Tansania: Vertreibung für den Tourismus

Eine wichtige Lebensgrundlage der Massai ist die Viehzucht. Die Hirten sind in großer Sorge um ihr Weideland.
Zehntausende Massai will die Regierung aus ihrer Heimat im Ngorongoro-Reservat für ein Safari-Luxus-Touristengebiet vertreiben. Medien und Betroffene berichten von Schüssen, Gewalt und Festnahmen. Nehmen Sie an unserer Petition teil und helfen Sie so, die Vertreibung der Massai zu stoppen.
  • die Freilassung der inhaftierten Massai
  • die Wahrung der Rechte der Bevölkerung

Präsidentin Suluhu Samia Hassan, Dodoma/Tansania

Botschaft der Vereinigten Republik Tansania, S. E. Abdallah Saleh Possi, Berlin

24 Tage verbleibend
Mehr als 70.000 Massai laufen Gefahr, von ihrem angestammten Weideland vertrieben zu werden. Sie sollen einem Reservat für Safaritourismus und Trophäenjagd Platz machen. Am 7. Juni trafen zahlreiche Sicherheitskräfte in der Stadt Loliondo in der Region Arusha ein, um die Beschlagnahmungspläne der Behörden vorzubereiten. Als am 9. Juni örtliche Gemeindemitglieder gegen dieses Vorgehen protestierten, wurden sie von Sicherheitskräften mit Tränengas und Schusswaffen angegriffen. 25 Gemeindemitglieder wurden festgenommen. Später wurden sie der Verschwörung zum Mord an einem Polizisten angeklagt.
Ich bitte Sie höflich, das Vorhaben zur Erschließung des Gemeindelandes der Massai gemeinsam mit den Angehörigen der betroffenen Bevölkerung zu erörtern und eine Lösung anzustreben, die den Bedürfnissen der dortigen Bevölkerung gerecht wird. Ich fordere Sie zudem auf, die sofortige Freilassung der 25 Angehörigen der Massai-Gemeinschaft anzuordnen, die wegen ihrer friedlichen Teilnahme an den Protesten gegen ihre geplante Vertreibung festgenommen wurden.
More than 70,000 Massai are at risk of being driven from their ancestral grassland. They are to make way for a reserve meant for safari tourism and trophy hunting. On 7 June, numerous security forces arrived in the city of Loliondo in the Arusha region to prepare the authorities’ plans for seizure. When members of the local community protested against this action on 9 June, they were attacked by security forces with tear gas and guns. 25 community members were arrested. They were later charged for conspiring to murder a police officer.
I politely ask you to discuss the plan for development regarding the Massai community’s grassland together with the members of the affected community and to strive for a solution that meets the needs of the people living there. Moreover, I call upon you to order the immediate release of the 25 members of the Massai community that were arrested for their peaceful participation in the protests against the planned displacement.
Anrede
Land

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Mit Absenden der Nachricht wird den Verantwortungsträgern eine E-Mail mit unserer gemeinsamen Forderung, Ihrer Anmerkung sowie Vorname/Nachname und Ihrer E-Mail-Adresse zugestellt.

Massai sollen Heimat „freiwillig“ verlassen

700 bis 800 Polizisten, Ranger und Soldaten tauchten plötzlich am 7. und 8. Juni in Loliondo im Ngoro­ngoro­-Reservat im Norden Tansa­nias auf. Mit Grenzpfählen ausgestattet, begannen sie, ein Gebiet von etwa 1.500 Quadratkilometern ab­zustecken: „Zum Schutz der Natur“, erklärt die tansanische Regierung und rechnet vor, dass sich die Zahl der im Reservat lebenden Massai in den vergangenen sechs Jahrzehnten von 8.000 auf 100.000 mehr als ver­zwölffacht habe, so die österreichische Zeit Der Standard. Die Fel­der der halbnomadisch lebenden Volksgruppe sollen laut einer Studie, auf die sich die Regierung beruft, in den vergangenen Jahren um das Zweihundertfache zugenommen ha­ben, berichtet die Tagesschau. Dadurch werde der Lebensraum der Wildtiere zu stark eingeschränkt. Die Massai sollten deshalb ihre Heimat „freiwillig“ verlassen.

Doch tatsächlich soll in dem Gebiet ein Wildtierreservat zur Trophäen­jagd für Luxus-Touristen entstehen, finanziert von einem Anbieter aus den Vereinigten Arabischen Emiraten. Das berichten verschiedene Quellen wie u. a. die Vereinten Nationen (VN) und Amnesty International (AI). Gleiches geschah übrigens schon 1959, als die Grenzen des Se­rengeti Nationalparks neu gezogen wurden. Damals wurde den Massai der Zugang zum Park verwehrt.

Brutale Reaktionen auf Proteste

70.000 Massai sollen nun ihre Wei­degründe verlassen. Mit den Massai müssten auch ihre etwa 200.000 Nutztiere von dem Land verschwin­den. Eine neu anzulegende Straße soll dann für die Volksgruppe die Grenze des Gebiets markieren, so die Zukunftspläne der Regierung. Das Land dahinter, durch das ihre Vorfahren noch zogen, wäre dann ausschließlich für Touristen reser­viert.

Am 9. Juni protestierten örtliche Ge­meindemitglieder gegen das Vorge­hen von Regierung und Sicherheits­kräften. Die Massai entfernten die Grenzmarkierungen in der Nacht. Wie AI berichtet, setzte die Polizei am Morgen des 10. Juni Tränengas und scharfe Munition ein: Ein Mas­sai wurde dabei getötet, 31 weitere Menschen angeschossen. Andere wurden niedergeprügelt. 25 Demons­trierende nahm die Polizei fest. Sie seien wegen Verschwörung zum Mord an einem Polizisten angeklagt worden.

Massai: „Hüter der Savanne“

„Das indigene Volk der Massai lebt seit Generationen in Tansanias Ngorongoro und Serengeti Seite an Seite mit einer artenreichen Tierwelt“, schreibt die Naturschutz-Organisati­on Rettet den Regenwald. Mehr noch: Mit ihrer Lebensweise aus Viehhal­tung und Ackerbau zur Selbstversor­gung bewahrten sie als „Hüter der Savanne“ die Natur. Hunderte Massai seien aufgrund der gewaltsamen Übergriffe ins Nachbarland Kenia geflohen, erklärte Roland Ebole von AI. Die Flüchtlinge aus Tansania be­richteten der Tagesschau, die Polizei habe „sogar auf Frauen und alte Leute“ geschossen. „Sie haben unsere Häuser zerstört und unser Vieh geschlachtet.“ Auch bei Demonstratio­nen in Kenia soll mit Tränengas auf Massai geschossen worden sein.

Die Polizeiaktion in Tansania kom­me einer nach internationalem Recht verbotenen „Zwangsvertreibung“ gleich, kritisierten im Juni von den VN mit der Beobachtung des Konflikts beauftragte Menschenrechts­experten. Das „physische und kulturelle Überleben“ der Massai werde in Wahrheit wegen Safari-­Tourismus und Großwildjagd aufs Spiel gesetzt – ohne den Beitrag zu würdigen, den dieses Volk seit Jahrhunderten für die Artenvielfalt leiste, zitiert Der Standard die Experten.

Das fordern die Massai und Hoffnungszeichen

Die Massai fordern von Präsidentin Samia Suluhu Hassan, die Pläne zur Vertreibung fallen zu lassen, und bit­ten um internationale Unterstüt­zung. Tausende von ihnen seien mittlerweile aus ihren Häusern ge­flohen. Ministerpräsident Kassim Majaliwa ließ dagegen verlauten, es habe keine Zusammenstöße gegeben. Niemand werde aus Loliondo vertrieben.

Bitten Sie gemeinsam mit uns die tansanische Regierung, die Pläne für ein Touristen-Reservat aufzugeben und die Vertreibung der Massai in Loliondo zu beenden. Das Überleben einer seit Jahrhunderten verwurzelten Volksgruppe ist in Gefahr – danke für Ihren Einsatz!

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