Südsudan

Hoffnung auf einen Neubeginn

23.09.2020
Zahlreiche Menschen flohen während des Bürgerkriegs aus dem Südsudan. Seit dem Friedensvertrag 2018 kehren viele Vertriebene zurück in die Heimat, in der Hoffnung auf einen Neustart – doch dieser ist beschwerlich.
Jahrelange Flucht und Entbehrung prägen das Leben von Mary Obur (32) und  ihrer Familie. Hoffnungsvoll kamen sie in die alte Heimat Tonga zurück – doch  die Mutter steht vor großen Herausforderungen.
Jahrelange Flucht und Entbehrung prägen das Leben von Mary Obur (32) und ihrer Familie. Hoffnungsvoll kamen sie in die alte Heimat Tonga zurück – doch die Mutter steht vor großen Herausforderungen.

Autor/in

Chol Thomas Dongrin
Hoffnungszeichen-Mitarbeiter in Ostafrika

Mary Obur denkt mit Schrecken zurück an die Zeit des Bürgerkriegs, als sie und ihre vier Kinder 2013 aus ihrem geliebten Heimatdorf Tonga im Bundesstaat Upper Nile vertrieben wurden. „Wir sind mit dem, was wir tragen konnten, in Richtung Sudan geflohen“, erzählt die Frau betroffen. Von jetzt auf gleich verlor die Familie alles, was sie sich über die Jahre erarbeitet hatte. Was folgte, war eine Zeit der Ungewissheit, der Angst und des Hungers.

Als die 32-Jährige Ende 2018 von dem Friedensabkommen erfuhr, beschloss sie, mit ihrer Familie wieder in die Heimat zurückzukehren, getragen von der Hoffnung auf ein besseres Leben abseits all der erlebten Entbehrungen in den vorangegangenen Jahren der Flucht. Der sehnlichste Wunsch der Mutter war, ihr früheres Leben wieder aufzubauen und ihren Kindern Sicherheit zu bieten – doch es kam anders.

Rückkehr mit Hürden

In ihrer alten Heimat Tonga leben Mary und ihre Familie in einer kleinen undichten Hütte, die kaum Schutz vor Wind und Wetter bietet. Das macht der Mutter große Sorgen, denn die Gefahr, an einer Lungenentzündung oder an Malaria zu erkranken, ist dadurch sehr groß. Um sich und ihre Liebsten zu ernähren, baut die Frau Sorghum-Hirse an, eines der wichtigsten Grundnahrungsmittel der Region. Doch heftige Regenfälle und Überschwemmungen zerstörten ihr mühevoll bewirtschaftetes Feld und vernichteten die gesamte letzte Ernte. „Als wir 2013 durch den Bürgerkrieg vertrieben wurden, haben wir alles verloren. Als ich 2018 zurückkehrte, hoffte ich, mein früheres Leben wiederzubekommen. Ich baute wie damals Sorghum an, aber das wurde dieses Mal von der Flut weggespült. Jetzt haben wir nichts mehr zu essen“, erzählt Mary verzweifelt.

Die vierfache Mutter hat nicht viele Möglichkeiten, ihre Familie zu ernähren. Sie stammt aus bescheidenen Verhältnissen, hat nie eine Schule besucht oder eine Ausbildung gemacht. Schon immer hat ihre Familie Landwirtschaft und Fischfang betrieben und so ihren Lebensunterhalt bestritten. Die Hirse war alles, was sie hatte: „Ich habe große Angst. Wie soll ich meine Kinder ernähren? Wovon sollen sie satt werden?“

So wie Mary Obur und ihrer Familie ergeht es vielen Rückkehrern in Tonga. Die Ortschaft liegt abgeschieden und isoliert im Norden des Südsudans, nahe der Grenze zum
Sudan. Lebensnotwendige Dinge wie eine gute medizinische Versorgung, Zugang zu ausreichend sauberem Wasser oder gar Nahrung gibt es hier kaum. Die Quelle, aus der die Bewohner ihr Wasser beziehen, teilen sie sich mit Tieren. Das schmutzige Wasser macht die Menschen krank. Durchfall oder Cholera sind die Folge und plagen die bereits geschwächten Körper.

Pater Johnson Obec von der Diözese Malakal ist entsetzt über die Lage in Tonga und die Situation, in der sich zahlreiche Rückkehrer wiederfinden: „Der Mangel an angemessenen Unterkünften, Hygiene und sanitären Einrichtungen macht die Menschen krank. Zusammen mit dem Hunger sorgt dies im Dorf für schwere Fälle von Unterernährung – insbesondere bei Kindern unter fünf Jahren, Schwangeren und älteren Menschen.“

Kraft schenken für den Neustart

Um den Menschen in ihrer Not zur Seite zu stehen, unterstützt Hoffnungszeichen gemeinsam mit der katholischen Diözese Malakal die bedürftigsten Rückkehrer der Gemeinde Tonga mit Nahrungsmitteln. Die Hilfsgüter werden in der Stadt Renk besorgt und per Boot flussaufwärts über den Weißen Nil in die abgeschiedene Region transportiert. 750 Haushalte, darunter insbesondere Alleinerziehende, Alte und Versehrte, erhalten jeweils einen Sack mit 50 kg Sorghum-Hirse. Rund 3.750 Menschen haben dadurch genug Essen für einen Monat. Auch Mary ist unter den Begünstigten. „Ich bin so dankbar für die Lebensmittel, die wir erhalten haben. Endlich kann ich meinen Kindern wieder nahrhafte Mahlzeiten kochen“, erzählt die Mutter erleichtert.

Liebe Leserinnen und Leser, Ihre Hilfe gibt den bedürftigen Menschen Hoffnung und die nötige Kraft, in der alten Heimat wieder Fuß zu fassen. Mit einer Spende von 40 Euro unter dem Stichwort „Südsudan“ erhält ein Haushalt mit durchschnittlich fünf Personen einen 50-kg-Sack Hirse – so sichern Sie einer zurückgekehrten Familie für Wochen die Ernährung. Jede weitere Gabe, ob groß oder klein, hilft beim Transport der Hilfsgüter in die abgelegene Ortschaft. Danke, dass Sie den Bewohnern Tongas eine Perspektive schenken und Menschen wie Mary Obur in ihrer Hoffnung auf ein besseres Leben nicht alleine lassen.

Spenden

Diese Hilfe im Südsudan unterstützen

Die Lage in der Grenzregion zum Sudan ist angespannt

Mit dem Friedensabkommen im September 2018 wurde der Bürgerkrieg im Südsudan formal beigelegt. Seitdem kehren Tausende einst in den Sudan Geflüchtete zurück in ihre südsudanesische Heimat. Hoffnungsvoll aber mittellos harren die Familien in ihren Dörfern aus. Hoffnungszeichen möchte knapp 4.000 Hungernden mit Nahrung beistehen. Diese beschaffen wir in der Stadt Renk und verschiffen sie nach Tonga. Dort übergeben Mitarbeiter der Diözese Malakal die Hilfssäcke an die Bedürftigsten.
Mit dem Friedensabkommen im September 2018 wurde der Bürgerkrieg im Südsudan formal beigelegt. Seitdem kehren Tausende einst in den Sudan Geflüchtete zurück in ihre südsudanesische Heimat. Hoffnungsvoll aber mittellos harren die Familien in ihren Dörfern aus. Hoffnungszeichen möchte knapp 4.000 Hungernden mit Nahrung beistehen. Diese beschaffen wir in der Stadt Renk und verschiffen sie nach Tonga. Dort übergeben Mitarbeiter der Diözese Malakal die Hilfssäcke an die Bedürftigsten.

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