszeichen fühlt sich seit über 20 Jahren Notleidenden im Südsudan verbunden und fordert weiterhin mit Nachdruck:

  • die Aufklärung der Menschen über die Gefahren
  • sauberes Trinkwasser für die Betroffenen
  • medizinische Hilfe für Geschädigte
  • ein Ende der Verseuchung und deren weiterer Ausbreitung
  • von der Daimler AG (Geschäftspartner von Öl-Multi Petronas) die Einhaltung der eigenen Ethik-Richtlinien

Thema: Menschen­rechte

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