Bergkarabach

Die Dunkelheit erhellen

21.03.2018
Der seit Jahrzehnten schwelende kriegerische Konflikt um die Region Bergkarabach bringt viel Leid. Wir stehen den Menschen in ihrem Elend bei.
Vor 29 Jahren hat Jonik Movsesjan seine Familie verloren. Der blinde alte Mann lebt in einer heruntergekommenen winzigen Wohnung in Einsamkeit und Elend. Unsere Mitarbeiterin erfreut ihn mit einem Hilfspaket.
Vor 29 Jahren hat Jonik Movsesjan seine Familie verloren. Der blinde alte Mann lebt in einer heruntergekommenen winzigen Wohnung in Einsamkeit und Elend. Unsere Mitarbeiterin erfreut ihn mit einem Hilfspaket.

Jonik Movsesjan hört gar nicht auf zu erzählen. Von seiner Frau redet er und von seinem Sohn, die nun schon so lange tot sind. Von seiner früheren Arbeit als Chemietechniker in einem großen Werk im aserbaidschanischen Sumgait. Von seinem beglückenden Familienleben vor dem Krieg, von der Flucht aus Aserbaidschan nach Bergkarabach 1989 und von dem Bombenangriff auf Stephanakert, der zwei Jahre später seine Familie auslöschte. Seine Gedanken springen hierhin und dorthin, seine Erinnerungen überwältigen ihn, und er lacht und weint und redet, als bräche alles aus ihm heraus, was sich in fast 30 Jahren Trauer und Not angestaut hat. „Man spürt, dass er ein großes Bedürfnis hat, sich einem Menschen mitzuteilen“, erzählt unser Mitarbeiter Wigen Aghanikjan bewegt. „Er ist sehr, sehr allein.“

Blind und einsam

Anteil nehmen, Trost spenden, Hilfe leisten – dafür sind Wigen und seine Kollegin Aljona Zeytunyan heute hier. Sie setzen sich auf das metallene Bettgestell mit der fleckigen, durchgelegenen Matratze und hören dem 80-jährigen Herrn Movsesjan zu. Seit fünf Jahren ist er blind, aber wie seine winzige Wohnung aussieht, weiß er trotzdem genau. Er riecht den Ruß und den Schimmel, er spürt die Kälte und die Feuchtigkeit, die durch die kaputten und mit Planen ausgebesserten Fenster ziehen, und die schmutzige Dunkelheit in dem kleinen Raum kann er trotz seiner Blindheit fühlen. Einmal jede Woche, immer samstags, kommt eine Nachbarin zu ihm, sorgt für das Nötigste und bringt ihm etwas Brot und andere Lebensmittel. Darüber hinaus gibt es niemanden, der dem einsamen, durch seine Blindheit ans Haus gefesselten Mann Gesellschaft leistet.

Heute ist es lebendiger und heller in seinem Herzen, denn heute sind Aljona und Wigen zu ihm gekommen. Sie schenken ihm nicht nur eine Stunde warmherziger Zuwendung, sondern bringen ihm auch ein großes Nahrungsmittelpaket mit Konserven, Reis, Nudeln, Öl, Zucker und anderen Hilfsgütern. Wie Herr Movsesjan leben viele Menschen in Bergkarabach in bitterer Armut – alte Leute, junge Familien, verwaiste Kinder. Mit unseren Hilfsgüterverteilungen, die wir zweimal jährlich durchführen, stehen wir vielen von ihnen bei. Mit 57 Euro können Sie einer bedürftigen Familie oder einem älteren Menschen ein Hilfspaket „packen“ – es wird in den kommenden Tagen übergeben. Danke, dass wir gemeinsam helfen!

Diese Seite teilen