Jemen

Wettlauf mit dem Tod

22.02.2020
Der jemenitischen Bevölkerung mangelt es an allem, und ein Ende des Krieges ist nicht abzusehen. Wir ­helfen akut vom Hunger betroffenen Familien in ihrer Not.
Salehah und ihre Kinder leben in einem Flüchtlingslager. „Ich habe Angst um das Leben meiner Kinder“, sagt sie. Krieg und Hunger sind im Jemen allgegenwärtig.
Salehah und ihre Kinder leben in einem Flüchtlingslager. „Ich habe Angst um das Leben meiner Kinder“, sagt sie. Krieg und Hunger sind im Jemen allgegenwärtig.

„Es kommt mir vor, als würden meine Kinder und ich mit dem Tod um die Wette laufen. Wir sind so erschöpft davon, dass es sich anfühlt, als käme man kaum zu Atem.“ Salehah streckt die Arme aus, und ihre fünf Kinder schmiegen sich an sie. „Sie sind mein Ein und Alles. Und noch viel zu jung, um überhaupt ans Sterben zu denken.“

Salehah ist mit ihrer Familie seit Jahren auf der Flucht – vor Hunger, vor Krieg, vor Arbeitslosigkeit, vor der Todesangst. Die kriegsbedingt fehlende Existenzgrundlage und die tägliche Sorge ums Überleben zwang die Familie, ihre Heimat Khayran Al Muharraq zu verlassen. Im Flüchtlingslager Howsh Mozabet im Distrikt Al Qanawis fanden sie vorerst Zuflucht. Genügend Nahrung für das tägliche Überleben zu beschaffen, ist aber auch hier schwierig und manches Mal unmöglich. Salehah und ihre Kinder hungern, und sie ­haben den Tod, den der Krieg auf so vielfältige Weise bringen kann, täglich vor Augen.

In der Spirale der Gewalt

Im Dezember haben wir zuletzt über unsere Nothilfe im Jemen berichtet. Die Familie von Salehah und einige weitere Haushalte erhielten Gutscheine, die sie gegen Lebensmittel wie Mehl, Zucker, Speiseöl, Salz und Bohnen eintauschen konnten. Für Salehah war das eine große Entlastung, denn so war der Mutter die tägliche Sorge um die Ernährung ­ihrer Kinder für mehrere Wochen genommen. Auch auf das Gouvernement Aden wollten wir unsere Hilfe ausdehnen, doch die unberechenbaren Kampfhandlungen in dieser Region stellten für unseren Partner vor Ort ein zu großes ­Risiko dar.

Der Bürgerkrieg im Jemen hat seine Wurzeln in der jüngeren Geschichte des Landes. Mit dem Zusammenbruch des Ostblocks im Jahr 1990 vereinigten sich auch die zwei früheren Staaten Arabische Republik Jemen (Hauptstadt Sanaa) und die Demokratische Volksrepublik Jemen (Hauptstadt Aden) zur heutigen Republik Jemen. „Im konservativen Norden regierten jahrhundertelang muslimische Religionsführer; bis vor wenigen Jahrzehnten blieb das Land von der Außenwelt isoliert“, schreibt Die Zeit. Im Südjemen, der seit den 1960er Jahren sozialistisch ausgerichtet ist, hatte es ­hingegen Versuche gegeben, den politischen Islam zu verdrängen und beispielsweise die Gleichberechtigung der Frauen zu fördern. Nach der Wiedervereinigung der beiden Länder hatte dies keinen Bestand – Frauen wurden aus der Berufswelt zurückgedrängt und mussten sich wieder verschleiern. Heute belegt der Jemen im Global Gender Gap Report 2020, der die Gleichberechtigung von Männern und Frauen misst, den weltweit letzten Platz.

Und nicht nur in diesem Ranking ist der Jemen das Schlusslicht. Weltweit ist er eines der ärmsten und unterentwickeltsten Länder. Seit 2015 kämpfen verschiedene politische und militärische Gruppen mit unterschiedlichen Interessen um die Macht. Hilfe von außen kommt nur sehr erschwert in das Land. Die Zivilbevölkerung zahlt den Preis für diesen brutalen Krieg mit Hunger, Flucht, Krankheit und Perspektivlosigkeit. Die mangelnde Wasser- und Medikamentenversorgung hat aktuell zudem eine Dengue-Epidemie ausgelöst.

Unsere Hilfe geht weiter!

Millionen Menschen sind innerhalb des Landes auf der Flucht und werden durch die Kampfhandlungen immer wieder hin und her getrieben. Der Hunger der notleidenden Bevölkerung ist groß. Trotz erschwerter Bedingungen wollen wir den Bedürftigen beistehen, wo immer es möglich ist.

Unsere nächste Hilfsaktion mit der Ausgabe von Lebensmittelgutscheinen können wir gemeinsam mit unserer erfahrenen jemenitischen Partnerorganisation Relief and Development Peer Foundation (RDP) im Gouvernement Al Bayda durchführen. Rund 50.000 Binnenvertriebene ­leben dort; knapp 80 Prozent der Gesamtbevölkerung von Al Bayda sind auf sofortige Hilfe angewiesen – etwa 119.000 Menschen befinden sich kurz vor einer Hungerkatastrophe.

Liebe Leserinnen und Leser, bitte begleiten Sie die Helfer unseres jemenitischen Partners im Gebet und haben Sie vielen Dank für jede Spende unter dem Stichwort "Jemen" – Mütter wie Salehah sind so in der Lage, den Hunger ihrer Kinder zu stillen.

So können Sie helfen:

  • 25 € - Nahrung für zwei Personen für einen Monat
  • 90 € - Ein großes Hilfspaket für eine Familie
  • 180 € - Unterstützung für zwei hungernde Haushalte

Vielen Dank!

Spenden

Diese Hilfe im Jemen unterstützen

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