Nordkenia

Hilferufe aus der Wüste

12.04.2017
Die Dürre in Kenia droht zur schlimmsten aller Zeiten zu werden und fordert nicht nur Tier-, sondern auch Menschenleben.
„Es ist die schlimmste Dürre, die wir jemals erlebt haben“. Im Norden Kenias bedrohen Trockenheit, Wassermangel und Hunger Menschenleben. Viele Tiere starben bereits.
„Es ist die schlimmste Dürre, die wir jemals erlebt haben“. Im Norden Kenias bedrohen Trockenheit, Wassermangel und Hunger Menschenleben. Viele Tiere starben bereits.

Autor/in

Hanna Fuhrmann
Referentin Presse & Öffentlichkeitsarbeit

„Bei einer Dürre ist es im Allgemeinen so: Zunächst sterben die Rinder, dann die Schafe und Ziegen, als nächstes die Esel, zum Schluss erst die Kamele, und dann haben die Menschen Angst, denn sie sind die nächsten. Und in dieser Dürre sind bereits die ersten Kamele gestorben.“ Ein düsteres Bild, das Andrew Boku Dibo von unserem Projektpartner SOMIRENEC da zeichnet, doch leider harte Realität. Gemeinsam mit meinen Kollegen Damiano Mascalzoni und Robert Osborne bin ich Anfang April in der Region Marsabit, im Norden Kenias, und das, was uns erzählt wurde, zeigt sich nun direkt vor unseren Augen: Hier herrscht eine Dürrekatastrophe. Seit über einem Jahr hat es nicht geregnet und die Folgen sind gravierend. Viele der Hirten-Familien haben durch den Tod ihrer Tiere die Lebensgrundlage verloren und aufgrund der Dürre kann nichts angebaut werden. Nahrung und Wasser sind in manchen Teilen kaum oder gar nicht mehr vorhanden. Immer wieder sehe und rieche ich tote Tiere am Wegesrand. „Ich bin hier großgeworden, doch so eine Dürre habe ich noch nie erlebt, sie ist schlimmer als alles zuvor Dagewesene“, so Boku. Leider nicht das erste und auch nicht das letzte Mal, dass ich eine solche Aussage während meines Aufenthaltes höre.

„Wir haben Hunger“

„Aktuell geht es darum, Leben zu retten. Anders kann ich es nicht ausdrücken. Jeden Tag erhalten wir Hilferufe“, fasst Isako Jirma der Diözese Marsabit für mich die Situation zusammen und Boku erklärt: „Momentan betrifft der Hunger alle. Wenn es etwas zu essen gibt, dann bekommen dieses zunächst die Kinder. Das ist wichtig in unserer Kultur. Deswegen gibt es auch sehr viele ältere Menschen, die schwer mangelernährt sind.“ Regelmäßig fährt er mit einer von Hoffnungszeichen ermöglichten mobilen Klinik, ein Geländewagen mit medizinischer Ausrüstung, weit in die Region Marsabit hinein, um mit seinen Kollegen die Familien zu untersuchen und ihnen Nahrung zu geben. So auch im Dorf Rangi. Es ist nur eine kleine Gemeinde, doch sobald wir entdeckt werden, strömen Frauen mit ihren Kindern zu uns. Jedes Einzelne wird untersucht – Gewicht, Größe und Oberarmumfang. Eine der Frauen ist Jillo Galgallo Dido (35). Sie ist mit ihrer dreijährigen Tochter Tunne da. „Diese Klinik ist so hilfreich. Ich bin immer da, wenn sie kommt. Ich habe fast alle meine Tiere verloren, nur noch fünf Ziegen sind übrig. Wir haben nichts zu essen und kaum mehr Wasser.“ Über die Hälfte der Kinder, die an diesem Tag behandelt werden, sind mangelernährt; zum Teil schwer. Denn durch das Sterben der Tiere, vor allem der Ziegen, gibt es auch keine Milch für die Kinder, die normalweise die Rettung ist, wenn die stillenden Mütter aufgrund ihres eigenen schlechten Ernährungszustandes keine Muttermilch mehr haben. Auch in der Klinik, von der aus die mobile Einheit bis zu 100 km ausfährt, sind alle Patienten mangelernährt und krank. Dort erzählt mir Duba Mayado (70), dass er und sein vierjähriger Enkel Barako seit Tagen Durchfall haben und sich nur von Tee ernähren. Der ältere Mann ist 1,70 m groß und wiegt nur 37 kg. „Wegen dieser Dürre haben wir keine Tiere und kein Geld. Doch wir haben Hunger.“

Warten auf Regen und Rettung

„Wenn du zurück in Deutschland bist, dann musst du den Menschen erzählen, wie schwer diese Dürre ist und was du gesehen hast.“ Mit diesen Worten verabschiedet sich mein Kollege Damiano von mir und das will ich hiermit tun. Denn selbst falls der Regen demnächst beginnen sollte, ist dies nicht die Lösung. Viele Tiere sind so schwach, dass sie die ersten Regenschauer durch die Kälte nicht überstehen würden und oft ist der Boden so trocken, dass das Wasser nicht versickern kann. Doch es gibt Wege, die Menschen zu unterstützen. Die mobile Klinik erreicht diejenigen, die sonst zu weit von Hilfe entfernt leben würden. Mit 10 Euro unter dem Spendenstichwort „Kenia“ ermöglichen Sie Kranken den Zugang zu Medikamenten und Behandlung. Bereits 25 Euro sind eine große Hilfe für die Hungernden. Vielen Dank.

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