Jemen

Ende des Schreckens nicht in Sicht

22.11.2021
Seit sechseinhalb Jahren spielt sich im Jemen eine der schlimmsten humanitären Katastrophen der Welt ab. 20 Mio. Menschen und damit zwei Drittel der Gesamtbevölkerung sind auf Unterstützung oder Schutz angewiesen.
Marwa, Abdullah und ihre Kinder leben seit mehreren Jahren in einem Verschlag im Flüchtlingslager. Die Kinder gehen nicht zur Schule, weil sie zum kärglichen Lebensunterhalt der Familie beitragen müssen.
Marwa, Abdullah und ihre Kinder leben seit mehreren Jahren in einem Verschlag im Flüchtlingslager. Die Kinder gehen nicht zur Schule, weil sie zum kärglichen Lebensunterhalt der Familie beitragen müssen.

Hälfte der Bevölkerung hungert

Nicht nur der Krieg zehrt das Land aus. Auch Naturkatastrophen, die Corona-Pandemie und andere Seuchen sowie eine völlig mangelhafte Infrastruktur lähmen jede Entwicklung. Etwa die Hälfte aller Haushalte hat nicht ausreichend zu essen. Die Familie von Marwa Hasan gehört dazu.

Hoffnungslosigkeit im Flüchtlingslager

Der elfjährige Bashar und seine Geschwister sammeln Flaschen und Dosen im Straßenstaub, auf Müllhalden und in Abfallkörben. Der Tageslohn für rund drei Kilogramm gesammelte Plastikflaschen lag am Tag des Besuchs unseres Projektpartners bei 900 Rial. Das sind umgerechnet drei Euro. Auch der Vater der Kinder, der 35-jährige Abdullah, ist den ganzen Tag auf den Beinen, um seine achtköpfige Familie zu versorgen. Als Müllsammler verdient er nur wenig, oft reicht es kaum für eine karge Mahlzeit. Mutter Marwa Hasan ist verzweifelt.

Ursprünglich stammt die Familie aus der Hafenstadt Al-Hudaida. Dort führte sie ein Leben in bescheidenem Wohlstand, ohne Mangel, bevor der Krieg das Land zerriss und ihnen die Heimat raubte. Marwa, Abdullah und ihre Kinder mussten aus der umkämpften Region fliehen und strandeten im Flüchtlingslager Al-Zalam im Distrikt Bajil. Seit einigen Jahren fristen sie nun hier ihr Dasein, inmitten des Elends Tausender anderer.

Ihr Verschlag ist nicht abschließbar, eine geschlossene Toilette gibt es nicht, die hygienischen Bedingungen sind katastrophal, ausreichend Essen ist selten und der Schulbesuch der Kinder ist extrem unregelmäßig. Denn das Geld ist wichtiger für die Familie.

Es ist ein unsicheres, leidvolles und beinahe hoffnungsloses Dasein ohne Perspektive auf Besserung. Die jüngste Tochter des Paares, die einjährige Mariam, ist auf einem Auge blind. Eine Operation könnte helfen, doch woher das Geld dafür nehmen, und wo überhaupt ein Kind operieren lassen im Jemen, in diesem Land, in dem seit sechseinhalb Jahren eine der schlimmsten humanitären Katastrophen der Welt wütet?

Das jüngste Kind, die einjährige Mariam (re.), leidet unter einer Augenkrankheit. Eine Operation könnte helfen, ist aber weder in dem Krisenland zu organisieren noch für die Familie bezahlbar.
Das jüngste Kind, die einjährige Mariam (re.), leidet unter einer Augenkrankheit. Eine Operation könnte helfen, ist aber weder in dem Krisenland zu organisieren noch für die Familie bezahlbar.

Wir unterstützen mit Hilfspaketen

Bereits seit September 2017 unterstützt Hoffnungszeichen gemeinsam mit dem lokalen Partner Relief and Development Peer Foundation (RDP) mit unterschiedlichen Projekten bedürftige und vom Krieg hart getroffene Menschen. Derzeit stellen wir 90 Flüchtlingsfamilien – etwa 630 Personen, zwei Drittel davon Kinder – im Distrikt Bajil über mehrere Monate hinweg Lebensmittel zur Verfügung. Begünstigt werden unter anderem Alleinerziehende, Ältere (z. B. Großeltern und Enkel) und kinderreiche Haushalte. 50 kg Weizenmehl, 20 kg Reis, 10 kg rote Bohnen, 8 l Pflanzenöl, 2,5 kg Zucker und 0,5 kg Salz sind der übliche Inhalt eines Paketes.

Marwa ist unendlich dankbar für diese Unterstützung, die ihrer Familie für Wochen die Ernährung sichert. Die mit Liebe zusammengestellten Pakete geben den Menschen nicht nur Nahrung sondern auch Hoffnung. Sie sind ein Zeichen dafür, dass ihr Schicksal andere Menschen berührt.

Nachhaltige Hilfe für ein würdigeres Leben

Allein mit der Verteilung von Lebensmitteln oder Nahrungsmittelgutscheinen kann das Elend nicht bezwungen werden. Daher unterstützen wir aktuell eine Initiative unseres Partners, die 15 Frauen eine kleine Schafzucht ermöglichen soll, um die Lage ihrer Familien nachhaltig zu verbessern. Zunächst werden die Frauen in der Tierhaltung geschult, dann erhalten sie drei Schafe. Damit der Einstieg in die Tierhaltung gelingt, werden die Tiere auch geimpft. Das Futter für die ersten drei Monate wird ebenfalls bereitgestellt. „Diese Initiative wurde gemeinsam mit den Menschen vor Ort entwickelt“, betont Reimund Reubelt.

Reimund Reubelt (Erster Vorstand)

Wir wollen den durch den Krieg heimatlos gewordenen Menschen nachhaltig zu einem würdigeren Leben verhelfen. Wir wollen sie in die Lage versetzen, selbst Einkommen und Nahrung für ihre Familien zu erwirtschaften. Den Frauen kommt dabei eine wichtige Rolle zu.

Reimund Reubelt

Erster Vorstand von Hoffnungszeichen

 

Den Menschen im Jemen können sie mit Ihrer Spende (Stichwort: Jemen) inmitten ihres großen Leids die Hand der Nächstenliebe reichen und in größter Not helfen. Vielen Dank für jede Gabe.

So können Sie helfen:

  • 25 Euro - Nahrung für zwei Personen für einen Monat
  • 90 Euro - ein großes Hilfspaket für eine Familie
  • 90 Euro - ein Schaf für die Tierzucht
  • 180 Euro - Unterstützung für zwei hungernde Haushalte
Diese Hilfe im Jemen unterstützen

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