Liebe Freunde! (06/21)

Einen Augenblick Poesie für Julia

25.05.2021

Autor/in

Pfarrer Wilhelm Olschewski
Ehrenamtliches Aufsichtsratsmitglied

Das Tagwerk ist getan. Julia und Paul haben es wieder geschafft. 
Es war schon schwierig: anstrengendes Homeoffice mit Kopf- und Rückenschmerzen, kleine Wohnung, quirliges Familienleben, Homeschooling der beiden Kinder, bei Julia rote Flecken im Gesicht vom Masketragen in der Stadt. Der Alltagskoffer steht prall gefüllt, beladen mit diesem vergangenen Tag. Nun ist Abend, die Ruhe angekommen. Was heute war, schweigt schon ein wenig. Sie beide waren außer sich gewesen, ob sie jetzt zu sich selbst finden? Zärtlich drückt Paul die müde Julia und schenkt ihr einen Augenblick der Poesie:

Alle Blumen möcht‘ ich binden,
Alle dir in einen Strauß,
Und mit Kränzen dich umwinden,
Dass du lachend säh‘st heraus.

Alle Vögel möcht‘ ich fangen,
Alle dir nach meinem Sinn,
Wenn sie in den Zweigen sangen,
Wies ich stets zu dir sie hin.

Alle Schätze möcht‘ ich heben,
Alle aus der Tiefe Schoß,
Dass ich dir sie könnte geben,
Und du würdest reich und groß.

Ach! was kann ich, und was hab‘ ich!
Bin ich doch so arm wie du,
Was ich hatte, ach! das gab ich,
Und mich selbst, mich selbst dazu.

(Julius Wolff, Schriftsteller, 1834 – 1910)

Der Herr segne Sie alle und die Momente, die uns gut tun an Körper und Seele.

Herzlichst Ihr

Wilhelm Olschewski

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