Armenien

Der Winter bringt die größte Not

24.10.2019
Wenn die kaukasische Kälte wieder in die Hütten der Armen in der nordarmenischen Region Schirak kriecht, sind die Entbehrungen besonders groß. Wir helfen den Menschen mit Nahrungsmittelpaketen.
Knarik Martirosyan lebt allein in einem schadhaften Häuschen. Da sie kein Geld für Heizmaterial hat, geht sie gelegentlich zu den Nachbarn, um sich aufzuwärmen.
Knarik Martirosyan lebt allein in einem schadhaften Häuschen. Da sie kein Geld für Heizmaterial hat, geht sie gelegentlich zu den Nachbarn, um sich aufzuwärmen.

„Es wird besser für uns werden. Man merkt es schon. Es geht voran, und das Land verändert sich.“ Knarik Martirosyan versprüht einen ungeheuren Optimismus. Dabei lebt die 81-Jährige in erschreckenden Umständen. In der schadhaften Hütte, in der sie wohnt, ist es eiskalt, denn weder der Holzofen ist in Betrieb, noch gibt es elektrischen Strom. Die alte Frau hat kein Geld für Brennholz oder um die Stromrechnung zu bezahlen. Ein Tisch, ein Stuhl und ein kaputtes Bettgestell sind das einzige Mobiliar in dem Raum, der ihr gleichzeitig als Wohn- und Schlafzimmer dient.

Seit vier Jahren ist Frau Martirosyan verwitwet, und ihre Angehörigen leben weit weg in der Ukraine, in Weißrussland und Russland. Sie ist ganz auf sich gestellt. Wenn es ihr in ihrer Hütte zu kalt wird, geht sie zu den Nachbarn, um sich aufzuwärmen. Ausreichend zu essen hat sie selten. Vielleicht ist Knarik Martirosyan deshalb so optimistisch: Ihre Hoffnung ist das Einzige, was ihr geblieben ist.

Noch nicht von der Katastrophe erholt

Die Arbeitslosigkeit in der Provinz Schirak liegt bei über 40 Prozent, und jedes zweite Kind hier lebt in Armut, berichtet Der Standard. Trotzdem hat auch die Bevölkerung im äußersten Nordwesten des kaukasischen Landes nach der „samtenen Revolution“ 2018 an Zuversicht gewonnen. Die politischen Verhältnisse haben sich geändert, Pressefreiheit und Wirtschaft entwickeln sich, und die Lebenserwartung der Armenier steigt laut den Vereinten Nationen kontinuierlich.

Wie Knarik Martirosyan hoffen viele, dass sich ihre persönliche Situation verbessern wird. In einem Land allerdings, in dem mehr als 30 Jahre nach dem verheerenden Erdbeben imNorden Armeniens Menschen noch immer in mittlerweile völlig maroden Notunterkünften hausen, sind Verbesserungen besonders für die Ärmsten in der Bevölkerung nicht sehr schnell zu erwarten. Das Beben im Dezember 1988 hatte rund 25.000 Todesopfer gefordert, eine Million Menschen obdachlos gemacht und das Land, das sich zeitgleich im politischen Umbruch befand, an den Rand des Ruins gebracht.Viele Überlebende, die vorher ein geregeltes Auskommen hatten, sind heute alt und allein, und wer damals Kind war, hat oft kaum andere Verhältnisse kennengelernt als das Leben in bitterer Armut.

„Die Preise für Benzin, Strom, Erdgas, Brennholz und vor allem Lebensmittel und Medikamente sind so hoch, dass viele Familien keine Medikamente kaufen können oder die Rente eines alten Menschen gerade für Brot reicht“, berichtet unser Mitarbeiter Wigen Aghanikjan. Er bestätigt: „Im sozialen Bereich sind in den letzten Monaten noch keine positiven Veränderungen zu beobachten.“

Ein Paket sichert wochenlang die Versorgung

Aus diesem Grund ist unsere Hilfe, die wir seit Jahren kontinuierlich und in Absprache mit den örtlichen Behörden durchführen, so wichtig für die Menschen hier. Sie kommt in den Wochen vor Weihnachten sowie im Februar jeweils 150 besonders bedürftigen Familien oder alleinlebenden älteren Menschen zugute.

1988 wurde der Norden Armeniens von einem verheerenden Erdbeben heimgesucht, bei dem rund 25.000 Menschen starben. Eine Million Menschen verloren ihr Obdach. Viele Überlebende, die vorher ein geregeltes Auskommen hatten, sind heute alt und allein, und wer damals Kind war, hat oft kaum andere Verhältnisse kennengelernt, als das Leben in bitterer Armut. Zahlreiche Menschen leben in völlig maroden Notunterkünften, die gerade in den Wintermonaten kaum Schutz vor der Kälte bieten. Hoffnungszeichen e.V. steht alleinlebenden Senioren und Familien mit Hilfspaketen zur Seite.

Auch Semfira Nikoghosyan erhält eines der Lebensmittelpakete. Die 82-Jährige lebt mit ihrer 51-jährigen Tochter Anna in einem Blechcontainer im Dorf Dschadschur. Ihr Wohnhaus wurde durch das Erdbeben zerstört, und die damals 19-jährige Anna war stundenlang unter den Trümmern verschüttet. Seitdem hat sie geistige Beeinträchtigungen. Anna hat Freude am Malen, und ihre alte Mutter spart sich die Stifte und das Papier dafür buchstäblich vom Munde ab. Über das Hilfspaket, das wir ihr überreichen, freut sich Semfira von ganzem Herzen, und sofort will sie mit dem darin enthaltenen Tee ihre Gäste – unsere beiden Helfer – bewirten. Mit dem Mehl, dem Zucker, dem Öl, den Fleischkonserven, den Nudeln, dem Reis und den anderen im Paket enthaltenen Nahrungsmitteln können sich die alte Frau und ihre Tochter einige Wochen gut ernähren.

Liebe Leserinnen, liebe Leser, unsere nächste Verteilaktion steht kurz bevor. Wir wollen möglichst vielen verarmten Rentnern wie Knarik Martirosyan und Semfira Nikoghosyan sowie besonders bedürftigen Familien beistehen. Ein Hilfspaket für 64 Euro enthält viele wichtige Lebensmittel, die für die Menschen eine große Entlastung bedeuten. Herzlichen Dank für jede kleine und größere Gabe!

Spenden

Diese Hilfe in Armenien unterstützen

Diese Seite teilen