Südsudan

Eine Chance für Nyabuor

27.04.2016
Unsere Klinik in Nyal ist häufig die letzte Hoffnung für Familien, deren Kinder krank oder mangelernährt sind. Hier erhalten sie medizinische Hilfe und Nahrung.

Rot, ein erschreckendes Alarmrot, zeigt das MUAC-Band um den dünnen Oberarm der zweijährigen Nyabuor Gai Wour an. Dieser Schnelltest, mit dem der Ernährungszustand bei Kindern festgestellt wird, hat einen grünen, einen gelben und einen roten Bereich. Der rote Bereich signalisiert akute Mangelernährung. Bei Nyabuor liegt der Oberarmumfang bei ihrer Einlieferung in unsere Klinik in Nyal nur bei 9,2 Zentimetern. Das Mädchen wiegt knapp über sechs Kilogramm – so viel wie ein Säugling im ersten Lebensjahr. Ein gesundes zweijähriges Kind sollte etwa elf Kilogramm auf die Waage bringen. Doch Nyabuor ist nicht gesund, sondern schwer mangelernährt und an einer Lungenentzündung erkrankt.

Das Vieh geraubt, die Lebensgrundlage zerstört

Mit ihren beiden älteren Geschwistern wächst Nyabuor in einer Familie auf, die etwa 30 Minuten Fußweg entfernt von Nyal in einem Dorf lebt. Die Eltern versuchen so gut es geht, ihre Kinder zu ernähren, aber das ist sehr schwer. Der Vater, Gai Wour Bedeng, hat nur Gelegenheitsjobs, und die Familie versuchte sich bisher mit Landwirtschaft und Viehzucht über Wasser zu halten. Aber wie vielen anderen Kleinbauern wurde ihnen im Zuge der kriegerischen Auseinandersetzungen ihr Vieh geraubt. Nun ist die Familie auf Nahrungsmittelverteilungen angewiesen. Auch Hoff nungszeichen trägt mit Lebensmittellieferungen einen Teil dazu bei, Familien wie die von Nyabuor zu unterstützen. Hunger und Mangelernährung bei Kindern und auch Erwachsenen häufen sich leider immer mehr, besonders seit in Nyal zusätzlich tausende Binnenfl üchtlinge leben. Rund zwei Millionen Südsudanesen sind noch immer auf der Flucht. Die Region Nyal gilt als vergleichsweise ruhig und sicher, und die medizinische Hilfe in unserer Hoff nungszeichen-Krankenstation ist auch ein Grund, warum viele verzweifelte Menschen sich zumindest zeitweise hier ansiedeln. Im vergangenen Jahr wurden in unserer Klinik unter anderem 59 Kinder stationär in einem Ernährungsprogramm behandelt. Die Kinder erhalten Hochenergiekekse, Spezialbrei und werden medizinisch versorgt. Auch Nyabuor muss dringend behandelt werden, ihr Zustand ist mehr als kritisch. Ihre Mutter Chuol Geng Top beschreibt, wie sehr ihre kleine Tochter in den letzten Monaten gelitten hat. „Sie war kurzatmig, ihr Haar wurde so hell, und sie wurde dünner und dünner“, erzählt sie besorgt. Viele mangelernährte Kinder, die nicht behandelt werden, leiden unter Folgeschäden wie beispielsweise körperlichen und geistigen Verkümmerungen. Deshalb greifen die Mediziner in unserer Klinik sofort ein. Nyabuor erhält Medikamente, Vitaminpräparate und Spezialnahrung. So hat sie eine gute Chance, in einigen Wochen wieder gesund nach Hause zurückkehren zu können.

40 Euro kostet die Therapie für ein Kind

Das Ernährungsprogramm wird speziell für mangelernährte Kinder angeboten. Aber auch viele Erwachsene suchen und finden Hilfe in unserer Klinik – im vergangenen Jahr zählten unsere Mitarbeiter rund 37.000 ambulante und ca. 1.800 stationäre Patienten. Krankheiten wie Malaria, Atemwegsinfektionen, Tuberkulose oder Durchfall treten sehr häufig auf und können hier behandelt werden. Auch immer mehr Schwangere kommen zur Vorsorge und Geburt und junge Mütter zur Nachsorge in die Klinik. Hinzu kommen Impfungen, Ernährungsberatungen, gesundheitliche Aufklärungen – das medizinische Personal hat alle Hände voll zu tun. Nur durch die Unterstützung von Ihnen, unseren Spenderinnen und Spendern, können wir diese wichtige Arbeit fortführen. 280 Euro beträgt beispielsweise der jeweilige Monatslohn unserer neun Gesundheitshelfer in der Klinik. Und schon mit einer Spende von 15 Euro können Sie einem unterernährten Kind wie Nyabuor mit Spezialnahrung helfen. Danke, dass Sie den Menschen in Nyal beistehen!

Wir danken der Else Kröner-Fresenius-Stiftung, welche die Klinik in Nyal maßgeblich unterstützt. Gemeinsam mit unseren Spendern können wir monatlich über 3.000 Patienten medizinisch versorgen.

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