Südsudan

Die Flut bleibt – das Elend wächst

14.12.2022
Überschwemmungen im Südsudan sind kein saisonales Phänomen mehr, sondern eine andauernde, schwerwiegende Folge des Klimawandels. Die Lebensgrundlage von Millionen Menschen ist gefährdet.
Ein paar Palmblätter, eine Plane – daraus besteht die Notbehausung von Yar Rok Koks Familie, nachdem Überschwemmungen ihre Lehmhütte mitrissen. Die gesamte Ernte der Familie wurde durch die Fluten zerstört; es herrscht Hunger. Im Südsudan ist die „biblische Sintflut“ für viele lebensbedrohliche Realität.
Ein paar Palmblätter, eine Plane – daraus besteht die Notbehausung von Yar Rok Koks Familie, nachdem Überschwemmungen ihre Lehmhütte mitrissen. Die gesamte Ernte der Familie wurde durch die Fluten zerstört; es herrscht Hunger. Im Südsudan ist die „biblische Sintflut“ für viele lebensbedrohliche Realität.

Überschwemmungen zerstören Ernten und Hütten

„Ich hatte Erdnüsse, Bohnen, Sorghum, Okra und Kürbisse gepflanzt, aber alles wurde von der Flut im August vor der Ernte zerstört.“ Yar Rok Kok ist verzweifelt. Die harte Arbeit einer ganzen Saison ist verloren, und das bedeutet für sie und ihre Familie eine extreme Notsituation. Die 37­-Jährige aus dem Dorf Achuar, etwa fünf Kilometer nördlich von Rumbek gelegen, ist die Haupter­nährerin ihrer Familie. Drei ihrer Kinder leben noch bei ihr, die älte­ren sind schon verheiratet. Da ihr Mann krank und geschwächt ist, muss Yar jeden Tag hart arbeiten. Die Feldarbeit ist normalerweise ihre Haupteinnahmequelle und gleichzeitig die Basis für die Ernäh­rung ihrer Familie. „Ich sammle auch noch Feuerholz und verkaufe es, aber das allein reicht bei Weitem nicht für die Versorgung meiner Familie. Es gibt Tage, da haben wir kaum etwas zu essen. Alles wird teurer, aber ich verdiene immer weniger.“

Dieses Sorghum-Feld im Dorf Achuar ist, wie die meisten anderen in der Gegend, durch das Hochwasser verdorben. Die Ernte fällt aus. An manchen Stellen weicht das Wasser nicht mehr zurück.
Dieses Sorghum-Feld im Dorf Achuar ist, wie die meisten anderen in der Gegend, durch das Hochwasser verdorben. Die Ernte fällt aus. An manchen Stellen weicht das Wasser nicht mehr zurück.

Zu allem Unglück wurde bei der Flut auch noch ihre Lehmhütte zerstört, sodass die Familie jetzt in einer behelfsmäßigen Unterkunft aus Blät­tern und Planen haust.

Wasser fließt nicht mehr ab

Wie Yar geht es unzähligen Familien im Südsudan. Nach Angaben des Nothilfebüros der Vereinten Nationen haben die schweren Niederschläge im letzten Jahr das Leben von über 900.000 Menschen in neun Bundes­staaten beeinträchtigt. Im Teilstaat Lakes traf es insbesondere die nörd­liche Gegend: Zehntausende Men­schen in den Bezirken Rumbek Nord und Cueibet sind betroffen. Ihre Häuser wurden weggeschwemmt, Ernten zerstört und Wasserquellen verseucht. Seit vier Jahren wird der Südsudan bereits von massiven Überschwemmungen heimgesucht.

„Hohe Wasserstände in den großen Seen am oberen Flusslauf des Weißen Nil drücken immer mehr Wasser in die Ebenen. […] Seit dem vergangenen Jahr fließt es vielerorts nicht mehr ab. Wenn die Staaten in diesen Tagen auf der 27. Weltklimakonferenz in Ägypten über die Folgen der Erderwärmung sprechen, brauchen sie nur in den Südsudan zu schauen. Dort hat der Klimawandel vielen Menschen schon fast alles genommen“, berichtete Der Spiegel Mitte November und resümiert: „Die Klimakrise bringt den ohnehin fragilen Staat immer näher an den Kollaps. […] Regenfälle haben Ernten verwüstet, Häuser zerstört, Straßen und Brücken weggespült, Schulen demoliert, Wasserquellen verseucht. Die Uno warnt vor Krankheitsausbrüchen.“ Die Staaten Afrikas, die weni­ger als vier Prozent zu den globalen Treibhausgas­-Emissionen beitragen, haben unter den Folgen des Klima­wandels weit mehr zu leiden als an­dere Regionen der Erde.

Seerosen als einzige Nahrung

Neuaussaaten haben wenig Aussicht auf Erfolg, denn „…meist zerstört das Wasser die neuen Felder sogleich“, wie Der Spiegel in seiner Re­portage berichtet. In manchen dau­erhaft überfluteten Regionen bleiben den Menschen als Nahrungsmittel nur Seerosen. „Und die werden immer weniger. 50 Kilogramm Ernte ergeben 3,5 Kilogramm eines nährstoffarmen Breis“, so Der Spiegel.

Unsere Hilfe in der Not

Hoffnungszeichen war und ist durch die einheimischen Mitarbeiten­den vor Ort, um hungernden Men­schen in unserer Projektregion Rumbek beizustehen. Dabei geht es nicht mehr nur darum, eine kurz­fristige Katastrophenlage abzumil­dern, sondern um eine beständige Notsituation.

Mit unserer Nahrungsmittelhilfe unterstützen wir Betroffene der Flut, die erste schwierige Zeit nach dem Ernteausfall zu überstehen. Die Familien erhalten Maismehl, Bohnen, Salz und Speiseöl.
Mit unserer Nahrungsmittelhilfe unterstützen wir Betroffene der Flut, die erste schwierige Zeit nach dem Ernteausfall zu überstehen. Die Familien erhalten Maismehl, Bohnen, Salz und Speiseöl.

200 von den Über­schwemmungen betroffene Haus­halte – insgesamt rund 1.200 Men­schen in den Dörfern Miir, Mayom, Achuar, Pok, Apet und Amer – ver­sorgen wir deshalb mit Lebensmit­teln. Auch Yar bekommt von uns diese Hilfe. Jeweils 48 kg Maismehl, 4 kg Bohnen, 3 l Speiseöl und 0,5 kg Salz versorgen eine Familie wie ihre einen Monat lang mit ausreichend Nahrung. So wie viele andere auch wird die Frau versuchen, ihr Feld wieder zu bestellen. Doch bis eine Ernte möglich sein wird, dürften Monate vergehen.

Wir danken Ihnen für jede Gabe, die Sie den Menschen zukommen lassen:

  • Mit 65 Euro unterstützen Sie eine Familie wie die von Yar mit der oben genannten Lebensmittelhilfe.
  • Einen 20-kg-Sack Bohnen stellen Sie den Bedürftigen mit einer Spende von 42 Euro zur Verfügung.
Meine Spende für den Südsudan

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