Jemen

Hunger, Cholera und kein Ende in Sicht

25.09.2017
Nahrung, Wasser, ein Dach über dem Kopf – der Bevölkerung im Jemen fehlt das Lebensnotwendigste. Ein Ende des Konflikts ist nicht in Sicht.
Seit zwei Jahren tobt im Jemen ein Bürgerkrieg, der die Lebensgrundlage der  Menschen vernichtet. Dürre und Ernteausfälle verschärfen die Lage.
Seit zwei Jahren tobt im Jemen ein Bürgerkrieg, der die Lebensgrundlage der Menschen vernichtet. Dürre und Ernteausfälle verschärfen die Lage.

Autor/in

Marcel Kipping
Leiter Internationale Hilfe & Zusammenarbeit

Buthaina Abdullah Nasser ist drei Jahre alt und viel zu klein für ihr Alter. Das Mädchen ist – wie ihre vier Geschwister – stark unterernährt und zu schwach zum Laufen. Die ganze Familie wohnt auf wenigen Quadratmetern in einem einzigen Zimmer in einem entlegenen Dorf in der Region Taizz im Bergland des Jemen. Bis vor wenigen Jahren galt die Region als vergleichsweise fruchtbar, doch der Krieg und der ausbleibende Regen haben die Lebensgrundlage der Menschen zerstört. Als Buthainas Vater krank wurde, verlor er sein Land und arbeitet seither als Tagelöhner. Die spärlichen Einkünfte reichen nicht aus, um die siebenköpfige Familie zu ernähren.

Die größte humanitäre Katastrophe seit 1945

So wie Buthainas Familie kämpft die Mehrzahl der Menschen im Jemen täglich ums Überleben: Der Hunger hat ungekannte Ausmaße angenommen. Derzeit sind 20,7 Millionen Menschen im Jemen auf humanitäre Hilfe angewiesen, die Hälfte aller Kinder leidet an Unter- oder Mangelernährung. Jeder Dritte hat keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser und sanitären Einrichtungen. Angesichts dieser Zahlen sprechen die Vereinten Nationen (VN) von der größten humanitären Katastrophe seit dem Ende des 2. Weltkriegs.

Die akute Hungerkrise wird durch den Ausbruch der Cholera zusätzlich verschärft. Durch die schlechten hygienischen Bedingungen breitet sich die Krankheit rasend schnell unter den geschwächten Menschen aus. Landesweit erkrankten in den vergangenen drei Monaten über 600.000 Menschen an Cholera, über 2.000 von ihnen starben – so schnell hat sich die Krankheit noch nie ausgebreitet. Das Gesundheitssystem im Jemen ist fast vollständig zusammengebrochen. Die andauernden Kampfhandlungen behindern die Arbeit der Hilfsorganisationen.

Der Jemen ist das ärmste Land der arabischen Halbinsel. Seit zwei Jahren tobt ein Bürgerkrieg zwischen Aufständischen und Regierungstruppen, in den sich u. a. der Iran und Saudi-Arabien eingemischt haben. Der Krieg hat das Land verwüstet: Drei Millionen Menschen wurden aus ihrer Heimat vertrieben, mehr als 8.000 wurden getötet und über 45.000 verletzt. Die Menschen sind dringend auf Hilfe angewiesen.

Taizz – Überleben zwischen den Fronten

Die bergige Region Taizz ist Heimat für mehr als drei Millionen Menschen. Sie leben unmittelbar an der Konfliktlinie und leiden seit Monaten Hunger. Kinder und Frauen sind besonders betroffen. In Folge des Krieges ist die lokale Wirtschaft zusammengebrochen, durch die Dürre ist die Ernte ausgeblieben und die Lebensmittelpreise steigen. Gleichzeitig beherbergt die Region eine Million Binnenvertriebene und sogar Flüchtlinge aus den hungerleidenden Staaten Ostafrikas. Die VN haben  ür die Region den humanitären Notstand ausgerufen und es ist absehbar, dass sich die Lage weiter verschärft. Da die Transportwege häufig abgeschnitten sind, kommen auch Notlieferungen nur schwer in die entlegenen Dörfer.

Gemeinsam mit unserem lokalen Projektpartner Relief and Development Peer Foundation (RDP) hilft Hoffnungszeichen hier in Taizz, wo sonst keine Hilfe ankommt: Dank Ihrer Unterstützung können wir gut 400 besonders vom Hunger betroffenen Familien mit Säuglingen und Kleinkindern Nothilfepakete überbringen. Darin enthalten sind Bohnen, Weizenmehl, Öl, Zucker und Salz. Ein Paket kostet 35 Euro (Spendenstichwort „Jemen“). Damit kann eine siebenköpfige Familie wie die von Buthaina einen Monat lang überleben. Helfen Sie jetzt, dem Hunger ein Ende zu setzen. Haben Sie vielen Dank.

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