Ihre Tochter Mariam Claren (vorn) setzt sich von Deutschland aus mit Protesten und öffentlichen Aufrufen für die Freilassung ihrer Mutter ein.
17.03.2021

Iran: "Man denkt: Jetzt ist es vorbei. Sie ist tot."

Iranische Menschenrechtsaktivisten werden seit Jahrzehnten Opfer von haltlosen Anklagen, langjährigen Haftstrafen, Folter oder gar Exekution. Auch Menschen mit doppelter Staatsangehörigkeit sind zunehmend im Visier der iranischen Behörden. Bitte engagieren Sie sich mit uns für Grundrechte im Iran.
Protestieren Sie für: 
  • die Freilassung von Nahid Taghavi
  • die Wahrung der Menschenrechte
Protestieren Sie bei: 

Präsident Hassan Rohani, Teheran/Iran

In Kopie an: 

Botschaft der Islamischen Republik Iran, S. E. Herrn Mahmoud Farazandeh, Berlin        

Verbleibende Zeit
44 Tage verbleibend

Mit großer Sorge verfolge ich die Situation von Nahid Taghavi. Die 66-jährige Deutsch-Iranerin ist seit dem 16. Oktober 2020 offenbar willkürlich im Teheraner Evin-Gefängnis inhaftiert. Sie hat keinen Zugang zu einem Rechtsbeistand, und ihre Angehörigen bekommen bis heute keine detaillierten Informationen über die Anklage, aufgrund derer sie festgenommen wurde. Ich fordere Sie höflich auf, Nahid Taghavi umgehend und bedingungslos freizulassen, da sie eine gewaltlose politische Gefangene ist. Stellen Sie bitte sicher, dass sie bis zu ihrer Freilassung regelmäßigen Zugang zu ihrer Familie, zu einem Rechtsbeistand ihrer Wahl sowie zu angemessener medizinischer Versorgung erhält. Bitte sorgen Sie außerdem dafür, dass Nahid Taghavi konsularischen Beistand von den deutschen Behörden erhält.

جناب آقای رئیس جمهور،
اینجانب با نگرانی بسیار پیگیر وضعیت ناهید تقوی هستم. این خانم 66 ساله ایرانی-آلمانی از 16 اکتبر 2020 به صورت خودسرانه در زندان اوین تهران در بازداشت بسر می‌برد. وی به مشاوره حقوقی دسترسی ندارد و بستگان او تا به امروز اطلاعات دقیق در مورد اتهامی که موجب بازداشت وی شده است، ندارند.
از شما محترمانه درخواست می‌کنم، ناهید تقوی را بلافاصله و بدون قید و شرط آزاد نمایید، زیرا او یک زندانی سیاسی عاری از خشونت است. لطفا اطمینان حاصل فرمایید که وی تا زمان آزادی، دسترسی منظم به خانواده خود دارد و از مشاوره حقوقی انتخابی خود و همچنین مراقبت‌های پزشکی مناسب برخوردار می‌شود. لطفا، علاوه بر این، ترتیبی اتخاذ فرمایید که ناهید تقوی مشاوره کنسولی از جانب مقامات آلمانی دریافت نماید.
با احترام

* Pflichtfeld
Mit Absenden der Nachricht wird den Verantwortungsträgern eine E-Mail mit unserer gemeinsamen Forderung, Ihrer Anmerkung sowie Vorname/Nachname und Ihrer E-Mail-Adresse zugestellt.
Bild-CAPTCHA
Geben Sie die Zeichen ein, die im Bild gezeigt werden.

Wie hunderttausende andere Bürger besitzt die Deutsch-Iranerin Nahid Taghavi eine doppelte Staatsbürgerschaft. Die 66-jährige Architektin hat ihren Hauptwohnsitz in Deutschland, doch reist sie mehrmals im Jahr für ein paar Monate zu ihrer im Iran lebenden Familie. Die letzte Reise wurde ihr zum Verhängnis, denn sie wurde laut eines Berichts von amnesty international (ai) am 16. Oktober 2020 von der iranischen Revolutionsgarde in ihrer Wohnung in Teheran ohne Haftbefehl und Angabe von Gründen aufgegriffen und verschleppt. „Zwölf Tage hatten wir damals überhaupt gar kein Lebenszeichen. Das war eine komplette Katastrophe“, erzählt Taghavis in Köln lebende Tochter Mariam Claren der tagesschau. „Das macht viel mit einem als Tochter. Denn das Kopfkino ist angeschaltet. Man denkt: Jetzt ist es vorbei. Sie ist tot.“ Erst Ende Oktober erfahren die Verwandten im Iran, dass Nahid Taghavi sich im Teheraner Evin-Gefängnis in Einzelhaft befindet. Ihr wird bisher (Stand Redaktionsschluss) jeglicher Zugang zu einem Rechtsbeistand und zu benötigten Medikamenten verwehrt, ihre Familie darf sie nicht besuchen. Ihre Festnahme sei „aus Sicherheitsgründen“ erfolgt, so die vage Auskunft der Behörden.

Zahl der politischen Gefangenen steigt

Der Regierung des 2017 wiedergewählten Präsidenten Hassan Rohani werden von führenden Menschenrechtsorganisationen u. a. schwere Verstöße gegen das Recht auf freie Meinungsäußerung und Versammlungsfreiheit vorgeworfen. Grundsätzlich hat sich die bisher schon prekäre menschenrechtliche Situation seit den landesweiten Protesten von 2019 weiter verschlimmert, denn unter Rohani gehören willkürliche Unterdrückung und Verhaftung von Frauen- und Studentenaktivisten, Journalisten, Kritikern und Vertretern von ethnischen Minderheiten mittlerweile zur Tagesordnung. Das bestätigt die in London ansässige iranische Menschenrechtsanwältin Shadi Sadr gegenüber der Deutschen Welle. Vor allem bei den Straßenprotesten im November 2019 seien „grobe Menschenrechtsverletzungen“ festgestellt worden, wie sie betont. Laut ai wurden allein in den ersten fünf Tagen 304 Demonstranten durch gezielte Schüsse in den Oberkörper und in den Kopf getötet, 23 von ihnen waren unter 18 Jahre alt. Selbst Aktionen wie das Verteilen von Blumen am Weltfrauentag in der U-Bahn ohne Kopftuch werden bereits im Keim erstickt, wie die Verhaftung der drei Aktivistinnen Monireh Arabshahi, Yasaman Aryani und Mojgan Keshavarz am 8. März 2019 beweist (wir berichteten im September 2019). Mittlerweile wurden die Frauen zu langjährigen Haftstrafen verurteilt.

Grund für die Haft bleibt im Dunkeln

Es lasse sich nur darüber spekulieren, weshalb nun Taghavi ins Visier der iranischen Behörden geriet, so die tagesschau. „Die Architektin mit zwei Pässen reiste seit Jahren zwischen Deutschland und dem Iran hin und her – ohne Probleme, berichtet ihre Tochter. Die Mutter habe sich in der Öffentlichkeit nie politisch geäußert. Das brauche es auch nicht, sagt der Iran-Experte Borzou Daragahi vom US-amerikanischen Think Tank [dt.: "Denkfabrik"] Atlantic Council: Doppelstaatler würden von der iranischen Justiz, die von den Hardlinern kontrolliert wird, immer wieder als Faustpfand benutzt, für politische Verhandlungen oder Gefangenenaustausch.“ Die deutsche Regierung hat sich bisher vergeblich um die Freilassung der Rentnerin bemüht. Nahid Taghavi ist zuvor nie inhaftiert gewesen, es besteht bisher keine konkrete Anklage gegen sie. Grundlagen der aktuellen Verhöre sind, wie ai berichtet, offensichtlich Meinungsäußerungen der heute 66-jährigen als Studentin vor vierzig Jahren oder ihre Reisen in den Iran. Es ist zudem zu befürchten, dass auch ihre im Iran lebenden Angehörigen eingeschüchtert und schikaniert werden.

Mit unserer Protestaktion setzen wir uns für die Freilassung von Nahid Taghavi ein. Danke, liebe Leserinnen und Leser, dass Sie uns mit Ihrer Teilnahme dabei unterstützen.

Diese Seite teilen