Südsudan

Behandlung im Klassenzimmer

17.12.2018
Die Loreto-Schule in Maker Kuei ist für die Menschen der Region mehr als nur eine Bildungseinrichtung. Die Kinder erhalten hier auch Nahrung und medizinische Hilfe.
In der Grundschule der Loreto-Schwestern in Maker Kuei erhalten die gut 1.000 Jungen und Mädchen täglich eine vollwertige Mahlzeit.
In der Grundschule der Loreto-Schwestern in Maker Kuei erhalten die gut 1.000 Jungen und Mädchen täglich eine vollwertige Mahlzeit.

Autor/in

Chol Thomas Dongrin
Hoffnungszeichen-Mitarbeiter in Ostafrika

Wenn der Unterricht vorbei ist und die Schüler der Grundschule in Maker Kuei nach Hause gegangen sind, füllen sich zwei eigentlich als Klassenzimmer vorgesehene Räume. Die Kinder, die dann kommen, sind noch zu jung für den Schulunterricht – dafür aber häufig unterernährt oder krank. Wie die einjährige Nyamal Madak, die von ihrer Mutter Aliric Apac hergebracht wurde. Sie bekommt hier, wie viele andere betroffene Kinder, von den Loreto-Schwestern eine Ernährungstherapie, um ihre Mangelernährung zu heilen.

Eine Klinik für alle

Eigentlich ist die medizinische Hilfe der Loreto-Schule nur den Schulkindern vorbehalten. Weil die Infrastruktur im Südsudan jedoch in weiten Teilen brachliegt, hat sich die kleine, im Schulgebäude eingerichtete Krankenstation inzwischen auch der umliegenden Bevölkerung geöffnet. Für viele ist dies die einzige Chance auf medizinische Hilfe. Vor allem für Mütter mit Kindern ist der Fußweg in die nächstgelegene Klinik im sieben Kilometer entfernten Rumbek im Krankheitsfall zu beschwerlich.

Doch der Bedarf ist immens, und die Kapazitätsgrenze längst erreicht. Schon lange ist klar, dass es hier einer eigenständigen, gut ausgestatten Krankenstation bedarf. Um der Bevölkerung in Maker Kuei beizustehen und die Schwestern bei ihrer Arbeit zu unterstützen, hat Hoffnungszeichen mit Hilfe des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung die Errichtung eines großzügigen Klinikgebäudes ermöglicht – der Rohbau steht bereits. Die kleine Gesundheitsstation wird die Klassenzimmer nach Eröffnung dieser Klinik räumen können.

„Wir haben enormen Zulauf an Patienten“, so Schwester Penina, die medizinische Leiterin. „Manchmal 100 Patienten täglich haben wir in unserer kleinen Einrichtung; es sind Schüler unserer und umliegender Schulen, aber auch Bewohner der umliegenden Ortschaften. Speziell für mangelernährte Kinder unter fünf Jahren bieten wir das Ernährungsprogramm an.“

Bildung und Nahrung für die Kinder

Gerade die Ernährung von Klein- und Schulkindern ist den Loreto-Schwestern und uns ein Herzensprojekt. Deshalb gibt es neben dem Ernährungsprogramm, das monatlich etwa 120 mangelernährten Kindern wie Nyamal Madak hilft, auch ein Schulspeisungsprogramm – für die etwa 1.000 Kinder der Grundschule, aber auch für die 300 Schülerinnen des angegliederten Mädcheninternats. So ist die tägliche Versorgung dieser Kinder gewährleistet. Auch die Angestellten erhalten im Rahmen dieses Projekts Mahlzeiten. Dank des Beistands unserer Spender und in Zusammenarbeit mit Sternstunden e.V., der Benefizaktion des Bayerischen Rundfunks konnten wir im vergangenen Jahr auch für die Anschaffung von praktischen Gaskochern sorgen, welche die anstrengende Arbeit der Köche wesentlich erleichtern.

Die Grundschüler im Alter von fünf bis 14 Jahren erhalten in ihrer Mittagspause eine nahrhafte Mahlzeit – für viele die einzige des Tages. Die Schülerinnen des Internats – zwischen 14 und 20 Jahren alt – können dreimal täglich essen. Für die Kinder und Jugendlichen hat die Verpflegung einen weiteren Nutzen: In der Gegend um Maker Kuei ist es in vielen Familien immer noch üblich, die Kinder in jungen Jahren aus der Schule zu nehmen. Mädchen werden oft frühzeitig verheiratet und Jungen arbeiten als Kuhhirten in den Viehlagern mit. Das Angebot der Schulspeisung aber bewegt auch Eltern, die den praktischen Nutzen von Bildung noch nicht erkennen, dazu, ihre Kinder regelmäßig und langfristig zur Schule zu schicken. Nur etwa jedes sechste Kind im Grundschulalter besucht hier in der Region eine Schule. Das Angebot der Loreto-Schwestern in Maker Kuei ist somit von großer Bedeutung.

Hilfe für die ganze Familie

Das Beispiel der kleinen Nyamal Madak und ihrer Familie zeigt, wie wirkungsvoll die Hilfe der Loreto-Schwestern vor Ort ist. Wie die Mutter des Mädchens berichtet, kann sich die Familie häufig nicht einmal eine Mahlzeit pro Tag leisten. Ihre drei anderen Kinder gehen in die Loreto-Grundschule und sind auf das Essen, das sie dort erhalten, angewiesen. Mit Grundzutaten wie Bohnen und anderem lokalen Gemüse, der im Südsudan weitverbreiteten Getreideart Sorghum, Speiseöl und Salz werden gesunde und sättigende Mahlzeiten für die Kinder gekocht.

„Dieses Jahr hatten wir keine gute Ernte, weil das meiste vertrocknet ist“, so Aliric Apac. „Unsere größte Sorge sind immer unsere Kinder, aber während der Schulzeit bekommen sie hier glücklicherweise ausreichend Essen. Zu Hause haben wir es immer schwer, alle satt zu bekommen.“ Deshalb musste sie ihre kleine Nyamal auch zum Ernährungsprogramm der Schwestern bringen, denn die mangelhafte und falsche Ernährung hat sich bei dem Kleinkind schnell bemerkbar gemacht. Sie begann sich zu erbrechen und abzunehmen, unddamit einhergehender Appetitverlust verschlimmerte den Kreislauf des Hungers noch. Wie viele andere Menschen in den ländlichen Gebieten versuchten auch Nyamals Eltern zunächst, ihr Kind mit den üblichen traditionellen Heilmethoden zu „behandeln“, jedoch ohne Erfolg. Durch den Schulbesuch der anderen Kinder erfuhr Aliric Apac glücklicherweise auch von der medizinischen Behandlung durch die Loreto-Schwestern, und so kam sie mit ihrem jüngsten Kind hierher. Während der Behandlung ihres Kindes erhält auch sie eine Mahlzeit.

Gemeinsam mit Sternstunden e.V. wollen wir die Schulspeisung für die Grundschüler und die Internatszöglinge sowie die Ernährungstherapie für Kleinkinder weiter fördern. Bitte helfen Sie, liebe Spenderinnen und Spender, die segensreiche Arbeit der Loreto-Schwestern in Maker Kuei zu unterstützen. Jeder Betrag ist gut angelegt in die Bildung, Gesundheit und Ernährung der Kinder. Haben Sie vielen Dank dafür!

So können Sie helfen:

  • 15 € - Spezialnahrung für ein Kind wie Nyamal
  • 40 € - Monatlich Verpflegung einer Internatsschülerin
  • 100 € - Mittagessen eines Grundschülers für ein Jahr
Spenden

Diese Hilfe im Südsudan unterstützen

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