Mein fast zehnmonatiger Enkel isst zweimal. Einmal am Tisch in seinem Hochstuhl, und nach dem Essen, wenn er krabbelnd die Welt erobert, entdeckt er begeistert unter dem Tisch je nach Mahlzeit Brotkrümel, die heruntergefallen sind. Mich fasziniert, wie er auch die kleinsten Brocken entdeckt und geduldig jeden einzelnen aufhebt und im Mund testet. Ich bewundere, wie konzentriert er sich einer Sache widmet und gleichzeitig anderes ausblendet. Und ich frage mich, ob uns das als Erwachsene auch guttäte, nicht so achtlos durchs Leben zu hasten, sondern uns immer wieder einmal auf kleine Dinge zu fokussieren. Zum Beispiel auf das zarte Grüne, das im Vorfrühling aus der kalten Erde hervorbricht – nicht umsonst ein häufiges Bild österli-cher Hoffnung. Und im übertragenen Sinne auch die vielen kleinen gelingenden Erlebnisse und Momente unseres Lebens, die wir oft für selbstverständlich erachten, einmal „nachzuschmecken“.
In diesem Sinne wünsche ich Ihnen einen entdeckungsreichen Frühlingsbeginn.
Herzlichst Ihre
Sibylle Giersiepen