Klaus Stieglitz beobachtet seit Jahren die Praktiken der Ölkonzerne im Süd- sudan und erklärt, dass durch die unsachgemäße Ölförderung das Trinkwasser zahlreicher Menschen verseucht wird.
Klaus Stieglitz beobachtet seit Jahren die Praktiken der Ölkonzerne im Südsudan und erklärt, dass durch die unsachgemäße Ölförderung das Trinkwasser zahlreicher Menschen verseucht wird.
22.02.2020

Südsudan: Profitgier ohne Rücksicht auf Mensch und Umwelt

Menschen leiden, weil eine profitgierige Ölindustrie ihr Trinkwasser vergiftet. Welche Verantwortung tragen wir für diejenigen Menschen, auf deren Kosten wir leben? Hoffnungszeichen fordert mit dieser Petition u.a. die Einführung eines Lieferkettengesetzes.
Protestieren Sie für: 
  • mehr soziale globale Gerechtigkeit
  • die Etablierung eines Lieferkettengesetzes
Protestieren Sie bei: 

Bundeskanzlerin Angela Merkel
(über Hoffnungszeichen e.V.)

Verbleibende Zeit
Am 30.04.2020 abgelaufen

Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin, ausbeuterische Kinderarbeit, Tote bei Fabrikbränden, verseuchtes Trinkwasser und zerstörte Lebensgrundlagen: Auch deutsche Unternehmen sind weltweit immer wieder an Menschenrechtsverletzungen und Umweltzerstörung beteiligt – ohne dass sie dafür bisher rechtliche Konsequenzen fürchten müssen. In diesem Zusammenhang bitte ich Sie, Frau Bundeskanzlerin, einen gesetzlichen Rahmen zu initiieren, mit dem Unternehmen verpflichtet werden, auch im Ausland Menschenrechte und Umweltstandards zu achten. Unternehmen, die für Schäden an Mensch und Umwelt verantwortlich sind, müssen dafür haften. Geschädigte müssen auch vor deutschen Gerichten ihre Rechte einklagen können. Mit dieser Erweiterung der Schutzwirkung der sozialen Marktwirtschaft können wir als Gesellschaft einen wichtigen Beitrag zur globalen sozialen Gerechtigkeit leisten. Ich möchte Sie bitten, den Schutz der Menschenrechte voranzutreiben und noch in dieser Legislaturperiode ein Lieferkettengesetz auf den Weg zu bringen. Mit freundlichen Grüßen

Im Interview zum Tag der sozialen Gerechtigkeit: Klaus Stieglitz, Zweiter Vorstand und Menschenrechtsexperte von Hoffnungszeichen e.V.
Im Interview zum Tag der sozialen Gerechtigkeit: Klaus Stieglitz, Zweiter Vorstand und Menschenrechtsexperte von Hoffnungszeichen e.V.

Ansprechpartner/in

Klaus Stieglitz
Zweiter Vorstand

Der Anblick eines vielleicht 14-jährigen Jungen in Rier erschüttert mich. Er steht verloren, unsicher da und starrt ins Leere, apathisch und kraftlos. Geistig wirkt er eher wie ein Siebenjähriger. Ich frage mich, ob das etwas mit dem Trinkwasser in dem Ort zu tun haben könnte. Es ist verseucht mit Blei. Um das 59-fache übersteigt der Bleigehalt die Vorgaben der deutschen Trinkwasserverordnung. 6 km von dem Ort entfernt liegt die Ölverarbeitungsanlage von Thar Jath. Leidet der Junge, wie möglicherweise viele andere Kinder in dem 3.000-Seelen-Dorf an einer Bleivergiftung, weil den Ölunternehmen eine sachgerechte Müllentsorgung viel zu teuer ist?

Eine nie endende Tragödie

Mit einer umfassenden hydrogeologischen Studie haben wir bereits 2014 nachgewiesen, dass die Abfälle aus der Ölproduktion in Thar Jath im Trinkwasser der Menschen landen. Anschließend haben wir Haarproben von Bewohnern der Ölfelder analysiert. Mit dieser Studie konnten wir 2016 belegen, dass viele Menschen um Thar Jath schwer mit Blei belastet sind – mit Blei, das aus der Ölproduktion stammt. Das verantwortliche Ölunternehmen in Thar Jath ist der malaysische Staatskonzern Petronas, ein Sponsor des Mercedes-Werksteams in der Formel 1. Ein jahrelanger Dialog zwischen Petronas, Daimler und Hoffnungszeichen resultierte nicht etwa – wie von uns gewünscht – in signifikanten Verbesserungen für die betroffenen Menschen im Südsudan. Vielmehr wurde Hoffnungszeichen mittels einer von Petronas orchestrierten und von der korrupten Regierung des Südsudan ausgesprochenen Drohung des Landes verwiesen. Zu dieser traurigen Wahrheit gehört auch, dass Daimler bis heute an seinem Sponsor Petronas festhält.

„Das Öl, die Macht und Zeichen der Hoffnung“ – Von Konzernen und dem Menschenrecht auf sauberes Wasser
„Das Öl, die Macht und Zeichen der Hoffnung“ – Von Konzernen und dem Menschenrecht auf sauberes Wasser (Klaus Stieglitz mit Sabine Pamperrien | ISBN 978-3-907625-95-8 | Verlag rüffer & rub, Zürich)
„Das Öl, die Macht und Zeichen der Hoffnung“ – Von Konzernen und dem Menschenrecht auf sauberes Wasser (Klaus Stieglitz mit Sabine Pamperrien, 288 Seiten, 18,- Euro, ISBN 978-3-907625-95-8, Verlag rüffer & rub)

Gegen Gewinne ohne Gewissen

Petronas und Konsorten müssen für ihren Frevel an Mensch und Umwelt im Südsudan zur Verantwortung gezogen werden. Wer aus Profitgier Menschenleben zerstört, handelt zutiefst unethisch. Das gilt auch für die Helfer und Helfershelfer der Täter. Und doch sind diese Unternehmen so etwas wie die Exekutoren unseres Lebensstils. Als Gesellschaft des globalen Nordens gieren wir nach Energie – nach billiger Energie; ein „Fair-Trade-Label“ gibt es an unseren Tankstellen nicht. Es fragt wohl auch niemand danach.

Klaus Stieglitz beobachtet seit Jahren die Praktiken der Ölkonzerne im Süd- sudan und erklärt, dass durch die unsachgemäße Ölförderung das Trinkwasser zahlreicher Menschen verseucht wird.
Klaus Stieglitz beobachtet seit Jahren die Praktiken der Ölkonzerne im Südsudan und erklärt, dass durch die unsachgemäße Ölförderung das Trinkwasser zahlreicher Menschen verseucht wird.
Zum Thema "Trinkwasserverschmutzung im Südsudan" finden Sie eine Pressemappe mit Grafiken, Karten und Bildern zum Download.

Die soziale Marktwirtschaft in Deutschland wurde in einer Zeit erdacht, in der Globalisierung noch kein Thema war. Im Nachkriegsdeutschland kümmerten wir uns um die sozialen Belange der Menschen in unserem eigenen Wirtschaftsraum und waren seither erfolgreich darin, zu vergessen, dass es anderswo auf der Welt Menschen gibt, die unter unserer Konsumwut und unserer Gier nach immer mehr und immer billigeren Produkten dramatisch zu leiden haben. Papst Franziskus hält in seiner Umwelt-Enzyklika Laudato si‘ ein flammendes Plädoyer dafür, dass wir – die Gesellschaften des globalen Nordens – endlich Rücksicht nehmen sollen auf die Gesellschaften des globalen Südens, die wir mit unserem entfesselten Wirtschaften z. B. im Südsudan ausbeuten. Wenn wir nun versuchen wollen, unsere soziale Verantwortung dem globalen Süden gegenüber wahrzunehmen, können wir uns darauf verlassen, dass profitorientierte Konzerne freiwillig ethisch handeln? Die Vergangenheit zeigt, dass diese Freiwilligkeit kaum je funktioniert hat. Um die Unbändigkeit der Marktwirtschaft ­sozial verträglich einzuzäumen, hat unsere Gesellschaft einen rechtlich verbindlichen Rahmen geschaffen. Heute müssen wir diesen Rahmen ausdehnen – auf die Lieferketten deutscher Unternehmen in diejenigen Länder, deren Rohstoffe, Energie oder Arbeitskraft sie ausbeuten. Hoffnungszeichen ist deshalb der Initiative Lieferkettengesetz beigetreten.

Bitte fordern Sie mithilfe unserer Protestkampagne Bundeskanzlerin Angela Merkel dazu auf, einen gesetzlichen Rahmen zu initiieren, der deutsche Unternehmen verpflichtet, auch im Ausland Menschenrechte und Umweltstandards zu achten. Unternehmen, die für Schäden an Mensch und Umwelt verantwortlich sind, müssen dafür haften. Geschädigte müssen auch vor deutschen Gerichten ihre Rechte einklagen können. Herzlichen Dank für Ihre Teilnahme.

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