Südsudan

Leerer Bauch studiert nicht gern

24.10.2016
Rund 700 Schüler und Lehrkräfte der Loretto-Schule in Rumbek bekommen mit unserem Nahrungsprojekt an jedem Schultag gesunde Mahlzeiten. Viele Kinder leiden zuhause Hunger.
Bildung und somit Perspektiven für die Kinder des Südsudans – daran arbeitet Hoffnungszeichen. Große Bedeutung hierfür hat die Ernährung an den Schulen, denn in den Familien herrscht oft Hunger.

Autor/in

Chol Thomas Dongrin
Hoffnungszeichen-Mitarbeiter in Ostafrika

In den riesigen Blechtöpfen auf den aus Feldsteinen errichteten Feuerstellen blubbert es leise. Drei Frauen sind unter einem großen Baum auf dem Schulgelände der von den Loretto-Schwestern geführten Schule in Rumbek damit beschäftigt, nach und nach das Mittagessen für alle 700 Schüler zuzubereiten. Eine vierte Mitarbeiterin ist schon dabei, rote, grüne und blaue Plastikschüsseln mit dampfendem Haferbrei zu füllen und auf einem langen Tisch aufzureihen. Einen Schlag gekochte Bohnen gibt es obendrauf. Gleich werden die Schüler aus ihren Klassenräumen kommen. Die Mittagspause beginnt – für die meisten Kinder einer der wichtigsten Momente im Schulalltag. „Ich bin wirklich froh, hier zur Schule zu gehen. An manchen Tagen komme ich hungrig her, weil es zu Hause einfach nicht genug zu essen gibt“, erzählt Peter Puoric, ein Schüler der 6. Klasse, während sein Blick schon begehrlich zu dem Tisch mit den gefüllten Schüsseln schweift. „Hier in der Schule bekomme ich jeden Tag Mittagessen. Wenn ich satt bin, kann ich mich im Unterricht viel besser konzentrieren. Und nach dem Mittagessen spiele ich oft mit meinen Freunden Fußball.“

Keine Bildung ohne Nahrung

Der Südsudan ist eines der Länder, in denen die Schulbildung im weltweiten Vergleich mit am schlechtesten funktioniert. Nur etwa 27 Prozent der Erwachsenen konnten im Jahr 2012 lesen und schreiben. Hoffnungszeichen konzentriert deshalb die Hilfe unter anderem darauf, Kindern im Südsudan Schulbildung zu ermöglichen. Und ein wichtiger Weg zur Bildung führt über Ernährung. Speziell hier in der Region Rumbek ist das größte Problem vieler Familien der Hunger. Hinzu kommen fehlende Bildungseinrichtungen und die Tendenz, dass Schüler die Schulen wieder früh verlassen. Viele Mädchen werden sehr jung verheiratet, und auch viele Jungen verlassen die Schule frühzeitig, weil sie durch Arbeit ihre Familien unterstützen müssen. Die andauernden kriegerischen Konflikte haben die Erwerbsstrukturen der Menschen geschädigt, Einkommensquellen sind zerstört, die Preise für Lebensmittel auf den lokalen Märkten steigen. Das Nahrungshilfe-Projekt greift dieses Problem an seiner Wurzel. Die Logik ist einfach: Bekommen die Schüler in ihrer Schule zu essen, werden sie von ihren Familien auch regelmäßig dorthin geschickt. Die 700 Jungen und Mädchen, aber auch Lehrer und andere Mitarbeiter der Schule, erhalten Frühstück und Mittagessen. „Seit Beginn des Projekts hat sich die durchschnittliche Anwesenheit der Schüler von 75 auf 95 Prozent erhöht“, erklärt Verwaltungsmitarbeiter Benjamin Sprunger.

Schule ist mehr als Lernen unter einem Baum

Eine weitere Maßnahme von Hoffnungszeichen in Rumbek ist auch der Bau von Klassenräumen.* Einige neue Blocks wurden im April dieses Jahres fertiggestellt, andere sind noch im Bau. Es ist ein Unterschied, ob Kinder auf dem Boden hockend bei Hitze, Staub oder Regen unter einem Baum lernen müssen, oder ob sie in witterungsbeständigen, luftigen Räumen an Schultischen in ihre Hefte schreiben können. Bei meinem Besuch Anfang September schaue ich mir alle Räumlichkeiten der Schule an: Die Klassenräume, die Krankenstation und die Küche, in der einige Köchinnen mit der Zubereitung des Essens für hunderte Schüler beschäftigt sind. Gekochte Bohnen und Haferbrei, wie heute, aber auch Reis und lokales Gemüse stehen häufig auf dem Speiseplan. „Wir achten darauf, dass das Essen möglichst reich an Energie und Proteinen und die Nahrung insgesamt ausgewogen ist“, so Benjamin Sprunger. Nicht alle dieser Nahrungsmittel bekommen die Verantwortlichen der Loretto-Schule auf den lokalen Märkten. „Was wir machen, ist Bauern aus dem Umland zu kontaktieren“, sagt Benjamin.

Liebe Leserinnen und Leser, mit großen und kleinen Beträgen können Sie den Kindern beistehen. 11 Euro kostet das Essen für einen Schüler im Monat, für alle 700 Schüler sind es 360 Euro pro Tag. Herzlichen Dank für jede Gabe.

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