Südsudan

Traumatisiert im Gefängnis

02.05.2022
Psychisch kranke Menschen werden im Südsudan aus Unwissenheit und Überforderung oftmals ins Gefängnis gesperrt. Hoffnungszeichen unterstützt Inhaftierte mit Hilfsgütern.
Emmanuel Ajuong (24) leidet an einer posttraumatischen Belastungsstörung.  Der junge Mann musste miterleben, wie sein Onkel getötet und sein Zuhause niedergebrannt wurde.
Emmanuel Ajuong (24) leidet an einer posttraumatischen Belastungsstörung. Der junge Mann musste miterleben, wie sein Onkel getötet und sein Zuhause niedergebrannt wurde.

Jahrzehntelange Kämpfe und Konflikte

Die Kämpfe und Konflikte im Südsudan haben schweres Leid über die Bevölkerung gebracht und auch seelische Narben hinterlassen – etwa bei Emmanuel Ajuong (Name geändert). Der 24-Jährige stammt aus dem Dorf Among-piny, etwa 50 Kilometer nordöstlich von Rumbek. Die Menschen in der Region wurden häufig Opfer von Angriffen und Rachemorden. Vor zwei Jahren erreichten die Kämpfe auch Emmanuels Dorf. Die Angreifer töteten Menschen, brannten Häuser nieder, vertrieben die Bewohner und raubten Vieh. Der junge Mann musste mit ansehen, wie sein Onkel an diesem Tag starb.

Traumatische Erlebnisse werden nur schwer verarbeitet

Er selbst überlebte nur knapp, versteckte sich bis zum Einbruch der Dunkelheit im Busch und musste zusehen, wie das Haus der Familie abbrannte. Seit dieser traumatisierenden Erfahrung war Emmanuel nicht mehr derselbe, erzählt einer seiner Verwandten: „Der Vorfall hat ihn verändert. Er fing an, mit sich selbst zu reden, scheute die Nähe von Menschen. In ihm wuchs die Angst, er könnte der Nächste sein, der durch solch einen Angriff getötet wird. Irgendwann wurde Emmanuel uns gegenüber gewalttätig, und wir verloren die Kontrolle über ihn. Eines Tages rannte er weg. Wir suchten mehrere Tage nach ihm, bis wir ihn schließlich krank, ausgehungert und halbnackt auffanden.“ Was die Familie zu diesem Zeitpunkt nicht wusste: Der junge Mann hatte durch das Erlebte eine schwere posttraumatische Belastungsstörung entwickelt.

Hilfe für Menschen mit psychische Erkrankungen?

Oftmals wenden sich im Südsudan Angehörige von Menschen wie Emmanuel ab, da psychische Erkrankungen mit Hexerei, Besessenheit oder einem Fluch erklärt werden. Doch der junge Mann erfuhr Hilfe von seiner Familie, die ihn vor sechs Monaten bewusst in das Gefängnis nach Rumbek brachte. Ein Verwandter erzählt: „Man sagte uns, dass es hier im Gefängnis Medikamente und Beistand für Menschen in seinem Zustand gibt. Wir wünschen uns so sehr, dass ihm geholfen wird.“

Noch wenig Behandlungen für psychisch Kranke

Noch immer gibt es kaum Behandlungsmöglichkeiten für psychisch kranke Menschen im Südsudan. Es fehlt an spezialisierten medizinischen Einrichtungen und damit an einer angemessenen Versorgung für traumatisierte und geistig beeinträchtigte Menschen und auch für Epileptiker. Erkrankte werden von den Angehörigen oftmals verstoßen und sich selbst überlassen. Aufgrund der Unwissenheit über die Krankheitsbilder und auch wegen der Angst vor den erkrankten Personen werden diese nicht selten in Gefängnissen „verwahrt“, wo sie festgekettet mit Schwerverbrechern oder in einer kargen Einzelzelle, oftmals in den eigenen Exkrementen liegend, dahinvegetieren, anstatt die nötige Hilfe zu erfahren.

Im Südsudan sind psychische Erkrankungen häufig, werden aber nur selten  angemessen behandelt. Stattdessen werden die so erkrankten Menschen oftmals ohne jeglichen Beistand weggesperrt.
Im Südsudan sind psychische Erkrankungen häufig, werden aber nur selten angemessen behandelt. Stattdessen werden die so erkrankten Menschen oftmals ohne jeglichen Beistand weggesperrt.

Etwa 1 Mio. Menschen betroffen

Auch im Gefängnis von Rumbek herrschten vor einigen Jahren noch solche Verhältnisse. Dem South Sudan Medical Journal zufolge leiden über 200.000 Menschen an schweren und knapp eine Million Menschen an leichten bis mittelschweren psychischen Störungen z. B. infolge von erfahrener Gewalt. Zu den Krankheitsbildern zählen Depressionen, Angstzustände, Schizophrenie und posttraumatische Belastungsstörungen.

Adäquate Hilfe für Erkrankte

Seit 2016 nimmt sich Hoffnungszeichen der Situation der Kranken im Gefängnis in Rumbek an und verbessert die vorherrschenden menschenunwürdigen Bedingungen. Wir wollen den traumatisierten und psychisch erkrankten Insassen die nötige medizinische Hilfe und ein menschenwürdigeres Dasein ermöglichen. Hierzu stellen wir Hilfsgüter wie Lebensmittel, Seife, Decken, Kleidung und Moskitonetze zur Verfügung. Insbesondere aber wird das Gefängnispersonal in der Diagnose und Behandlung von psychischen Störungen geschult, und es werden benötigte Medikamente bereitgestellt. Auch die Bevölkerung wurde bereits für Erkrankungen dieser Art sensibilisiert. Von dieser umfassenden Hilfe, für die der medizinisch verantwortliche Mitarbeiter der Einrichtung Jacob Maker sehr dankbar ist, profitieren aktuell 40 psychisch Kranke: „Durch Ihre Unterstützung können wir Menschen wie Emmanuel angemessen versorgen und ihnen dabei helfen, wieder gesund zu werden. Einige können wir auch wieder entlassen und geheilt zurück zu ihren Familien schicken.“

Mit Ihrer Spende unterstützen Sie diese so wichtige Hilfe für psychisch erkrankte Menschen im Südsudan. Damit schenken Sie Familien Hoffnung, dass ihre Liebsten wieder gesund werden können. Danke für Ihren Beistand!

So können Sie helfen:

  • 10 Euro - Moskitonetz zum Schutz vor Malaria
  • 25 Euro - Ein Sack Reis für Hungernde
  • 50 Euro - Für Decken und Kleidung
  • 100 Euro - Medikamente eines Patienten für ein Jahr

Vielen Dank!

Diese Hilfe im Südsudan unterstützen

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