Bergkarabach

Ein Lächeln von Natalya

26.08.2019
Armut und schwere persönliche Schicksale machen den Alltag vieler Menschen zu einem Überlebenskampf. Unsere Hilfe kommt bei denen an, die sie am nötigsten brauchen.
Natalya Musajelyan (9), die bei einem Unglück ihre Eltern und ihren kleinen Bruder verloren hat, erhält von uns eines der Nahrungsmittelpakete. Das Mädchen lebt inzwischen bei der Großmutter.
Natalya Musajelyan (9), die bei einem Unglück ihre Eltern und ihren kleinen Bruder verloren hat, erhält von uns eines der Nahrungsmittelpakete. Das Mädchen lebt inzwischen bei der Großmutter.

Wenn die neunjährige Natalya Musajelyan nachts aufwacht, ist ihr Gesicht oft nass von Tränen. Ihre Großmutter sitzt dann schon an ihrem Bett, alarmiert von den Schreien und Rufen des kleinen Mädchens. Natalya träumt fast jede Nacht von ihren Eltern und ihrem vierjährigen Bruder, und wenn sie aufwacht, wird der Alptraum jedes Mal zur Gewissheit: Ihre Familie ist tot. In der Nacht zum 8. Januar strömte Kohlenmonoxid aus dem schadhaften Gasofen in der Wohnung der Familie und tötete die Eltern und den kleinen Jungen im Schlaf. Im Krankenhaus kämpften die Ärzte einen Monat lang um Natalya. Das Mädchen überlebte und wurde von seiner Großmutter Karine aufgenommen.

„Ich tue mein Bestes, um sie zu trösten“

Zu dem Trauma, welches das Kind kaum verarbeiten kann, kommt die große Armut im Haushalt der Großmutter. Verzweifelt versucht Karine, ihrem verwaisten Enkelkind ein gutes Zuhause zu schenken. Doch mit ihrer kleinen Rente, die kaum für sie selbst zum Überleben reicht, ist das schwer möglich. Deshalb ist die alte Frau unendlich dankbar für das Hilfspaket mit Nahrungsmitteln wie Öl, Salz, Konserven, Zucker, Nudeln und Mehl, das ihr unsere armenischen Mitarbeiter Wigen Aghanikjan und Aljona Zeytunyan überreichen.

Auch über Natalyas Gesicht huscht ein Lächeln. Das Kind hat die Tüte mit den Bonbons und die Schokoladentafeln entdeckt, die ebenfalls Bestandteil des Hilfspaketes sind. Oma Karine sieht ihr gerührt zu. „Ich tue mein Bestes, um sie zu trösten“, erzählt die alte Dame, die ja auch ihre eigene tiefe Trauer bewältigen muss. „Natalya ist so ein liebes Mädchen, sie lernt sehr gut in der Schule. Wir müssen es gemeinsam schaffen.“

Der Alltag von Karine und Natalya ist dem vieler Menschen in der umstrittenen Kaukasusregion Bergkarabach ähnlich. In vielen Familien sind Tragödien wie der frühe Tod von Eltern, schwere Krankheiten, Perspektivlosigkeit oder Einsamkeit im Alter bittere Realität. Ein Großteil der rund 145.000 Bewohner leidet unter erschütternder Armut.

Bergkarabachs Sozialminister Samuel Avanesjan erklärt unseren Mitarbeitern in einem Gespräch mit Bedauern, dass die Zahl der bedürftigen Familien immer größer werde. 2.654 Anträge auf Hilfe hatte sein Ministerium bis Ende März erhalten, ist jedoch außerstande, allen zu helfen. Die Unterstützung, die Hoffnungszeichen zweimal jährlich mehreren hundert Familien, alleinstehenden Rentnern und elternlosen Kindern zukommen lässt, ist deshalb eine enorme Entlastung.

Frühsaaten sind erfroren

Die bedrohliche politische Lage, Arbeitslosigkeit und soziale Unsicherheit belasten das Leben der Menschen in Bergkarabach. Viele suchen in der Landwirtschaft ihr Auskommen, denn die Erde Bergkarabachs ist fruchtbar und das Klima normalerweise ein Garant für gute Ernten. Aber in diesem Jahr herrschte noch Mitte April bittere Kälte. „Auf dem Weg von Eriwan nach Stepanakert zu unserer Frühjahrs-Hilfsaktion waren wir starkem Schneegestöber ausgesetzt“, berichtet Wigen, der sich am 16. April gemeinsam mit Aljona auf den beschwerlichen Weg gemacht hatte. „Was aber viel schlimmer ist – der späte Frost hat in vielen Teilen Bergkarabachs die Baumblüte und die frischen Saaten geschädigt. Für Familien, die auf ihre kleine Landwirtschaft angewiesen sind, ist das eine Katastrophe.“

Besonders betroffen sind Alleinerziehende wie die 34-jährige Hermine Aghamjan, deren Mann vor zwei Jahren auf eine Mine trat und seinen Verletzungen erlag. Fünf Kinder im Alter von zwei bis 14 Jahren hat die Frau zu versorgen; an manchen Tagen ist ihre Verzweiflung sehr groß. Familien wie jene von Hermine sind es, denen wir mit unseren Hilfsaktionen jeweils im Frühjahr und zum Herbstbeginn beistehen.

Die Übergabe eines großen Hilfspakets im Wert von 64 Euro sichert den Menschen wochenlang die Mahlzeiten. Liebe Leserinnen und Leser, mit einer kleinen oder auch größeren Gabe (Spendenstichwort: „Bergkarabach“) erfahren Kinder wie Natalya und Familien wie die von Hermine schon in den nächsten Tagen Zuwendung und Hilfe. Haben Sie vielen Dank.

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