Südsudan

Vertrieben und ausgeraubt

25.05.2018
Hunderte Familien wurden von Regierungstruppen aus ihren Dörfern vertrieben. Viele von ihnen suchen Hilfe in Rumbek und der dortigen Klinik.
800 Familien, die im Zuge einer „Umsiedlungsaktion“ aus ihren Dörfern vertrieben wurden, leben nun in der Nähe von Rumbek. Sie haben alles verloren und hausen zum Teil unter Bäumen.
800 Familien, die im Zuge einer „Umsiedlungsaktion“ aus ihren Dörfern vertrieben wurden, leben nun in der Nähe von Rumbek. Sie haben alles verloren und hausen zum Teil unter Bäumen.

Autor/in

Chol Thomas Dongrin
Hoffnungszeichen-Mitarbeiter in Ostafrika

Sarah Yom (38) sitzt unter einem Baum. In ihrem Gesicht spiegeln sich Hoffnungslosigkeit und Verzweiflung. Die sechsfache Mutter hat alles verloren: ihre kleine Hütte, ihre Habseligkeiten und ihre Nahrungsvorräte. Als Flüchtling lebt sie aktuell hier in Rumbek in der kleinen Hütte eines entfernten Verwandten, in der es eigentlich nur Platz für fünf Personen gibt. Jetzt ist die Behausung vollgestopft mit Sarah, ihren sechs Kindern und Sarahs Mutter Rebekka.

Vertreibung der Bevölkerung

Die Familie stammt aus Waril, einem Dorf nördlich von Rumbek. Sie musste fliehen, als Panzer von Regierungstruppen ihre Häuser zerstörten und die Bewohner vertrieben. Stockend erzählt Sarah: „Die Soldaten kamen am frühen Morgen in unser Dorf, sie brannten Hütten nieder und fuhren mit ihren Panzern Wände und Mauern ein. Sie schlugen auf die Menschen ein, stahlen Nahrungsmittel und vergewaltigten drei Frauen und ein Mädchen. Viele Menschen, darunter mein Mann, flohen in die Wildnis, um sich zu verstecken. Manche, die von den Soldaten gefangen wurden, berichten von schrecklicher Folter. Wir flohen hierher; seit einer Woche haben meine Kinder und ich nur ein paar Früchte gegessen.“ Dieser Bericht wird von anderen Betroffenen bestätigt. „Wir haben alles verloren, es war fürchterlicher Terror, man konnte nur seine Kinder nehmen und weglaufen. Ich habe nicht einmal mehr eine Tasse, um Wasser zu trinken“, erzählt ein anderes Opfer.

Mehr als 2.000 Familien wurden aus den Dörfern Mayom, Miir, Pathian, Waril und anderen Ortschaften vertrieben. Seit den frühen 1990er Jahren lebten die Menschen dort. Da es aber offensichtlich immer wieder Konflikte mit anderen Stämmen gab, hat die Provinzregierung die „Umsiedlung“ angeordnet. Manche wurden mit Lastwagen weggefahren und in einer anderen Region ohne Nahrung, Obdach und sonstigen lebenswichtigen Dingen abgesetzt. Andere flohen in die Wildnis, und wieder andere flüchteten in Richtung Rumbek – 800 Familien harren hier nun aus. In den Wirren kamen mehrere Kinder und ältere Menschen ums Leben, berichten Augenzeugen. Die Regierung des Teilstaats Western Lakes argumentiert, dass die „Umsiedlung“ der Menschen zur Befriedung der Region beitragen solle. Kritiker setzen dagegen, dass der einzige Weg dahin das friedvolle Miteinander und nicht die gewaltsame Trennung der unterschiedlichen Stämme sei.

Hoffnungszeichen hilft in der Notlage

Die Situation in Western Lakes ist nicht allein wegen der vielen Binnenflüchtlinge kritisch; sie verschärft sich aber dadurch aktuell dramatisch. In der Region herrschen generell häufig kriegerische Konflikte und Nahrungsmittelknappheit. Im vergangenen Jahr deklarierten die Vereinten Nationen sogar eine Hungersnot. Vor allem Kinder werden Opfer der Mangelernährung. Moch Bakic, ein sechs Monate altes Mädchen, gehört dazu. Sie stammt aus einem Dorf westlich von Rumbek und ist mit ihrer elfjährigen Schwester Mary Aloel in der Obhut der Klinik in Rumbek. Ihre Mutter erlag vor einigen Monaten einer Krankheit, und der Vater der Kinder starb schon vor der Geburt von Moch. Bisher hat sich ein Verwandter der Mutter um die Kinder gekümmert. Aufgrund der schweren Mangelernährung von Moch sind sie nach Rumbek gekommen. „Wir sind schon lange hier“, erklärt die elfjährige Mary. „Wir haben keinen anderen Ort, den wir Zuhause nennen. Für uns ist das hier unser Zuhause.“ Chol Ajuong, ein medizinischer Mitarbeiter der Klinik in Rumbek, bestätigt: „Wir haben bei Moch eine schwere Unterernährung diagnostiziert und päppeln sie mit Spezialnahrung wieder auf. Die Begleiterscheinungen wie Durchfall, Fieber und Appetitlosigkeit, die am Anfang auftraten, haben wir schon in den Griff bekommen.“

Den rund 800 geflohenen Familien in Rumbek wollen wir von Hoffnungszeichen mit einem Hilfstransport in dieser Notlage beistehen und Hoffnung geben. Für 75 Euro beispielsweise kann eine Familie mit Reis, Sorghum, Speiseöl und einem großen Sack Bohnen versorgt werden. Mit 40 Euro können den Vertriebenen essentielle Sachgüter wie Decken, Seife und Haushaltsgegenständen zur Verfügung gestellt werden. Danke, dass Sie mit Ihrer Spende den Familien und ihren notleidenden Kindern beistehen.

Spenden

Diese Hilfe im Südsudan unterstützen

Land: Südsudan

Erfahren Sie mehr auf unserer Länderseite
Icon für Südsudan

Diese Seite teilen