Nepal

Bauen in den Bergen

22.02.2016
Nachdem Regenzeit, Grenzblockade und Winterwetter die Arbeiten erschwerten, ist der Wiederaufbau zehn Monate nach dem Erdbeben in vollem Gange.
Der Wiederaufbau in Nepal, zehn Monate nach dem Erdbeben, ist in vollem Gange.
Annelie Haack Freie Projektkoordinatorin bei Hoffnungszeichen
Annelie Haack Freie Projektkoordinatorin

Autor/in

Annelie Haack
Freie Projektkoordinatorin

Aite Singh Bholan steht mit gesenktem Blick vor seinem Haus. Wenige Wochen vor dem Beben im April letzten Jahres ist er damit fertig geworden. Gemeinsam mit einem Freund hatte er es selbst gebaut. Das Haus trotzte dem Erdbeben so gut es ging, doch es erlitt große Risse und droht nun einzustürzen. „Ihr habt tolle Arbeit geleistet, aber das Erdbeben war einfach zu stark“, lobt unser Baufachmann Ray Arana, der sichtlich beeindruckt ist von den handwerklichen Fähigkeiten des 54-jährigen Mannes. Aite und seine Frau können in dem Haus nicht mehr leben, viel zu gefährlich. Sie haben sich ihr altes Haus provisorisch hergerichtet und mit einer Plane abgedeckt. Regen, Kälte und Wind finden den Weg in ihre kleine Behausung, die gerade genug Platz für ein Bett und einen Tisch bietet. Er und seine Frau verdienen knapp 70 Euro im Monat mit dem Verkauf von Ziegenmilch. Zu wenig, um den Kredit für das Haus abzustottern und die Kinder zur Schule zu schicken.

Winter in der Wellblechhütte

Die Straßen durch die Berge sind sehr schmal und steil. Etwas mulmig ist mir schon, wenn ich so nach unten schaue. Die letzten Kilometer zu den Familien kann man oft nur zu Fuß zurücklegen. Wir befinden uns auf knapp 2.400 Metern Höhe. Es ist Mitte Januar, ich habe zwei dicke Winterjacken an und friere immer noch. Der Winter hier in den Bergen ist hart. Die Sonne kommt zwar ab und zu durch, wärmt aber nicht, es kommt zu Schnee und Frost. 
​Auch die Familie von Krishna wohnt in einer provisorisch zusammengebauten Wellblechhütte, in die gerade so zwei Betten passen. Zu siebt teilen sie sich diese. „Es ist wahnsinnig kalt in unserer kleinen Hütte. Wir sitzen am Abend so lange wie möglich am Feuer und gehen dann schnell ins Bett. Meine Söhne und ich schlafen allerdings auf dem Fußboden“, so der Familienvater. Sie haben kaum genug zu essen und wollen mir trotzdem noch etwas von ihrem frisch geernteten Gemüse mitgeben.
Das kleine Land im Himalaya zwischen China und Indien hat es in den vergangenen Monaten schwer getroffen. Auf die zwei Erdbeben im April und Mai, die über 8.800 Todesopfer forderten, folgte die Regenzeit – Monsunschauer und Gewitter machten den Menschen in ihren improvisierten Unterkünften zu schaffen. Kurz darauf dann eine wochenlange Blockade an der Grenze zu Indien; hierüber berichteten wir im Februar-Forum. So war der Wiederaufbau bislang kaum möglich – und die Notunterkünfte sind für die Familien wie von Aite oder Krishna ein kaltes und zugiges „Zuhause“ geworden. Doch die Hindernisse sind nun Vergangenheit und unser Vorhaben, 250 Häuser rund um das Dorf Dalchocki zu errichten, wird seit Anfang Januar tatkräftig umgesetzt: Viele Baustellen wurden eingerichtet und Fundamente gesetzt, Arbeiter angelernt. Alles unter Aufsicht unserer Partnerorganisation Lumanti und unseres Bauexpertenen Ray Arana, welche die späteren Bewohner fachlich anleiten. Mein Kollege bestätigte nochmals, dass wir mit den veranschlagten 3.000 Euro je Haus sehr gut kalkuliert hatten.

Wettlauf gegen die Zeit

Doch die nächste Regenperiode ab Mai wirft bereits ihre Schatten voraus: „Noch immer haben wir nicht alle Materilien beisammen und die Logistik in den abgelegenen Tälern ist eine große Herausforderung. Wir tun, was wir können, um so vielen Menschen wie möglich vor der nächsten Regenzeit ein Dach über dem Kopf bereitzustellen“, drückt Ray Arana aufs Tempo. „Die Bewohner der entlegeneren Orte könnten schon bei den ersten Monsunvorläufern nicht mehr erreichbar sein.“Viel Zeit zum Bau der neuen Häuser bleibt uns also nicht, aber immerhin wird es mit jedem Tag wärmer. Und ich habe nun mehrfach mit eigenen Augen gesehen, wie sehr die Hilfe von Hoffnungszeichen gebraucht wird und wie dankbar die Menschen dafür sind. Wir freuen uns sehr, wenn Sie diese wertvolle Arbeit weiterhin interessiert verfolgen oder mit einer Gabe unter dem Stichwort „Nepal“ unterstützen. Vielen Dank.

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