Südsudan

Weggesperrt wie Schwerverbrecher

21.04.2021
Aus der Not heraus werden psychisch Erkrankte im Südsudan oftmals in Gefängnissen „verwahrt“. Ursache der mentalen Störungen sind häufig Traumata durch Gewalterfahrungen.
Einige der Betroffenen in Rumbek sitzen gefesselt auf den kahlen Böden ihrer Einzelzelle, mit nicht mehr als ihrer Kleidung am Leib. Wir möchten den Unschuldigen ein Stück ihrer Würde wiedergeben.
Einige der Betroffenen in Rumbek sitzen gefesselt auf den kahlen Böden ihrer Einzelzelle, mit nicht mehr als ihrer Kleidung am Leib. Wir möchten den Unschuldigen ein Stück ihrer Würde wiedergeben.

Autor/in

Chol Thomas Dongrin
Hoffnungszeichen-Mitarbeiter in Ostafrika

Im Gefängnis trotz fehlender Straftat

Moses Dor Malouch sitzt nachdenklich in seiner kargen Zelle im Gefängnis von Rumbek im Teilstaat Western Lakes. Dass er einmal in einem Gefängnis landen würde, hätte der 28-Jährige sich nie ausgemalt. Dabei hat der junge Mann keine Straftat begangen. Weggesperrt wie ein Schwerverbrecher sitzt er Tag für Tag einsam und allein in seiner Zelle hinter den grünen Gitterstäben. Sein „Vergehen“: Er ist psychisch krank.

Psychisch kranke Menschen werden im Südsudan aus Unwissenheit, Überforderung und Mangel an medizinischer Versorgung oft ins Gefängnis gesperrt – so auch Moses Dor Malouch (28).
Psychisch kranke Menschen werden im Südsudan aus Unwissenheit, Überforderung und Mangel an medizinischer Versorgung oft ins Gefängnis gesperrt – so auch Moses Dor Malouch (28).

Grund: Posttraumatische Belastungsstörung

Die Leidensgeschichte von Dor begann 2016. Zu dem Zeitpunkt lebte er mit seiner Familie in der Gemeinde Mayom, etwa 30 km nördlich von Rumbek. Immer wieder kam es in der Region zu Konflikten und Kämpfen. Während einer dieser Unruhen in seinem Dorf kam sein Bruder ums Leben, und Dor selbst überlebte nur knapp. Das war der Tag, an dem sich für den Südsudanesen alles änderte. In nur wenigen Augenblicken zerbrach seine Welt. „Seit diesem Erlebnis ist er nicht mehr derselbe gewesen“, erzählen Verwandte betroffen. „Er wurde depressiv, wollte mit niemandem mehr sprechen und wurde ohne Grund gewalttätig. Den Schmerz über den Verlust seines Bruders betäubte Dor mit Alkohol und anderen Suchtmitteln.“ Seine Familie war verzweifelt und wusste nicht, wie sie ihm helfen sollte. Aus Überforderung und in der Hoffnung auf Hilfe brachten sie Dor in das Gefängnis nach Rumbek, wo sich herausstellte, dass der Mann unter einer posttraumatischen Belastungsstörung leidet.

„Als Dor zu uns gebracht wurde, war er sehr schwach und unterernährt. Er war nicht in der Lage, zu sprechen oder alleine zu gehen“, sagt Jacob Maker, Justiz-Oberinspektor und zugleich medizinischer Mitarbeiter des Gefängnisses. „Er war aggressiv, und manchmal hatte er ‚Flashbacks‘ – schlimme Erinnerungen holten ihn ein.“ Fälle wie der von Dor sind Jacob Maker gut bekannt, denn es gibt nicht wenige Familien, die als letzten Ausweg ihre mental erkrankten Angehörigen in das Gefängnis bringen.

200.000 Südsudanesen mit schweren mentalen Störungen

Der Fall Moses Dor Malouch ist kein Einzelfall. Im Südsudan kommen psychische Erkrankungen durch konfliktbedingte Traumata, den Verlust von geliebten Menschen oder soziale und wirtschaftliche Probleme häufig vor. Nach Schätzungen des South Sudan Medical Journal gibt es in dem ostafrikanischen Staat rund 200.000 Menschen mit schweren und über eine Mio. Menschen mit leichten bis mittleren mentalen Störungen. Hierzu zählen Depressionen, Angstzustände, Schizophrenie und posttraumatische Belastungsstörungen.

In vielen Haushalten im Südsudan fehlt es zudem an Verständnis für Krankheiten dieser Art, und sie werden oftmals mit Hexerei oder einem Fluch begründet. Daher wenden sich auch einige Familien von den Betroffenen ab und überlassen sie sich selbst. Auch gibt es im Südsudan fast keine professionelle Begleitung für traumatisierte oder geistig beeinträchtigte Menschen oder Epileptiker. Erkrankte landen auf der Straße, als Ausgestoßene, als Bettler oder werden ins Gefängnis gebracht, wo sie unter menschenunwürdigen Bedingungen in Einzelzellen oder mit verurteilten Straftätern weggesperrt werden, anstatt die notwendige medizinische Hilfe zu erfahren.

Helfen anstatt wegsperren

Bereits seit 2016 versorgt Hoffnungszeichen Kranke im Gefängnis von Rumbek mit Hilfsgütern, etwa mit Grundnahrungsmitteln, Seife, Decken, Kleidung oder Moskitonetzen; und die Gefängnismitarbeiter werden in der Diagnose und Behandlung sowie im Umgang mit psychisch Kranken geschult, um auf die Bedürfnisse der Betroffenen eingehen zu können. Zudem stellen wir wichtige Medikamente zur Verfügung. „Allein im letzten Jahr haben wir es geschafft, 16 Patienten erfolgreich zu behandeln und sie zu ihren Familien zu entlassen“, erzählt Jacob Maker stolz. Auch Dor befindet sich auf dem Weg der Besserung. Er spricht wieder, gewinnt durch die Mahlzeiten an Kraft und erhält Medikamente. „Ich bin glücklich über die Hilfe, die ich hier erhalte. Danke an alle, die dies ermöglichen. Mir geht es immer besser, und ich freue mich, irgendwann wieder nach Hause zu können.“

So können Sie Betroffene unterstützen

Den Dank von Dor möchten wir an Sie weiterreichen. Mit Ihren Spenden unterstützen Sie psychisch Kranke im Südsudan bei der Genesung und dabei, ihre Würde zurückzuerlangen:

  • 10 Euro - Moskitonetz zum Schutz vor Malaria
  • 25 Euro - Ein großer Sack Reis für Hungernde
  • 50 Euro - Decken und Kleidung
  • 100 Euro - Medikamente eines Patienten für ein Jahr
Spenden

Diese Hilfe im Südsudan unterstützen

Danke für jede Gabe!

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