Südsudan

Der lange Kampf für sauberes Wasser

24.03.2019
Gemeinsam mit der südsudanesischen Zivilbevölkerung kämpft Hoffnungszeichen gegen die Trinkwasserverseuchung durch die Ölindustrie – 600.000 Menschen sind betroffen.
Gift im Trinkwasser: Kinder aus einem Dorf in der ölreichen Region Thar Jath trinken mit Barium und Blei verseuchtes Wasser aus einem Handbrunnen. Mitverantwortlich ist Daimler-Sponsor Petronas.
Gift im Trinkwasser: Kinder aus einem Dorf in der ölreichen Region Thar Jath trinken mit Barium und Blei verseuchtes Wasser aus einem Handbrunnen. Mitverantwortlich ist Daimler-Sponsor Petronas.

Autor/in

Ildiko Mannsperger
Spenderbetreuung & Öffentlichkeitsarbeit

Es ist ein ungleicher Kampf: Auf der einen Seite steht ein milliardenschwerer multinational agierender malaysischer Ölkonzern, auf der anderen ausgebeutete Südsudanesen – viele von ihnen leben unter der Armutsgrenze, können weder lesen noch schreiben. Auf der einen Seite geht es um Profit, auf der anderen um die Gesundheit von 600.000 Menschen. Seit mehr als zehn Jahren setzt sich Hoffnungszeichen für das Recht der Südsudanesen auf sauberes Trinkwasser ein.

Ein Vergehen an Mensch und Umwelt

Es begann 2007, als sich Bewohner im Gebiet Thar Jath an Hoffnungszeichen wandten, weil ihr Wasser aus den Handbrunnen salzig schmeckte. Sie vermuteten, dass die Ölförderung in der Region für die Verunreinigung verantwortlich sei. Nach ersten Vor-Ort-Recherchen und in der Annahme, dass auch der Ölindustrie an einer für Mensch und Umwelt verträglichen Produktion liegt, nahm Hoffnungszeichen 2008 Kontakt mit dem Ölkonsortium WNPOC, später SPOC (Sudd Petroleum Operating Company) mit Mehrheitseigentümer Petronas auf. Als die Daimler AG 2009 Petronas zum Hauptsponsor ihres Formel-1-Teams machte, informierte Hoffnungszeichen den Mercedes-Bauer über den Ölskandal. Auch nach mehreren Treffen zwischen Hoffnungszeichen, dem Ölkonsortium sowie William Garjang Gieng, Umweltminister des damaligen Teilstaats Unity, blieben Verbesserungen für die Betroffenen aus. Hoffnungszeichen ließ nicht locker und bewies mit einem Team aus Wissenschaftlern durch Wasserproben zweifelsfrei: Die Ölindustrie hat im Norden des Landes das Grundwasser kontaminiert.

Dass man es nicht immer mit fairen Gegenspielern zu tun hat, zeigte sich im November 2015, als ein Mitarbeiter der südsudanesischen Regierung drohte: Man sehe es als „Akt gegen die Regierung und als Bedrohung für die Sicherheit des Landes“, wenn Hoffnungszeichen weitere Informationen ohne Abstimmung mit dem Ministerium veröffentliche. Berater rieten Hoffnungszeichen, die Drohung ernst zu nehmen und sich aus dem Südsudan zurückzuziehen. Doch Menschenrechtsarbeit erfordert Mut und so betreibt Hoffnungszeichen seitdem eine international angelegte Aufklärungskampagne gegen das Verbrechen an Mensch und Umwelt im Südsudan. 2016 veröffentlichte die Organisation zusammen mit Prof. Dr. Fritz Pragst, dem ehemaligen Leiter der Abteilung für Forensische Toxikologie des Instituts für Rechtsmedizin an der Berliner Charité, die Ergebnisse einer Haaranalyse von Betroffenen u. a. aus den Orten Koch und Leer, die bewiesen: Durch den Konsum des verseuchten Wassers sind die Menschen bereits mit gesundheitsschädigenden Stoffen wie Blei und Barium belastet. Über die Missstände im Südsudan veröffentlichte Klaus Stieglitz, Zweiter Vorstand von Hoffnungszeichen und Menschenrechtsexperte, gemeinsam mit Dr. Sabine Pamperrien das Buch „Das Öl, die Macht und Zeichen der Hoffnung“, erschienen 2016 im Verlag Rüffer & Rub, Zürich.

Auf einer Pressekonferenz im vergangenen Jahr machte Hoffnungszeichen das ganze Ausmaß des Ölskandals publik – die Deutsche Welle, die Katholische Nachrichten-Agentur und zahlreiche afrikanische Medien berichteten. Zuvor hatten sich Hoffnungszeichen-Mitarbeiter mit hochrangigen Vertretern von Daimler und Petronas in Zürich getroffen, wo Hoffnungszeichen detaillierte Maßnahmen vorlegte, wie Petronas den Betroffenen Zugang zu sauberem Trinkwasser gewähren kann. Auch den dringenden Bedarf nach einer umfassenden Gesundheitsstudie in den Ölgebieten des Südsudans artikulierte das Hoffnungszeichen-Team. Auf das Treffen folgte Ernüchterung, als Petronas Ende Oktober letzten Jahres mitteilte, ein eigenes Wasserprojekt zu starten – nicht in den betroffenen Regionen, sondern in der Hauptstadt Juba. Auch wenn Hoffnungszeichen jedes Wasserprojekt im Südsudan begrüßt, müssen 600.000 Menschen weiterhin mit Blei und Barium verseuchtes Wasser trinken.

Die Zivilgesellschaft begehrt auf

Hoffnungszeichen arbeitet inzwischen eng mit Graswurzel-Aktivisten aus dem Südsudan zusammen. Auf der dafür eingerichteten Internet-Plattform forsouthsudan.com können Betroffene die Machenschaften der Ölindustrie dokumentieren und kommentieren. Auch Journalisten bündeln sich mit Unterstützung von Hoffnungszeichen, und zwar in der Gruppe We are Witness. Sie berichten u. a. für forsouthsudan.com und finden auch in der internationalen Presse Gehör.

Solch ein Engagement braucht Mut, denn uneingeschränkte Pressefreiheit gibt es im Südsudan nicht, auch wenn auf dem Papier nach fünf Jahren Bürgerkrieg Frieden herrscht: Am 12. September 2018 unterzeichneten Präsident Salva Kiir und sein Kontrahent Riek Machar im äthiopischen Addis Abeba einen Friedensvertrag. Der verantwortliche Minister Ezekiel Lol Gatkuoth kündigte daraufhin an, die Ölproduktion im Südsudan wieder zu verstärken. Bessere Produktionsstandards sind nicht zu erwarten.

Hoffnungszeichen beobachtet die Entwicklungen in den Ölgebieten derzeit aus der Ferne. Klaus Stieglitz erklärt: „Die Verantwortlichen sollen wissen, dass wir die südsudanesische Bevölkerung in ihrem Kampf für sauberes Trinkwasser unterstützen. Es war von Anfang an ein Duell David gegen Goliath. Global Player wie Petronas müssen ihre soziale Verantwortung für Mensch und Umwelt weltweit wahrnehmen – diese endet nicht an Ländergrenzen.“

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