Südsudan

Menschenrechtsarbeit 2.0

30.09.2021
Von Interviews über die Luftaufklärung hin zur automatisierten Satellitenbildauswertung – wie Hoffnungszeichen neue Technologien nutzt, um ausgebeuteten Menschen beizustehen.
Ölverschmutzungen durch Pipelinebrüche im Südsudan lassen sich durch Satellitenfernerkundung aufdecken.
Ölverschmutzungen durch Pipelinebrüche im Südsudan lassen sich durch Satellitenfernerkundung aufdecken.

Nachdem Hoffnungszeichen Informationen über Ölverschmutzungen im Südsudan erhalten hatte, führten wir umfangreiche Erkundungsmaßnahmen durch. Wir nahmen zahlreiche Wasserproben und konnten 2015 in einem wissenschaftlichen Aufsatz belegen, dass die Abfälle der Ölindustrie das Trinkwasser für 600.000 Menschen vergiften. Die Ölindustrie war offenkundig von unserer Beweisführung so beeindruckt, dass sie das südsudanesische Ölministerium dazu „motivierte“, Hoffnungszeichen des Landes zu verweisen. Also mussten wir uns etwas Neues einfallen lassen, um der Ölindustrie weiterhin auf die Finger zu schauen, auch wenn wir selbst nicht mehr in das Land einreisen konnten. Wunderbarerweise kamen uns dabei Daten der Europäischen Weltraumagentur (ESA) zur Hilfe. Die Satelliten der ESA überfliegen in rund 800 km Höhe jeden Punkt der Erde alle fünf Tage. Die Bilder, die diese Satelliten aufnehmen, veröffentlicht die ESA im Internet kostenfrei und höchst aktuell. Mit Hilfe dieser Bilder konnten das Investigativ-Portal Bellingcat und wir belegen, dass es im August und Oktober 2019 im Südsudan zu folgenreichen Brüchen einer maroden Öl-Pipeline kam. Insgesamt liefen dabei etwa sechs Millionen Liter Öl aus und verseuchten eine Fläche von 30.000 m².

Es ist sehr aufwendig, alle fünf Tage den Südsudan nach Ölverschmutzung zu überwachen. Die Durchsicht der Bilderflut nimmt viel Zeit in Anspruch. Also haben wir Dr. Fabian Löw an Bord geholt. Der Geowissenschaftler entwarf gemeinsam mit uns einen Algorithmus, mit dem es uns gelang, Ölverschmutzungen automatisiert aufzuspüren. Wichtig war, dass wir dem Programm beibrachten, was auf den Satellitenbildern Öl und was nur eine Wasserpfütze ist. Hier lernte die Maschine von unseren jahrelangen Erfahrungen in der Luftbild- und Satellitenbildauswertung. Dieses Terrestrische-Ölleckagen-Identifizierungs- und Monitoring System (TOSIM) haben wir nach Begutachtung durch renommierte Experten in einem neuen wissenschaftlichen Aufsatz veröffentlicht.

Durch Pipelinebrüche wird die Umwelt im Südsudan verschmutzt.
Durch Pipelinebrüche wird die Umwelt im Südsudan verschmutzt.

Mit all diesen Aktivitäten möchten wir den Menschen im Südsudan, die von den Ölverschmutzungen betroffen sind, wirksame Mittel an die Hand geben, um möglichst selbst Beweise zu sammeln, die die Umweltverschmutzungen belegen. Damit stärken wir den Betroffenen den Rücken und befähigen sie, selbst für ihre Rechte einzutreten. Wir sind der Ansicht, dass auf diese Weise die schädigenden Aktivitäten der Ölindustrie beendet und die Ölunternehmen zur Verantwortung gezogen werden können. Danke, dass Sie den Einsatz unseres Menschenrechts-Teams unterstützen.

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