Jemen

"Niemand zählt die Toten"

20.11.2019
Hoffnung inmitten des Hungerleids: „Es ist, wie wenn von der hellen Seite eine Hand in unsere dunkle Welt gereicht wird“, beschreibt ein Hilfeempfänger sein Glück.
Muqbill (30) musste mit seiner Familie vor Kämpfen in eine andere Region fliehen. Er ist an Krebs erkrankt und braucht Medikamente und medizinische Behandlung. Auch seine Familie erhält Gutscheine für Nahrungsmittel.
Muqbill (30) musste mit seiner Familie vor Kämpfen in eine andere Region fliehen. Er ist an Krebs erkrankt und braucht Medikamente und medizinische Behandlung. Auch seine Familie erhält Gutscheine für Nahrungsmittel.

„Nichts ist schlimmer, als von heute auf morgen obdachlos zu sein. Stellen Sie sich vor, dass starke Regenfälle Ihr Haus zerstört haben. Dass Ihre Kinder zu Ihnen kommen, voller Angst nach Ihren Händen greifen und fragen: ,Papa! Wo schlafen wir heute Nacht?“ Mabruk (39) und seine Familie haben das Unglück erlebt, bei einem Unwetter ihr kleines Haus zu verlieren. Als die Wassermassen das Häuschen bedrohten, brachte der Vater seine Kinder und seine Frau zunächst bei einem Nachbarn in Sicherheit und ging dann zurück, um zumindest noch ein paar Matratzen zu holen. Doch währenddessen brach das Dach über ihm zusammen. „Steine und Balken stürzten auf mich. Dass ich überlebt habe, ist ein großes Wunder. Nachbarn haben mich aus den Trümmern gezogen. Über einen Tag lang war ich bewusstlos. Es waren verzweifelte Stunden und Tage für meine Familie. Die Tränen meiner Mutter und die Gebete meiner Frau gaben mir Kraft und ließen mich genesen. Meine Familie hat überlebt, aber jetzt sind wir völlig mittellos und ohne Obdach.“

Familien in großer Bedrängnis

Mabruk lebt mit seiner Frau und den Kindern im Distrikt Ash Shamayatayn. Er ist sehr erleichtert, dass er von unserem Partner Relief and Development Peer Foundation (RDP) drei Monate lang Lebensmittelgutscheine erhält. Damit ist die große Sorge des Mannes, wie er jeden Tag das bescheidene Essen für seine obdachlose Familie beschaffen könnte, zunächst von seinen Schultern genommen, und er kann sich dem Wiederaufbau des Hauses widmen.

Auch die Familie von Muqbill ist dankbar für die Unterstützung. Gemeinsam mit seiner Frau und drei Kindern wurde er wegen andauernder Kämpfe aus dem Distrikt Hajjah vertrieben und lebt jetzt im Distrikt Al Qanawis. Der 30-Jährige ging auf die Suche nach Arbeit, um seine Familie ernähren zu können, aber das ist in der generell unsicheren und unüberschaubaren Lage im Jemen sehr schwierig. Hinzu kommt, dass Muqbill sehr krank ist. Der Familienvater leidet unter Mund- und Rachenkrebs und muss zur Behandlung regelmäßig ein onkologisches Zentrum aufsuchen. Die Fahrtkosten stellen den Mann dabei jeden Monat vor ein großes Problem. Er musste sich bereits einer Operation unterziehen, bei dem ihm ein Teil der Zunge entfernt wurde, und natürlich braucht Mugbill auch Medikamente.

Den Hungernden weiter beistehen

Der Bürgerkrieg im Jemen dauert bereits seit 2015 an und hat das bitterarme Land in die derzeit schwerste humanitäre Krise weltweit gestürzt. „Millionen Menschen sind auf der Flucht – aber raus aus dem Jemen schafft es fast keiner. Was die Männer, Frauen und Kinder aus ihrer Heimat vertreibt, ist kein typischer Krieg. Die meisten Opfer werden nicht in Gefechten getötet. Die schlimmste Waffe ist der Hunger. Bis Ende 2019, schätzen die Vereinten Nationen, werden 102.000 Menschen in Kampfhandlungen umgekommen sein. Und weitere 131.000 durch Hunger oder die Folgen des Mangels – wie Seuchen und Infektionen. Es sind geschätzte Zahlen, weil die meisten Menschen in Gegenden umkommen, in denen niemand die Toten zählt“, berichtet der Stern. Rund 24 Mio. Menschen, etwa 80 Prozent der jemenitischen Bevölkerung, sind auf Hilfe angewiesen.

Immerhin gibt es einen ersten Hoffnungsschimmer: Im November haben sich Jemens international anerkannte Regierung und die Separatisten im Süden geeinigt. Im saudischen Riad wurde ein Friedensabkommen unterzeichnet. Die Hoffnungen der Menschen im Jemen liegen auf diesem Friedensabkommen, wenngleich dies nur ein erster kleiner Schritt sein kann, da die Konflikte im Land vielfältig sind und von zahlreichen Parteien ausgetragen werden.

Auch die katastrophale Versorgungslage im Land wird sich so schnell nicht verbessern. Um vom Hunger bedrohten Familien beizustehen, haben wir gemeinsam mit unserer Partnerorganisation RDP bereits in den vergangenen Monaten Lebensmittelgutscheine verteilt. Damit waren wie Mabruk und Muqbill und ihre Familien rund 700 Menschen in der Region Al-Hudaida drei Monate lang mit Nahrungsmitteln versorgt. Diese Hilfe wollen wir fortsetzen, diesmal im Distrikt Dar Saad. Unsere lokalen Partner suchen wiederum 100 Familien aus und registrieren sie sorgfältig. Wenn diese Vorarbeit abgeschlossen ist, kann die Zuteilung der Gutscheine beginnen. Sie sind für Lebensmittel wie Mehl, Zucker, Speiseöl, Salz und Bohnen bestimmt.

Reichen wir den Menschen auch weiterhin unsere Hand. Jede kleine oder größere Gabe von Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, ist ein Gruß „von der hellen Seite der Welt“. Bitte unterstützen Sie den Friedensprozess im Gebet und helfen Sie unter dem Stichwort „Jemen“ mit Ihrer Spende. Haben Sie herzlichen Dank!

So können Sie helfen:

  • 25 € - Nahrung für zwei Personen für einen Monat
  • 90 € - Ein großes Hilfspaket für eine Familie
  • 180 € - Unterstützung für zwei hungernde Haushalte

Vielen Dank!

Spenden

Diese Hilfe im Jemen unterstützen

Diese Seite teilen