Südsudan: Marode Ölpipeline muss stillgelegt werden!

Auch nach Instandsetzung der Pipeline ist ein großflächiges Areal verseucht, wie diese Aufnahme vom Dezember zeigt. Stroh wurde ins Öl geworfen, vermutlich um es zu binden
Satellitenbilder enthüllen, wie marode eine der wichtigsten Erdölpipelines des Südsudans ist. Sie belegen Leckagen, durch die sechs Mio. Liter Öl in die Umwelt gelangten. Wir fordern die Stilllegung dieser Pipeline sowie die Beseitigung des Schadens.
  • die sofortige Stilllegung der maroden Pipeline
  • die Sanierung der ölverseuchten Areale

Botschaft der Republik Südsudan, I. E. Frau Beatrice Khamisa Wani Noah, Berlin

Am 31.05.2020 abgelaufen
Exzellenz, darf ich Ihre Aufmerksamkeit auf eine Angelegenheit lenken, die mir große Sorge bereitet? Eine wichtige Export-Ölpipeline, die das Unity-Ölfeld mit der Pumpstation Heglig verbindet, ist marode. Deshalb kommt es wiederholt zu Pipelinebrüchen. Diese führen zu massiven Öl-Leckagen. Um den 24. August 2020 und um den 28. Oktober 2020 kam es 40 km bzw. 33,5 km nördlich von Rubkona zu folgenreichen Brüchen der Pipeline. Insgesamt liefen dabei etwa sechs Millionen Liter Öl aus und verseuchten eine Fläche von 30.000 m². Ich fordere die Regierung des Südsudans auf, die marode Pipeline unverzüglich stillzulegen, das ausgelaufene Öl und Ölabfälle ordnungsgemäß zu entsorgen und den Entsorgungsprozess öffentlich zu dokumentieren. Bitte schützen Sie die Bevölkerung in den südsudanesischen Ölfeldern vor weiterer Vergiftung. Mit freundlichen Grüßen
Your Excellency, May I draw your attention to a matter of great concern? South Sudan’s main export oil pipeline that links the Unity oilfield with the Heglig pump station is dilapidated. That is why it keeps on suffering ruptures. Two massive pipeline ruptures occurred 40 km and 33.5 km north of Rubkona around August 24, 2020 and around October 28, 2020. These, in turn, are causing massive oil spills encompassing 30,000 m² and amounting to six million liters. I am calling upon the Government of South Sudan to immediately shut down the dilapidated pipeline, to remove and to properly dispose of the oil spilled and the ensuing wastes, and to publicly document the waste disposal process. Please protect the population living in South Sudan’s oilfields from further contamination. Yours truly

Wenn man durch die Ölfelder des Südsudans fährt, sieht man meistens nicht viel. Das etwa drei Meter hohe Gras, das rechts und links neben der Schotterstraße wächst, fängt unsere neugierigen Blicke ab. Vom Dach des geländegängigen Autos sieht man schon mehr, aber für eine Bestandsaufnahme der Ölanlagen reicht das immer noch nicht.

Also haben wir uns vor acht Jahren in den Flieger gesetzt, in eine alte Do 228, die – in Oberpfaffenhofen gebaut – im Südsudan ihren zweiten Frühling erfährt. Aus 300 m Höhe haben wir Fotos von den Ölanlagen aufgenommen. Dadurch konnten wir lernen, wie Öl im Südsudan gefördert wird. Wir haben begonnen, die Produktionsprozesse zu verstehen. Wir haben erkannt, wie sich die Ölindustrie dort ihrer Produktionsabfälle entledigt. Und wir haben in akribischer Kleinarbeit wissenschaftlich belegt, dass diese Art der „Entsorgung“ das Trinkwasser für mehr als 600.000 Menschen in den Ölfeldern vergiftet – u. a. mit Salzen und dem giftigen Schwermetall Blei.

Ölverseuchte Gebiete

Zu der unverantwortlichen Abfallentsorgung kommt ein neues Problem: Durch eine 20-Zoll-Pipeline, die vom nördlichen Südsudan aus in das Nachbarland Sudan und bis an das Rote Meer führt, fließt ein knappes Drittel der nationalen Ölfördermenge des Südsudans – bis zu 54.000 Barrel pro Tag. Diese Pipeline, die kriegsbedingt lange Jahre nicht in Betrieb war und dadurch korrodierte, hält dem Druck nicht mehr stand und brach bereits wiederholt. Bei diesen Pipelinebrüchen traten sehr große Mengen an Rohöl aus.

Aufspüren kann man diese Brüche der unterirdisch verlegten Pipeline mithilfe von Satelliten. Das Investigativ-Portal Bellingcat hat beschrieben, mit welchen öffentlich zugänglichen Satellitenbildern man welche Erkenntnisse gewinnen kann. Bei unseren Recherchen nutzen wir die Aufnahmen der Satelliten des Sentinel-2-Programms der Europäischen Weltraumorganisation (ESA). „Unser“ virtuelles Auge fliegt in etwa 800 km Höhe. Alle fünf Tage überquert es die Ölfelder des Südsudans. Einen Tag später sind diese Aufnahmen in einer Internet-Datenbank verfügbar.

Zu einem ersten Bruch der Pipeline, der von Bellingcat mit Satellitenaufnahmen dokumentiert worden war, kam es bereits um den 24. August 2019 etwa 40 km nördlich der Stadt Rubkona. Die Regierung Südsudans, die am Tropf der Ölindustrie hängt, spielt die Auswirkungen des Pipelinebruchs herunter. Das verwundert kaum, denn nach dem Korruptionswahrnehmungsindex von Transparency International liegt der Südsudan weltweit auf dem vorletzten Platz. Während die Regierung offiziell von 318.000 ausgelaufenen Litern Öl auf einer Fläche von 400 m² ausgeht, flossen unseren Berechnungen zufolge auf einem Gebiet von ca. 10.000 m² ungefähr zwei Mio. Liter Rohöl aus. Die Reparaturarbeiten an der Pipeline dauerten bis Mitte Oktober. Im Dezember erhielten wir Fotos vom Ort des Pipelinebruchs, die eindeutig bestätigten, dass die Satellitenbilder eine schwere Umweltkatastrophe zeigen.

Menschenrecht auf sauberes Trinkwasser

Nur wenige Tage nachdem die Pipeline repariert worden war, entdeckte Hoffnungszeichen auf Satellitenaufnahmen vom 28. Oktober 2019 etwa 6,5 km südlich des ersten Bruchs einen verdächtigen schwarzen Schatten direkt auf dem Pipelinegraben. Wir beobachteten mit Hilfe der Sentinel-2-Satelliten und somit alle fünf Tage, dass dieser Fleck sich ausbreitete. Der Verdacht eines weiteren Pipelinebruchs erhärtete sich. Anfang Februar erhielten wir Fotoaufnahmen von vor Ort, die zusammen mit GPS-Daten belegten, dass es sich um einen massiven Pipelinebruch handelt. Nach unseren Berechnungen ist ein Gebiet von 20.000 m² betroffen. Rund vier Mio. Liter Rohöl sind hier ausgetreten.

Uns drängt sich das Bild einer maroden Pipeline auf: Sie bricht, wird repariert und bricht an der nächsten Schwachstelle wieder. Die Folgen für Menschen und die Umwelt sind verheerend. Liebe Leserinnen und Leser, bitte schließen Sie sich unserem Protest an und fordern die sofortige Stilllegung der maroden Pipeline und die Beseitigung der Umweltverschmutzungen ein, denn mehr als 600.000 Menschen leiden im Südsudan immer mehr unter den Aktivitäten einer rücksichtslos agierenden Ölindustrie.

Downloads

  • Bericht zur Umweltverschmutzung durch Pipeline-Brüche im Südsudan

    Ergebnisbericht vom 25. Februar 2020 zu den satellitengestützten Monitoring-Aktivitäten von Hoffnungszeichen e.V. über die massive Ölverschmutzung durch mehrere Pipeline-Brüche im Südsudan. (Englisch)

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