Seit Dezember 2018 erschüttern schwere Unruhen viele Regionen des Sudan. Bis zum 25. Dezember starben dabei 37 Menschen; Polizei und Militär gehen hart gegen Demonstranten vor.
Seit Dezember 2018 erschüttern schwere Unruhen viele Regionen des Sudan. Bis zum 25. Dezember starben dabei 37 Menschen; Polizei und Militär gehen hart gegen Demonstranten vor.
27.01.2019

Sudan: Das Volk begehrt auf

Polizei und Militär gehen bei den Protesten im Sudan gewaltsam gegen Demonstranten vor. Die Protestierenden fordern den Rücktritt von Präsident al-Bashir. Wir fordern die sudanesische Regierung auf, den friedlichen und demokratischen Dialog mit der Bevölkerung zu suchen.
Protestieren Sie für: 
  • ein Ende der Gewalt gegen Demonstranten
  • die Wahrung der Menschenrechte
Protestieren Sie bei: 

Präsident Omar Hassan Ahmad al-Bashir, Khartoum/Sudan

In Kopie an: 

Botschaft der Republik Sudan, S. E. Herrn Badreldin M. Abdalla, Berlin

Verbleibende Zeit
9 Tage verbleibend

Sehr geehrter Herr Präsident, internationalen Medienberichten entnehme ich mit großer Sorge, dass die seit Wochen andauernden Proteste und Demonstrationen in allen Teilen des Landes von Polizei und Militär gewaltsam niedergeschlagen werden. Hunderte Menschen wurden verhaftet, es gibt Tote und Verletzte, und ein Ende der gewaltsamen Auseinandersetzungen ist nicht abzusehen. Ich bitte Sie höflich, keine willkürlichen Verhaftungen durchzuführen und Militär und Polizei auf Demonstrationen nicht auf Menschen schießen zu lassen. Bitte suchen Sie den demokratischen Dialog mit der Bevölkerung.

Dear Mr President. I am deeply troubled by the international media reports that describe how the protests and demonstrations, which have been happening in all parts of the country for several weeks, are being brutally subdued by the police and military. Hundreds of people have been arrested, many are dead or wounded and there is no end in sight to this brutal conflict. I respectfully ask you not to make any indiscriminate arrests and not to allow the military or the police to shoot at people. Please endeavour to find a democratic dialogue with the population.

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Mit Absenden der Nachricht wird den Verantwortungsträgern eine E-Mail mit unserer gemeinsamen Forderung, Ihrer Anmerkung sowie Vorname/Nachname und Ihrer E-Mail-Adresse zugestellt.
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Brot und Benzin – an der immensen Verteuerung dieser wichtigen Güter entzündete sich im Dezember 2018 im Sudan eine Protestwelle, die für das Land nicht ungewöhnlich ist. Die Lebenssituation vieler Sudanesen ist schlecht, die Wirtschaftslage des Landes desolat, die Inflationsrate ist eine der höchsten weltweit und die Versorgung der Bevölkerung auf allen Gebieten mangelhaft. Das treibt die Menschen regelmäßig auf die Straße. Polizei und Armee reagieren in der Regel nicht zimperlich, die taz berichtet von gewaltsamen Niederschlagungen von Protesten. 37 Menschen sollen allein bis zum 25. Dezember bei den aktuellen Unruhen getötet worden sein, dokumentiert die Menschenrechtsorganisation amnesty international.

Proteste sind politisch geworden

Dieser Aufstand scheint sich allerdings anders zu entwickeln als vorhergehende – er ist größer, in seinen Zielen umfassender, gewaltvoller. „Auch die Dynamik der Proteste ist anders. In der Vergangenheit begannen sie in der Hauptstadt Khartum, aber dieses Mal waren es Arbeiter in der Stadt Atbra, im Osten Sudans, die als erste auf die Straße gingen. Innerhalb von drei Tagen verbreiteten sich die Demonstrationen in großen Teilen des Landes und bis in die Hauptstadt. Politische Analysten glauben, dass der Protest immer mehr Züge eines Volksaufstandes annimmt“, analysiert die taz.

Während es anfänglich wie oft zuvor um die Verteuerung von Lebensmitteln und Treibstoff ging, fordern die Demonstranten jetzt offen den Rücktritt des seit 29 Jahren herrschenden Präsidenten Omar al-Bashir, der sich im Juni 1989 an die Macht putschte und den Sudan seither diktatorisch regiert. Bisher ist es ihm mit der Unterstützung von Armee und Polizei gelungen, seine Macht zu halten. Es gelingt ihm dabei immer wieder, sich den Haftbefehlen, die der Internationale Strafgerichtshof gegen ihn wegen Kriegsverbrechen in Darfur erlassen hat, zu entziehen. „Aber diesmal geht es an die Substanz“, schreibt Der Standard. „Parteien, die mit Bashirs National Congress Party (NCP) in einer Regierungskoalition sind, darunter ehemalige Darfur-Rebellen, springen ab; Oppositionsparteien erklären ihre Unterstützung der Demonstranten. Ein Berufsverband nach dem anderen – Lehrer, Journalisten, Ärzte – schließt sich an. Zwar hat die Armee eine Loyalitätserklärung abgegeben, aber es gibt Berichte, dass einzelne Offiziere die Seiten wechseln: Bashirs größter Albtraum.“

Verhaftungen und Polizeigewalt

Omar al-Bashir reagiert bisher so, wie er es in den letzten 29 Jahren praktiziert hat: Oppositionspolitiker werden verhaftet – 13 sollen es laut Recherchen der Tagesschau allein im Dezember gewesen sein. Er lässt scharf schießen und Demonstranten niederknüppeln, und Lippenbekenntnisse von „weitreichenden Reformen, die den Menschen ein ordentliches Leben ermöglichen“, sollen den Volkszorn beruhigen. Jedoch: „Die Ankündigung scheint zu verpuffen“, fasst die Tagesschau zusammen. Diesmal lassen sich die aufgebrachten Menschen nicht so einfach zur Ruhe bringen und einschüchtern. Die Gewerkschaften haben zu weiteren Demonstrationen aufgerufen, und auch die Gefahr von gewaltsamen Zusammenstößen mit Armee und Polizei scheint die Protestierenden nicht aufzuhalten. „In einigen Bundesstaaten des Landes wurde bereits der Notstand ausgerufen, es wurden Ausgangssperren verhängt. Schulen und Universitäten sind seit Tagen geschlossen. Selbst die Ärztevereinigung ,Central Committee of Sudanese Doctors‘ hat mittlerweile zum Streik aufgerufen“, berichtet die Frankfurter Allgemeine Zeitung.

Mit unserer Protestaktion wenden wir uns an die sudanesische Regierung und fordern sie auf, keine willkürlichen Verhaftungen durchzuführen und Militär und Polizei bei Demonstrationen nicht auf Menschen zu schießen zu lassen. Die sudanesische Regierung muss den demokratischen Dialog mit der Bevölkerung suchen. Danke für Ihre Teilnahme!

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