Klaus Stieglitz im Interview

Globale soziale (Un-)Gerechtigkeit

28.01.2020
Zum VN-Welttag der sozialen Gerechtigkeit am 20. Februar betont Hoffnungszeichen-Vorstand Klaus Stieglitz die Bedeutung des Zugangs zu sauberem Trinkwasser.
Im Interview zum Tag der sozialen Gerechtigkeit: Klaus Stieglitz, Zweiter Vorstand und Menschenrechtsexperte von Hoffnungszeichen e.V.
Im Interview zum Tag der sozialen Gerechtigkeit: Klaus Stieglitz, Zweiter Vorstand und Menschenrechtsexperte von Hoffnungszeichen e.V.

Ansprechpartner/in

Eduard Goßner
Presse- & Öffentlichkeitsarbeit

Mit dem Internationalen Tag der sozialen Gerechtigkeit am 20. Februar weisen die Vereinten Nationen auf die Notwendigkeit hin, soziale Gerechtigkeit zu schaffen und die globale soziale Ungerechtigkeit zu überwinden. Klaus Stieglitz, Menschenrechtsexperte und Zweiter Vorstand von Hoffnungszeichen e.V., befasst sich seit Jahrzehnten mit dieser Frage.

Herr Stieglitz, wie lässt sich soziale Gerechtigkeit bzw. Ungerechtigkeit messen?

Dabei kann der Human Development Index - der HDI - helfen. Er gibt an, wie weit der Wohlstand in einem Land entwickelt ist. Die Berechnungsbasis bilden: das Einkommen der Menschen, ihr Bildungsstand und die Lebenserwartung. Das sind die Faktoren, die in den HDI einfließen.

Wie hat sich der HDI in den letzten Jahrzehnten entwickelt?

In den letzten 30 Jahren sehen wir eine kontinuierliche Verbesserung des HDI in den allermeisten Ländern. Auffällig ist jedoch, dass der Abstand zwischen dem globalen Norden und dem globalen Süden gleich geblieben ist. Diese Schere klafft genauso weit auseinander wie vor 30 Jahren. Ein höherer HDI bedeutet also noch längst kein menschenwürdiges Leben.

Soziale Gerechtigkeit könne nur mit dem Zugang zu sauberem Trinkwasser für jeden Menschen weltweit erreicht werden, betont Klaus Stieglitz.

Wie weit sind die Menschen in den Regionen, die Sie persönlich über Jahrzehnte beobachtet haben, davon entfernt?

Ich erlebe bei Projektaufenthalten im zentralen Ostafrika immer wieder, unter welchen unwürdigen Bedingungen die Menschen dort ihr Leben fristen müssen. An vielen Orten mangelt es an Essen, an sauberem Trinkwasser und an medizinischer Versorgung. Die für mich eindrücklichsten Situationen fand ich dort, wo Menschen keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser haben. Damit ist Hoffnungszeichen seit vielen Jahren konfrontiert, weil wir über viele Jahre hinweg Umweltverschmutzung durch die Ölindustrie dokumentiert haben, durch die Trinkwasser, zum Beispiel im Südsudan, verseucht wird. Der Zugang zu sauberem Trinkwasser ist ein wesentliches Menschenrecht. Wo dieses den Menschen entzogen wird, wird ihnen ihre Würde entzogen.

Wie sehen Sie ihre Rolle als Christ hinsichtlich der globalen sozialen Gerechtigkeit?

Unsere Kirchen sind immer wieder ein Fels in der Brandung, wenn es darum geht, zu Mitmenschlichkeit, Solidarität und zur Nächstenliebe aufzurufen. Wir glauben, dass das eine wichtige Rolle der Kirchen ist. Und natürlich kann ich mich als einzelner Christ auf vielfältige Weise für meine Mitmenschen auch global einsetzen: Ich kann im Gebet bei ihnen sein, ich kann durch ein bewusstes Konsumverhalten die Lebensverhältnisse meiner Mitmenschen global verbessern, und ich kann durch eine Spende Organisationen unterstützen, die sich für die globale soziale Gerechtigkeit einsetzen.

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