Südsudan

Ein Kinderleben wird gerettet

03.11.2016
Viele mangelernährte Kinder kommen in unsere Gesundheitsstation nach Rumbek. Der Zustand des kleinen Meen aber war besonders dramatisch.
Viele Kinder wie Meen brauchen Hilfe. Die Mütter kommen mit ihnen teilweise aus weit entfernten Ortschaften nach Rumbek.
Viele Kinder wie Meen (vorn links) brauchen Hilfe. Die Mütter kommen mit ihnen teilweise aus weit entfernten Ortschaften nach Rumbek.

Autor/in

Chol Thomas Dongrin
Hoffnungszeichen-Mitarbeiter in Ostafrika

Der einjährige Meen sitzt auf dem Schoß seiner Mutter Yom Majak Kau. Der Kleine leidet unter wässrigem Durchfall, und gerade musste er sich auch übergeben. Seine dünne Haut, unter der man jeden Knochen abzählen kann, ist in einem alarmierenden Zustand. Juckende Hautausschläge an Rücken, Brust, Bauch und Armen quälen das Kind, und weil er sich oft kratzt, ist die Haut aufgerieben, trocken und teilweise wund. Meen hat nur einen sehr geringen, weiche Haarflaum auf dem Kopf. Zachariah Mabor Nyinypiu, Mitarbeiter der Hoffnungszeichen-Klinik in Rumbek, erklärt, dass dieser Haarverlust bei Kindern in solch extremen Fällen vorkommen kann. Ganz eindeutig ist Meen von allen Kindern hier, die ebenfalls unterernährt und weinerlich sind, im schlechtesten Zustand. Neun Zentimeter – tief im roten Bereich des Messbändchens – ist sein Oberarmumfang. Mit seiner schweren Mangelernährung wird er sofort in unserem Ernährungsprogramm aufgenommen.

Die Mutter ist auf sich gestellt

Die wirtschaftliche und soziale Situation der Großfamilie, die in einem Dorf in der Nähe von Rumbek lebt, ist typisch für den Südsudan. Der Vater versuchte zunächst, seine Familie mit kleinen Geschäften innerhalb seines Dorfes zu ernähren, aber aufgrund der ökonomischen Krise im Südsudan funktionierte das nicht lange. Er weitete seine Händlertätigkeit auf Rumbek aus. Auch damit hatte er kein Glück, und so probiert er jetzt wie viele andere, sich und seine Familie mit Viehzucht zu versorgen. Aus diesem Grund ist er häufig in den Viehcamps. Meens Mutter steht mit der Sorge um das Kind allein da; sie ist seelisch in einer offensichtlich schlechten Verfassung. Der Vater war auch nicht anwesend, als Meen erkrankte. Die Mutter ging mit ihm zunächst zu einem Heiler, aber nichts half. Schließlich nahm die verzweifelte Frau ihr Kind auf den Arm und lief mit ihm kilometerweit bis nach Rumbek in unser Gesundheitszentrum. „Jetzt sind wir hier, und ich hoffe, wir haben Glück“, sagt sie. Auf die Frage, warum sie nach Rumbek gekommen sei, antwortet sie: „Freunde haben mir von der Klinik erzählt. Sie sagten, hier könnten Kinder, denen es sehr schlecht geht, wieder gesund werden.“ Viele Menschen im Südsudan gehen wie Yom zu traditionellen Heilern, um bei Krankheiten Hilfe zu finden. Erst, wenn diese versagen, suchen sie Krankenhäuser auf. Im Gegensatz zu den Heilern, die einen Obolus für ihre Hilfe verlangen, bietet unsere Hoffnungszeichen-Klinik in Rumbek ihre Dienste den Menschen grundsätzlich kostenfrei an.

„Ich sehe einen Menschen …“

Einige Tage später schaue ich wieder nach Meen und seiner Mutter. Die Therapie mit kalorien- und proteinreicher Spezialnahrung hat Meen sichtlich gestärkt. Sein Durchfall und auch sein juckender Hautausschlag werden medikamentös behandelt. Seine Mutter ist froh. „Vor einer Woche ging es ihm viel schlechter“, bestätigt sie. „Schauen Sie, wie seine Haut anfängt zu heilen. Er hat noch Durchfall, aber nicht mehr so schlimm wie am Anfang.“ Auch die anderen Mütter, die sich mit ihren Kindern im Ernährungszentrum befinden, sind dieser Meinung. „Wenn ich ihn jetzt ansehe, sehe ich einen Menschen“, sagt eine Frau, die ihr Baby auf dem Arm wiegt; eine bei den Dinka übliche Formulierung, die aussagt, dass sich jemand von einer schweren Krankheit erholt hat. Meens Haut ist noch schuppig und rau, aber die Wunden heilen, und er muss sich nicht mehr kratzen. 11,4 Zentimeter beträgt sein Armumfang jetzt, und er wiegt fast fünf Kilogramm. Noch sechs Wochen wird der Junge in Behandlung bleiben, und wenn alles so weiterläuft wie bisher, wird er unsere Krankenstation gemeinsam mit seiner Mutter gesund und kräftig verlassen können.

Unter dem Spendenstichwort „Südsudan“ können Sie schon für 10 Euro einem mangelernährten Kind wie Meen durch Spezialnahrung helfen. Mit 40 Euro ermöglichen Sie eine einmonatige Behandlung im Ernährungsprogramm. 70 Euro beträgt der Wochenlohn eines Gesundheitshelfers. 450 Euro kostet der Tagesbetrieb unserer Klinik für mehr als 100 Patienten. Herzlichen Dank für Ihre Unterstützung!

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