Viele iranische Frauen wollen sich dem Verschleierungsgebot nicht mehr unterwerfen. Manche wagen es, die Kopfbedeckung in der Öffentlichkeit sehr lose oder gar nicht zu tragen. Das ist riskant.
Viele iranische Frauen wollen sich dem Verschleierungsgebot nicht mehr unterwerfen. Manche wagen es, die Kopfbedeckung in der Öffentlichkeit sehr lose oder gar nicht zu tragen. Das ist riskant.
27.08.2019

Iran: "Ich werde euch alle leiden lassen"

Immer mehr iranische Frauen protestieren gegen den Kopftuchzwang. Das Ausmaß der Bewegung führt dazu, dass die Behörden durchgreifen und verstärkt Frauenrechtlerinnen inhaftieren und anklagen. Wir möchten uns für die Freilassung der Aktivistinnen und die Abschaffung des Kopftuchzwangs stark machen.
Protestieren Sie für: 
  • die Freilassung der Menschenrechtsaktivistinnen
  • die Abschaffung des Kopftuchzwanges
Protestieren Sie bei: 

Präsident Hassan Rouhani, Teheran/Iran

In Kopie an: 

Botschaft der Islamischen Republik Iran, S. E. Herrn Mahmoud Farazandeh, Berlin

Verbleibende Zeit
44 Tage verbleibend

Sehr geehrter Herr Präsident, die drei Menschenrechtsaktivistinnen Monireh Arabshahi, Yasaman Aryani und Mojgan Keshavarz werden seit April 2019 ohne Zugang zu einem Rechtsbeistand festgehalten. Sie hatten am 8. März, dem Internationalen Frauentag, in einer Teheraner Untergrundbahn Blumen an weibliche Fahrgäste verteilt, dabei kein Kopftuch getragen und sind daraufhin verhaftet worden. Ich bitte Sie höflich, sich für die bedingungslose Freilassung von Monireh Arabshahi, Yasaman Aryani und Mojgan Keshavarz einzusetzen, da sie sich nur wegen ihrer Menschenrechtsarbeit in Haft befinden. Die drei Frauen müssen bis zu ihrer Freilassung regelmäßig Zugang zu ihren Familien und Rechtsbeiständen ihrer Wahl haben. Ergreifen Sie außerdem bitte die Initiative zur Abschaffung des Verschleierungsgesetzes.

Dear Mr. President, The three human rights activists Monireh Arabshahi, Yasaman Aryani and Mojgan Keshavarz have been in detention since April 2019 without access to legal counsel. They had been giving out flowers to female passengers in a Tehran subway station on March 8, International Women's Day, without wearing headscarves and were subsequently arrested. I ask you politely to stand up for the unconditional release of Monireh Arabshahi, Yasaman Aryani, and Mojgan Keshavarz as they are being detained solely for their human rights work. The three women must receive regular access to their families and legal counsel of their choosing until their release. Please also take the initiative to abolish the laws requiring women to remain veiled in public.

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Mit Absenden der Nachricht wird den Verantwortungsträgern eine E-Mail mit unserer gemeinsamen Forderung, Ihrer Anmerkung sowie Vorname/Nachname und Ihrer E-Mail-Adresse zugestellt.
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Monireh Arabshahi, Yasaman Aryani und Mojgan Keshavarz sitzen im Gefängnis. Die drei Frauen hatten am 8. März 2019, dem Internationalen Frauentag, etwas gewagt, das im Iran als schwere Straftat gilt: Sie sind ohne Kopfbedeckung U-Bahn gefahren, haben Blumen an weibliche Fahrgäste verteilt und mit ihnen über den Kopftuchzwang gesprochen. In einem Video, das kurz darauf in den sozialen Medien verbreitet wurde, kann man die Aktion verfolgen, wie die Menschenrechtsorganisation amnesty international (ai) berichtet. Man sieht zum Beispiel, wie Yasaman Aryani einer Frau mit Kopftuch eine Blume übergibt und ihrer Hoffnung Ausdruck verleiht, eines Tages Seite an Seite mit ihr die Straße entlanggehen zu können: „Ich ohne Kopftuch und du mit Kopftuch.“

Inhaftierung und Anklage ohne Rechtsbeistand

Im April wurden die drei Frauen festgenommen, eine, wie ai weiter berichtet, zu Hause unter den Augen ihrer entsetzten Tochter. Alle drei werden seitdem ohne Zugang zu einem Rechtsbeistand festgehalten, massiv verhört und unter Druck gesetzt. „Anstiftung und Begünstigung von Verdorbenheit und Prostitution“, „Verbreitung von Propaganda gegen das System“, „Versammlung und Verschwörung gegen die nationale Sicherheit“ sowie „Beleidigung islamischer Heiligkeiten“ – so lauten die schwerwiegenden Anklagen. Wie ai mitteilt, hätten die Frauen die beleidigenden Äußerungen des Richters zitiert: „Ihr seht alle wie Drogenabhängige aus. (…) Ich werde euch alle leiden lassen.“

Viele iranische Frauen wollen sich dem Verschleierungsgebot nicht mehr unterwerfen. Manche wagen es, die Kopfbedeckung in der Öffentlichkeit sehr lose oder gar nicht zu tragen. Das ist riskant.
Viele iranische Frauen wollen sich dem Verschleierungsgebot nicht mehr unterwerfen. Manche wagen es, die Kopfbedeckung in der Öffentlichkeit sehr lose oder gar nicht zu tragen. Das ist riskant.

Seit einigen Jahren hat sich eine Gegenbewegung zur Verschleierung herausgebildet – wir haben im April 2018 ausführlich darüber berichtet. Im Rahmen der Kampagne My Stealthy Freedom (dt.: Meine heimliche Freiheit) veröffentlichen iranische Frauen beispielsweise Fotos von sich ohne Kopftuch. Das Ausmaß und der Einfluss dieser und anderer Bewegungen haben die iranischen Behörden zu einer harten Linie veranlasst. Seit Januar 2018 sind laut ai mindestens 44 Frauenrechtlerinnen und vier Frauenrechtler festgenommen worden.

Mit unserer Protestaktion fordern wir die Freilassung der drei Frauen und anderer Menschenrechtlerinnen und Menschenrechtler sowie die Abschaffung des Verschleierungsgesetzes. Danke für Ihre Teilnahme!

+++ UPDATE +++

Am 31. Juli wurden Monireh Arabshahi und Yasaman Aryani zu je 16 Jahren sowie Mojgan Keshavarz zu 23 Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt. Laut amnesty international setzen sich die Strafen zusammen aus einem Jahr wegen „Verbreitung von Propaganda gegen das System“, fünf Jahren wegen „Versammlung und Verschwörung gegen die nationale Sicherheit“ und zehn Jahren wegen „Anstiftung und Begünstigung von Verdorbenheit und Prostitution“ mittels eines Aufrufs, sich zu „enthüllen“. Mojgan Keshavarz wurde zusätzlich wegen „Beleidigung islamischer Heiligkeiten“ zu sieben Jahren und sechs Monaten Gefängnis verurteilt. Im Gerichtsverfahren hatten die drei Frauenrechtlerinnen zu keinem Zeitpunkt des Verfahrens Zugang zu Rechtsbeiständen. Ein Berufungsverfahren läuft. Unsere Protestaktion wird unverändert fortgeführt - danke für Ihre Teilnahme!

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