Russland: Indigene Aktivistin in Haft

Die Minderheitenaktivistin Daria Egereva, hier auf der VN-Klimakonferenz in Baku 2024, wurde im Dezember 2025 wegen Terrorismusvorwürfen festgenommen.
Seit Dezember ist die selkupische Menschenrechts- und Klimaaktivistin Daria Egereva in Untersuchungshaft. Ihr prominenter Fall findet international Beachtung. Sie ist nicht die einzige Betroffene.
Protestieren Sie für
  • die Freilassung von Daria Egereva
  • eine nicht-missbräuchliche Anwendung der Antiterrorgesetze
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Head of the Investigative Committee of the Russian Federation, Bastrykin Aleksander Ivanovich, MOSCOW, RUSSIAN FEDERATION

In Kopie an

Botschaft der Russischen Föderation, S. E. Herrn Sergej J. Netschajew, Berlin

93 Days remaining
Sehr geehrter Herr Bastrykin,

Daria Egereva ist eine Repräsentantin des Volkes der Selkupen. Sie setzt sich aktiv für die weltweite Förderung der Rechte indigener Völker ein. Frau Egereva wurde am 17. Dezember 2025 unter dem Vorwurf des Extremismus und der „Beteiligung an den Aktivitäten einer terroristischen Organisation“ in Moskau festgenommen. Zur selben Zeit wurden die Wohnungen von mindestens 17 weiteren indigenen und menschenrechtlichen Aktivistinnen und Aktivisten durchsucht.

Ich fordere Sie höflich auf, alles in Ihrer Macht Stehende zu tun, damit Daria Egereva unverzüglich und bedingungslos freigelassen wird und alle Anklagen gegen sie fallen gelassen werden. Die Gesetze zur Terrorismusbekämpfung dürfen nicht dazu missbraucht werden, die indigene Zivilgesellschaft unter Druck zu setzen.
Уважаемый господин Бастрыкин!
Дарья Егерева является представителем народа селькупов. Она активно выступает за международную поддержку прав коренных народов. Госпожа Егерева была задержана в Москве 17 декабря 2025 года по обвинению в экстремизме и в «участии в деятельности террористической организации». Одновременно был проведён обыск квартир ещё как минимум 17 других активисток и активистов, выступающих за права коренных народов и права человека.
Я вежливо прошу Вас сделать всё, что в ваших силах, чтобы Дарья Егерева была немедленно и безоговорочно освобождена, а все обвинения против неё были сняты. Законами о борьбе с терроризмом нельзя злоупотреблять для того, чтобы оказывать давление на гражданское общество коренных народов.
Anrede
Land

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Mit Absenden der Nachricht wird den Verantwortungsträgern eine E-Mail mit unserer gemeinsamen Forderung, Ihrer Anmerkung sowie Vorname/Nachname und Ihrer E-Mail-Adresse zugestellt.

Vom 10. bis 21. November 2025 fand die COP30, die 30. Weltklimakonfe­renz der Vereinten Nationen (VN) in Belém, Brasilien, statt. Auch Daria Egereva war eine der Teilnehmenden unter circa 50.000 aus 198 Staaten. Die Russin ist Menschenrechts- und Klimaaktivistin, seit 2023 Co- Vorsitzende des Internationalen Forums indigener Völker zum Klima­wandel und Angehörige des indigenen Volkes der Selkupen. Nur mehr 3.500 Menschen gehören dieser meist noch nomadisch in Westsibirien lebenden Ethnie an. Am 17. Dezember, zurück in ihrer Wahlheimat Moskau, wurde sie verhaftet und befindet sich seitdem in Untersuchungshaft. Der Vorwurf: Extremismus und „Beteiligung an den Aktivi­täten einer terroristischen Orga­nisation“. Eine Straftat, so Amnesty International (AI), die bei einer Verurteilung zu zehn bis 20 Jahren Haft führen kann. Am 12. März verlängerte ein Moskauer Bezirksgericht ihre Haft um drei Monate.

Einsatz für Minderheiten

Seit vielen Jahren verfolgt die heute 49-Jährige international anerkannte und beachtete Ziele. Dazu gehören beispielsweise die Beteiligung indigener Völker bei internationalen Gremien und Entscheidungen sowie die Stärkung der Teilhabe indigener Frauen an politischen Prozessen, vor allem in Bezug auf den Klimaschutz. Darüber hinaus setzt sich die zweifache Mutter für eine Schulreform in ihrer selkupischen Heimat ein. Nur noch die Hälfte ihres Volkes Selkupisch, wie sie 2019 gegenüber den VN in New York darlegte. Damit stirbt diese Sprache langsam aus. Eine von Egerevas Forderungen ist deshalb: Für selkupische Kinder muss es Unterricht in ihrer Muttersprache geben. Dies ist zwar gesetzlich vorgesehen, wird in der Praxis aber nicht umgesetzt.

Indigene nicht anerkannt

Die aktuellen Anklagen gegen Daria Egereva stehen, wie AI weiter berichtet, im Zusammenhang mit ihrer vermeintlichen Beteiligung am Ab­origen Forum. Dies ist ein Netzwerk, das sich für die Rechte, Interessen und Kulturen indigener Gemeinschaften einsetzt. 2024 stufte der Oberste Gerichtshof Russlands 172 Organisationen, die mit ethnischen Minderheiten oder indigenen Ge-meinschaften in Verbindung stehen, als „terroristisch“ ein, darunter das Aborigen Forum. Zeitgleich zu Daria Egerevas Verhaftung nahmen Polizeikräfte im Dezember in mehreren Regionen Hausdurchsuchungen bei mindestens 17 anderen indigenen Personen vor, die sich für Menschenrechte und Klimaschutz engagieren. Von 160 russischen indigenen Gemeinschaften sind nur 47 offiziell anerkannt, informiert die Organisation International Work Group for Indige­nous Affairs in ihrem aktuellen Bericht zu Russland. Und das, obwohl die russische Verfassung in Artikel 67 die Rechte kleiner indigener Völker garantiert. In den letzten zwei Jahrzehnten soll eine regelrechte Erosion des Rechtsrahmens stattgefunden haben, wie die Organisation darlegt.

Missbrauch von Gesetzen

Die Fédération internationale des ligues des droits de l’Homme, ein internationaler Dachverband von Menschenrechtsorganisationen, sieht in Egerevas Fall willkürlichen Freiheitsentzug und rechtsmissbräuchliche Strafverfolgung. „Wir verurteilen diese gezielte Strategie, unter dem Deckmantel der ,Bekämp­fung von Extremismus‘ und der Ter­rorismusbekämpfung die Zivilgesell­schaft zu zerschlagen, Menschenrechtsverteidiger zu krimi­nalisieren und zu inhaftieren sowie diejenigen ins Visier zu nehmen, die ihnen Unterstützung zukommen las­sen“, äußerte sich auch das Hoch­kommissariat für Menschenrechte der VN. „Wir sind zutiefst alarmiert über diesen eklatanten Missbrauch von Gesetzen zur Terrorismus­ und Extremismusbekämpfung.“

Wir fordern die russische Regierung auf, Daria Egereva umgehend freizulassen und alle Anklagen gegen sie aufzuheben. Wir schließen uns dem Aufruf von AI an, dass sie ein sicheres und förderliches Umfeld braucht, damit sie ihre Menschenrechtsarbeit ungehindert fortsetzen kann. Die Gesetze zur Terrorismusbekämpfung dürfen nicht dazu missbraucht werden, die indigene Zivilgesellschaft zu drangsalieren. Mit Ihrer Teilnahme, liebe Leserinnen und Leser, können Sie sich an dieser Forderung beteiligen. Haben Sie Vielen Dank!

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