Südsudan

Unschuldig und krank im Gefängnis

24.04.2019
Als Folge der im Bürgerkrieg erlittenen Traumata gibt es viele psychisch Kranke im Teilstaat Western Lakes. Ohne unsere Hilfe ist ihre Lage oft dramatisch.
Viele psychisch Kranke lebten eingesperrt in kargen Zellen im Anbau des Gefängnisses, oft nackt und angekettet. Hoffnungszeichen bringt Hilfsgüter – und Aufklärung!
Viele psychisch Kranke lebten eingesperrt in kargen Zellen im Anbau des Gefängnisses, oft nackt und angekettet. Hoffnungszeichen bringt Hilfsgüter – und Aufklärung!

Autor/in

Chol Thomas Dongrin
Hoffnungszeichen-Mitarbeiter in Ostafrika

Der 20-jährige Malieny Kuei steht verschüchtert in seiner winzigen Einzelzelle im Gefängnis in Rumbek. Halbnackt, sprachlos in innerer und äußerer Isolation. Er ist nicht hier, weil er ein Verbrechen begangen hat. Sondern weil er krank ist. Und weil es keine Kliniken für Menschen mit psychischen Erkrankungen gibt. Malieny Kuei kommt aus dem kleinen Ort Ulu, 50 Kilometer südlich von Rumbek. Er zeigt schwere Anzeichen einer posttraumatischen Belastungsstörung. Der junge Mann fürchtet sich davor, mit anderen Menschen zu sprechen, nicht einmal Essen oder Kleidung wollte er anfangs annehmen. Niemand aus seinem Heimatdorf fragt nach ihm, niemand kommt ihn besuchen.

„Eine psychische Erkrankung ist kein Fluch“

„Die meisten Menschen mit psychischen Erkrankungen leiden unter Gewalterfahrungen in der Vergangenheit, an Armut und fehlender Unterstützung ihrer Familien“, sagt Jacob Maker, Wärter und zugleich medizinischer Mitarbeiter des Gefängnisses. Der Helfer kennt Malieny Kuei gut. Er weiß, dass dessen Zustand auf die brutale Gewalt zurückgeht, die er schon als Junge erleben musste. Doch traditionell glaubt man im Südsudan, dass geistige Erkrankungen auf einen bösen Fluch zurückzuführen sind. Viele sehen in kranken Menschen ein Unglück, das auf andere übertragen werden kann. Deshalb meiden Dorfgemeinschaften betroffene Menschen wie Malieny Kuei und grenzen sie aus.

Dabei wurde Malieny Kuei unverschuldet Opfer äußerer Umstände. Seine Eltern starben, als er ein kleiner Junge war. Dann, während des Bürgerkriegs, waren Überfälle auf sein Dorf über Jahre alltäglich. Er selbst war brutaler Gewalt ausgesetzt und musste mit ansehen, wie Angreifer seine Verwandten ermordeten.

Diese Erlebnisse konnte er nicht verarbeiten. Der junge Mann wurde krank davon, fiel bald aus dem sozialen Gefüge. Als auch die traditionellen Heiler nichts ausrichten konnten, landete Malieny Kuei auf der Straße. Hilfe von staatlicher Seite gibt es nicht. Die Obdachlosigkeit, der Hunger und seine Krankheit setzten ihm zu. Seinen Schmerz, die Hilflosigkeit und seine Ängste versuchte er wie viele andere Betroffene mit Drogen zu betäuben. Einer seiner Verwandten fand ihn so auf der Straße und sah nur eine Möglichkeit: Er brachte Malieny Kuei ins Gefängnis von Rumbek.

Mit wenigen Mitteln können wir viel bewirken!

„Nur eine Handvoll der Kranken schafft es zu uns“, erklärt Gefängnisverwalterin Saida Mohamed. Die meisten der von psychischen Störungen Betroffenen leben weiter auf der Straße. Oft ohne jeglichen Besitz, nackt, krank, schreiend, als Ausgestoßene, als Bettler. Rund 120 Menschen sollen es allein in Rumbek sein. Die Dunkelziffer ist hoch.

Doch den Betroffenen kann geholfen werden. Sie brauchen medizinische Versorgung, Essen, Trinken und Kleidung. Seit Jahren kümmert sich Hoffnungszeichen um die Kranken im Gefängnis von Rumbek. Mais, Linsen, Zucker, Speiseöl, Reis und Salz kaufen wir für sie ein, sowie Medikamente, Seife, Bettlaken, T-Shirts und Hosen. Unser Ziel: Einen Standard-Prozess für psychisch Kranke zu etablieren und dafür zu sorgen, dass möglichst viele Menschen möglichst schnell die helfenden Medikamente erhalten.

Malieny Kuei ist mittlerweile seit drei Monaten in Behandlung. Er fühlt sich besser, kann inzwischen die Anwesenheit anderer aushalten und mit ihnen sprechen. Das stimmt zuversichtlich. Denn viele Betroffene wie Malieny Kuei konnten dank der Hilfe von Hoffnungszeichen das Gefängnis verlassen und führen heute ein Leben in der Gemeinschaft. „Wir hoffen, dass die Spender von Hoffnungszeichen uns unterstützen, damit wir den schwer traumatisierten Menschen weiter helfen können. Sie sind Menschen wie du und ich, sie haben ein Leben in Gesundheit und Würde verdient“, sagt Jacob Maker. Liebe Leserinnen und Leser, bitte bleiben Sie an der Seite der Kranken. Vielen Dank für alle Ihre Gaben.

So können Sie helfen:

  • 25 € verpflegen einen Kranken für Wochen mit Essen
  • 50 € ermöglichen den Kauf von Bettwäsche und Kleidung
  • 100 € kosten die Medikamente eines Patienten für ein Jahr

Vielen Dank!

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Thema: Gesundheit

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