Beim Bahnfahren löse ich gern Rätsel und bin da oft in guter Gesellschaft. Im Bahnhofskiosk liegen viele Rätselhefte aus. Es ist schön, dass Rätsel lösbar sind. Selbstverständlich gibt es auch ungelöste Rätsel, aber eigentlich geht man davon aus, dass es grundsätzlich eine Lösung gibt.
Im Leben treiben uns ungelöste Rätsel an, sie neugierig zu erforschen. Manches Ungeklärte im Leben würde ich aber anders beschreiben. Nämlich mit dem Wort Geheimnis. Ein solches Geheimnis ist für mich der Totensonntag, der letzte Sonntag im Kirchenjahr. An ihm gedenken wir der Verstorbenen – und gleichzeitig teilen wir die Hoffnung auf die Auferstehung der Toten. Dieser Tag gibt uns Raum für Trauer, Dankbarkeit gegenüber den Menschen, die wir verloren haben, und den Schmerz über deren Verlust.
Wir sind mit unserer Endlichkeit konfrontiert. Und gleichzeitig kann es uns trösten und stärken, wenn wir darauf vertrauen können, dass bei Gott niemand verloren geht, dass unser Leben nicht einfach nur endet, sondern dass wir und alle, um die wir trauern, in ein neues Leben bei Gott gehen. Diese Spannung zwischen der Erfahrung von Endlichkeit und Hoffnung löst sich nicht auf, sie bleibt ein Geheimnis. Ein Geheimnis, das uns hilft, im Vertrauen auf Gott unser Leben auch angesichts des Todes zuversichtlich zu leben.
Ihre
Sibylle Giersiepen