Kenia

Durst im trockenen Norden

26.01.2019
Mit einer „fahrenden Klinik“ unterstützen wir Nomadenfamilien in Nordkenia. Mit mobilen Wasserstationen wollen wir künftig dem Wassermangel abhelfen.
Der nordkenianische Bezirk Marsabit ist von Trockenheit geprägt. Die Menschen leben nomadisch und ziehen mit ihren Tierherden auf der Suche nach Weideland umher.
Der nordkenianische Bezirk Marsabit ist von Trockenheit geprägt. Die Menschen leben nomadisch und ziehen mit ihren Tierherden auf der Suche nach Weideland umher.

Autor/in

Chol Thomas Dongrin
Hoffnungszeichen-Mitarbeiter in Ostafrika

Es ist steinig und trocken, und es weht ein beständiger starker Wind, der einen Menschen aus dem Gleichgewicht bringen kann. Die Region um Dukana ist, wie viele Gegenden des nordkenianischen Bezirks Marsabit, ausgedörrt, öde und nur spärlich bewachsen. Hier lebt der Stamm der Gabra, der seinen Lebensunterhalt hauptsächlich mit dem Halten von Vieh wie Rindern, Kamelen, Eseln und Ziegen bestreitet. Diese Tiere sind den harten, wüstenähnlichen Bedingungen der an Weideland armen Region, in der es nur wenig Wasser und sehr selten Niederschläge gibt, gut angepasst.

„Pro Jahr haben wir hier zwei Regenzeiten, in denen es unregelmäßig und jeweils kurz regnet, immer etwa zwei Monate lang“, berichtet Hoffnungszeichen-Mitarbeiter Andrew Boku, der vor Ort den Einsatz des Geländewagens, der als mobile Klinik fungiert, leitet. „Es gibt aber auch Jahre, in denen quasi gar kein Regen fällt.“

Die Menschen leben in tragbaren, aus Tierhäuten, Stöcken und Stofffetzen errichteten Hütten. Mit ihren Tierherden ziehen sie umher, zerlegen dafür ihre Hütten in Einzelteile und bauen sie dort wieder auf, wo sie sich für die nächste Zeit ein Auskommen erhoffen.

Wasserknappheit und archaische Strukturen

Das Leben dort ist beschwerlich. Mangelernährung ist durch einseitige, fast nur tierische Kost weit verbreitet, aber auch fehlende Bildung ist ein Problem, da vor allem ältere Kinder oft nicht die Schule besuchen, geschweige denn studieren oder eine Ausbildung machen. Das unstete Leben der Viehzüchterfamilien erschwert einen regelmäßigen Schulbesuch. Mädchen werden oft gar nicht zur Schule geschickt, weil sich ihre Zukunft im Wesentlichen darin erschöpft, mit genug Vieh als Mitgift ausgestattet zu sein, um als Braut attraktiv zu werden. Sie werden früh verheiratet und vorher oft, trotz Verbots, der grausamen Genitalverstümmelung unterzogen.

Die Wasserknappheit bestimmt den Lebensrhythmus der Familien. Im Durchschnitt ist der nächste Wasserstandort 15 km vom Lager einer Familie entfernt. Vor allem die Esel erfüllen hier eine wichtige Trägerfunktion, indem sie bei einem solchen Marsch mit bis zu 120 l Wasser beladen werden. Die Aufgabe der Männer ist es, die Viehherden zu den Wasserlöchern zu bringen. „Dieses ständige Umherziehen, um nach brauchbarem Weideland zu suchen, hindert die Familien daran, sich dauerhaft in der Nähe von Wasserstellen niederzulassen“, erklärt Andrew Boku. Daher ist auch Ackerbau kaum möglich.

Mobile Klinik bringt Hilfe

Besonders für stillende Mütter und ihre Babys sind die teilweise tagelangen Fußmärsche zu den Wasserstellen extrem problematisch. Hawo Kiva, staatlicher Ernährungsberater im medizinischen Zentrum von Dukana, fasst zusammen: „Die Mütter sind oft sehr lange weg, und in dieser Zeit werden ihre Babys mit anderen Nahrungsmitteln als Muttermilch ernährt. Das ist sehr gefährlich für die Kinder.“ Die 30-jährige Talaso Adano ist eine dieser Mütter und hat große Angst, dass ihr Stillkind während ihrer Abwesenheit Schaden nimmt – sie hat fünf Stunden bis zur nächsten Wasserstelle zu laufen. Eines der drei größeren Kinder ist wegen Mangelernährung bereits im Ernährungsprogramm der mobilen Klinik, die die Menschen in Zusammenarbeit mit den Gesundheitsstationen in Dukana und Jireena medizinisch betreut.

Wir ermöglichen dank der Hilfe unserer Spenderinnen und Spender den Einsatz der mobilen Klinik. Vergangenen November konnte Klaus Stieglitz, Zweiter Vorstand von Hoffnungszeichen, vor Ort mit zahlreichen Menschen über deren Notlage sprechen und die Hilfe Hoffnungszeichens anbieten. An insgesamt neun Stationen gibt es das Ernährungsprogramm für mangelernährte Kleinkinder sowie Schwangeren- und Stillberatung, aber auch grundlegende medizinische Hilfe. Zusätzlich wollen wir in Zukunft auch die Wasserversorgung der Nomadenfamilien durch spezielle mobile Wasserstationen verbessern.

Liebe Leserinnen und Leser, jede Gabe ist eine große Hilfe für Durstende, Kranke und Hungernde im nordkenianischen Dukana. Vielen Dank!

So können Sie helfen:

  • 16 € - Ein „Mama-Pack“ mit Hygieneartikeln für junge Mütter
  • 28 € - Plumpy’nut-Spezialnahrung für ein mangelernährtes Kind
  • 130 € - Monatslohn für eine Krankenpflegerin der mobilen Klinik
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Thema: Gesundheit

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