Fernerkundung gegen Ölverschmutzung

„Marode Ölpipeline muss stillgelegt werden“

04.03.2020
Satellitenbilder enthüllen, wie marode eine der wichtigsten Erdölpipelines des Südsudans ist. Die deutsche Menschenrechts- und Hilfsorganisation Hoffnungszeichen | Sign of Hope e.V. belegt mit modernen Fernerkundungsmethoden Leckagen, durch die Millionen Liter Öl in die Umwelt gelangten.
Durch das Pipelineleck im August 2019 wurde eine große Fläche mit Erdöl verseucht. Später wurde Stroh in das Öl geworfen, offenbar in einem hilflosen Versuch, es irgendwie zu binden.
Durch das Pipelineleck im August 2019 wurde eine große Fläche mit Erdöl verseucht. Später wurde Stroh in das Öl geworfen, offenbar in einem hilflosen Versuch, es irgendwie zu binden.

„Die Auswertung von Satellitenbildern lieferte uns erste Erkenntnisse“, erklärt der Menschenrechtsvorstand von Hoffnungszeichen | Sign of Hope e.V., Klaus Stieglitz: „Damit konnten wir ein Pipelineleck entdecken, das bisher von der südsudanesischen Regierung verschwiegen wurde.“ Durch die Pipeline, die vom nördlichen Südsudan aus in das Nachbarland Sudan und bis an das Rote Meer führt, fließt ein knappes Drittel der nationalen Ölfördermenge des Südsudans – bis zu 54.000 Barrel pro Tag. Die  Pipeline, die kriegsbedingt lange Jahre nicht in Betrieb war und dadurch korrodierte, hält dem Druck nicht mehr stand. So kommt es wiederholt zu Leckagen, zuletzt im August und im Oktober 2019. Dabei traten nach Berechnungen von Hoffnungszeichen insgesamt sechs Millionen Liter Öl aus und verbreiteten sich auf 30.000 m2. „Die Folgen für die Umwelt sind verheerend“, betont Klaus Stieglitz. „Die Regierung des Südsudans ignoriert jedoch seit Jahren weitestgehend die Schäden, die durch die Erdölindustrie verursacht werden.“ Auch die aktuellen Leckagen seien von der Regierung kleingeredet worden. „Bei der Leckage im August 40 km nördlich der Stadt Rubkona sprach der damalige Erdölminister Awou Daniel Chuang von nur 2.000 Barrel, die ausgeflossen seien. Tatsächlich waren es nach unseren Berechnungen jedoch rund 12.500 Barrel Öl, also zwei Millionen Liter“, so Klaus Stieglitz. Bei der mit Hilfe von Satellitenbildern erstmals durch Hoffnungszeichen nachgewiesenen Leckage im Oktober, nur 6,5 km von der ersten Leckage entfernt, sind rund 25.000 Barrel Öl ausgelaufen.

Die Menschenrechts- und Hilfsorganisation urteilt in einem aktuell veröffentlichten Dossier, dass die über 20 Jahre alte Hauptölpipeline für den Export zu marode sei und nicht mehr sicher betrieben werden könne. Sie solle stillgelegt werden, um weitere, jederzeit mögliche Leckagen zu verhindern, so die Forderung. Außerdem müssten die entstandenen Verunreinigungen ordentlich beseitigt werden. Bisher erfolgte das nur sehr oberflächlich. Verantwortlicher Betreiber der Pipeline ist die Greater Pioneer Operating Company, ein Konsortium aus China National Petroleum Company, dem malaysischen Petronas-Konzern, der indischen Oil & Natural Gas Corporation und Nilepet, dem staatlichen Ölkonzern des Südsudans.

Hoffnungszeichen | Sign of Hope e.V. liefert seit Jahren verlässliche Informationen zu der Ölverschmutzung im Südsudan und zu den Folgen für die Gesundheit der Menschen. „Wir nutzen die Möglichkeiten der Satelliten-Aufklärung und schicken vor Ort Beobachter an die entsprechenden Stellen. Beim aktuellen Fall konnte das erst im Februar erfolgen“, erläutert Klaus Stieglitz. „Diese Technik schafft ganz neue Möglichkeiten, Ölverschmutzung zu identifizieren und zu quantifizieren – im Südsudan und auch in anderen Ölförderländern. Das werden wir auch weiterhin tun.“

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  • „Marode Ölpipeline muss stillgelegt werden“ (Pressemitteilung vom 5.3.2020)

    Satellitenbilder enthüllen, wie marode eine der wichtigsten Erdölpipelines des Südsudans ist. Die deutsche Menschenrechts- und Hilfsorganisation Hoffnungszeichen | Sign of Hope e.V. belegt mit modernen Fernerkundungsmethoden Leckagen, durch die Millionen Liter Öl in die Umwelt gelangten.

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Thema: Menschen­rechte

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