Liebe Freunde! (07/21)

Die alte Brücke

28.06.2021

Autor/in

Pfarrer Wilhelm Olschewski
Ehrenamtliches Aufsichtsratsmitglied

Es war ein wunderschöner Sommermorgen. Die alte Brücke streckte ihren leicht gebogenen Rücken in die Sonne und dachte über ihr Dasein nach. Sie hatte eine einzige Aufgabe: den Menschen zu helfen, über das reißende Wasser zu gelangen, eine Verbindung von Getrennten herzustellen, einen Weg zum Ziel zu bahnen, die Menschenlast zu tragen und zu ertragen. Sie war glücklich, dass sie durch ihre Tragfähigkeit das Hindernis aus dem Weg räumen konnte, dass die Menschen Vertrauen hatten, ihren einfachen Dienst anzunehmen. Wie viele „Brückengäste“ hatte sie schon über die gefährliche Untiefe getragen! Die alte Brücke wusste, sie war mehr als Beton, Eisen und Holz: Sie durfte mithelfen, Isolation zu überwinden und Begegnungen von Mensch zu Mensch zu ermöglichen. Sie wusste aus ihrer langen Erfahrung, dass sie sehr notwendig war in ihrer Stadt. Sie hatte es erlebt, als sie 1945 am Ende des Krieges zerstört wurde und keine Verbindung mehr da war. Ja, es ist so: ohne Beziehungen, ohne Verbindungen, ohne Begegnungen, ohne ein Miteinander kein Leben!

Sie wusste, sie ist wichtiges Symbol für die Menschen, die, soll ihr gemeinsames Leben gelingen, Brücken zueinander bauen müssen, besonders, wenn einer an seine Grenzen kommt und nicht weiter weiß.

Und die alte Brücke atmete tief durch.

Herzlichst Ihr

Wilhelm Olschewski

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