Armenien

Großes Elend, und nun noch Krieg

21.10.2020
Unsere Hilfe in Nordarmenien geht weiter – auch diesen Winter möchten wir bedürftige Familien und alleinlebende alte Menschen mit Hilfspaketen unterstützen.
Unsere Mitarbeiterin Aljona Zeytunyan besucht Marietta Sargisjan – die Frau  aus Dschadschur in Nordarmenien ist frisch verwitwet. Zur Trauer kommen  Sorgen um Nahrung, Medikamente und den Krieg um Bergkarabach.
Unsere Mitarbeiterin Aljona Zeytunyan besucht Marietta Sargisjan – die Frau aus Dschadschur in Nordarmenien ist frisch verwitwet. Zur Trauer kommen Sorgen um Nahrung, Medikamente und den Krieg um Bergkarabach.

Die Welt von Marietta Sargisjan steht still. Seit einer Woche ist die 61-Jährige Witwe. Ihr Mann starb völlig überraschend an einem Herzinfarkt. Zu der großen Trauer kommen gleich zwei existenzielle Sorgen, die Marietta den Schlaf rauben. Die eine ist der Krieg in der Region Bergkarabach, der zwischen Armenien und Aserbaidschan ausgebrochen ist. Niemand weiß, wie lang und verlustreich der Konflikt wird und ob er sich nicht auch noch nach Armenien ausbreitet. Und die andere Sorge ist die Angst vor jedem neuen Tag und die Frage, wie Marietta das Geld für Nahrung und Medikamente aufbringen soll. Ihre schadhafte Behausung ist kalt und klamm, Essensvorräte hat sie praktisch keine, und die Nachwirkungen einer kürzlich durchgeführten Gallenoperation machen ihr zu schaffen. Die geschwächte Frau braucht eigentlich Ruhe, Pflege, gesundes Essen und medizinische Unterstützung. Doch all das hat sie nicht.

Hilfe in der Einsamkeit

Das Leben Mariettas und ihres Mannes änderte sich wie das vieler anderer Menschen im Nordwesten Armeniens mit dem schweren Erdbeben 1988 grundlegend. Bis dahin war ihr Alltag in der Gemeinde Dschadschur sorglos und zufrieden gewesen. Marietta hatte studiert und arbeitete vor der Katastrophe als Buchhalterin, auch ihr Mann hatte Arbeit. Nachdem die beiden durch das Erdbeben alles verloren hatten, wurden Armut und Hoffnungslosigkeit ständige Begleiter in ihrem Haushalt. Mariettas Mann brachte sie beide mehr schlecht als recht durch. Seine Rente und das, was er bei Gelegenheitsarbeiten verdiente, reichten gerade zum Überleben. Immerhin waren sie zusammen, aber die Geborgenheit, die Marietta Sargisjan in ihrer Ehe erleben durfte, ist nun Vergangenheit.

Marietta ist verzweifelt, und deshalb empfindet sie den Besuch unserer Mitarbeiter Aljona Zeytunyan und Wigen Aghanikjan als großen Lichtstrahl in ihrem gerade so dunklen Alltag. Nicht nur die menschliche Zuwendung, die ihr der Besuch vermittelt, ist ein Trost für die Frau. Das Nahrungsmittelpaket, das Aljona und Wigen ihr überbringen, erleichtert ihr das Dasein in den nächsten schweren Winterwochen erheblich.

Nahrungspakete helfen in der schwersten Zeit

Viele Familien oder alleinstehende ältere Menschen tragen ein ähnlich schweres Schicksal wie Marietta. Zweimal jährlich übergeben wir notleidenden Menschen in der nordarmenischen Provinz Schirak Nahrungsmittelpakete; diese enthalten viele wichtige Lebensmittel wie Speiseöl, Mehl, Zucker, Salz, Nudeln und Fleischkonserven, aber auch Waschmittel. Die Sachen werden in der Region eingekauft, per Lkw in Richtung Dschadschur transportiert, von Helfern vor Ort verpackt und anschließend an besonders bedürftige Haushalte übergeben. Je nach Größe der Familie reichen die Lebensmittel mehrere Wochen. In der jetzigen Situation ist unsere Winterhilfe für die Notleidenden in Armenien dringlicher denn je. Der Krieg in Bergkarabach macht den Menschen Angst und wird auch ihren Alltag zusätzlich erschweren, zudem steht der lange, harte Winter vor der Tür.

Mit einer Gabe von 57 Euro können Sie ein großes Nahrungsmittelpaket auf den Weg schicken. Mit Ihrer Spende, liebe Leserinnen und Leser, schenken Sie den Menschen in Armenien Trost und ganz praktische Lebenshilfe. Vielen Dank.

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Bitterer Winter, bittere Not
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