Narges Mohammadi engagiert sich seit Jahren für die Menschenrechte im Iran – jetzt wurde sie dafür zu 16 Jahren Gefängnis verurteilt.
Narges Mohammadi engagiert sich seit Jahren für die Menschenrechte im Iran – jetzt wurde sie dafür zu 16 Jahren Gefängnis verurteilt.
15.03.2017

Iran: "Wir haben uns dieses leidvolle Leben nicht gewünscht"

Iranische Menschenrechtsverteidiger verbringen aufgrund ihres Engagements oft Jahrzehnte im Gefängnis. Wie bei Narges Mohammadi leiden darunter auch ihre Familien. Bitte unterstützen Sie unseren Protest.
Verbleibende Zeit
Am 02.05.2017 abgelaufen
Protestieren Sie für: 
  • die Freilassung von Narges Mohammadi
  • die Einhaltung von Menschenrechten
Protestieren Sie bei: 

S. E. Ayatollah Sadegh Larijani, Teheran/Iran

In Kopie an: 

Botschaft der Islamischen Republik Iran, S. E. Herrn Ali Majedi, Berlin

Exzellenz,
ich schreibe Ihnen, um Sie auf die Inhaftierung der Menschenrechtsverteidigerin Narges Mohammadi aufmerksam zu machen. Sie befindet sich nur aufgrund ihrer friedlichen Menschenrechtsarbeit seit Mai 2015 erneut in Teheran in Haft. Ich bitte Sie darum, alles in Ihrer Macht Stehende zu unternehmen, damit Frau Mohammadi sofort und bedingungslos freikommt. Stellen Sie darüber hinaus bitte sicher, dass Narges Mohammadi augenblicklich und permanent Zugang zu fachärztlicher Behandlung erhält, vor jeglicher Form der Folter oder anderweitiger Misshandlung geschützt ist und regelmäßigen Kontakt zu einem Rechtsbeistand ihrer Wahl und zu ihrer Familie erhält.

عالیجناب،
اینجانب این نامه را بشما مینویسم تا توجه شما را به زندانی شدن خانم نرگس محمدی که مدافع حقوق بشر میباشند جلب کنم. ایشان فقط بخاطر فعالیت های مسالمت آمیز برای حقوق بشر مجددا از اردیبهشت ١٣۹٤ در تهران در زندان میباشند. اینجانب از شما تقاضا دارم که کلیه اقداماتی را که در قدرت شما میباشد انجام دهید تا خانم نرگس محمدی بدون شرط و شروط فورا آزاد شود. لطفا اطمینان حاصل نمائید که خانم نرگس محمدی فورا و برای همیشه دسترسی به معالجات پزشکی داشته باشند، به هیچ وجه شکنجه نشوند، با ایشان بدرفتاری نگردد و مرتب با وکیل انتخابی و خانواده خود تماس داشته باشند.

Es waren emotionale Momente, als Taghi Rahmani am 10. Dezember 2016 im Weimarer Stadtschloss den mit 5.000 Euro dotierten Menschenrechtspreis der Stadt Weimar entgegennahm. Er war stellvertretend gekommen, weil die Preisträgerin, seine Ehefrau, im Iran im Gefängnis sitzt: Narges Mohammadi. Die iranische Frauenrechtlerin und Menschenrechtsverteidigerin konnte nur postalisch für die Auszeichnung danken. Taghi Rahmani war für die Preisverleihung aus Paris angereist, wo er mit den neunjährigen Zwillingstöchtern des Paares seit Ende 2012 im Exil lebt. Auch er ist ein Menschenrechtsaktivist, der schon 15 Jahre im Gefängnis im Iran saß, wie der Verein Transparency for Iran e.V. berichtet. Seit ihrer Eheschließung setzen sich Mohamadi und Rahmani gemeinsam gegen die Missachtung der Menschenrechte im Iran ein – sie kämpfen zum Beispiel für die Abschaffung der Todesstrafe, freie Meinungsäußerung und für Frauenrechte.

16 Jahre Haft für Menschenrechtsarbeit

Narges Mohammadi hatte, wie der Mitteldeutsche Rundfunk berichtet, jahrelang als Vizepräsidentin und Sprecherin im Zentrum für Menschenrechte in Teheran gearbeitet. Als diese Organisation verboten wurde, verlor Frau Mohammadi als Konsequenz auch ihre Anstellung als Physikerin. Im April 2016 wurde sie laut amnesty international (ai) in mehreren Anklagepunkten für schuldig befunden und zu 16 Jahren Gefängnis verurteilt. Die Anklagepunkte lauteten „Gründung einer verbotenen Gruppierung“ und „Verbreitung von Propaganda gegen die Regierung“. „Die Schuldsprüche stehen alle in Zusammenhang mit ihrer Menschenrechtsarbeit“, betont ai.

Ihr Ehemann Taghi Rahmani lebt im Exil, um so einer drohenden Verhaftung aufgrund seiner politischen Arbeit zu entgehen. Auf die Frage, warum seine Frau nicht mitgekommen war, antwortete er gegenüber Transparency for Iran: „Sie wollte nicht: mit der Begründung, eine tiefe Verbundenheit zum Iran zu fühlen. Sie hat beschlossen, im Iran zu bleiben und Widerstand zu leisten. Von ihr habe ich viel gelernt.“ Die Haft und vorangegangene Gefängnisaufenthalte haben Frau Mohammadi gesundheitlich stark angegriffen. „Infolge der langen Inhaftierung ist die 44-jährige Mutter zweier Kinder körperlich und seelisch schwer erkrankt und erlitt zudem im Oktober 2015 einen Schlaganfall. Eine angemessene gesundheitliche Versorgung wird ihr durch die Gefängnisleitung verwehrt“, so der Weimarer Stadtrat in seiner Begründung für die Preisvergabe. Nach Informationen von ai leidet sie an einem Blutgerinnsel, Krampfanfällen und Lähmungserscheinungen.

Schwere Krankheit und Trennung von den Kindern

Am schlimmsten für Narges Mohammadi ist die Distanz zu ihren Kindern. Nur gelegentlich darf sie mit ihnen telefonieren. „Sie mussten immer wieder die Trennung von der Mutter hinnehmen“, berichtet ihr Vater gegenüber Transparency for Iran und fragt sich, ob sie sich eines Tages vor ihren Kindern rechtfertigen müssen. „Dann werden wir sagen, dass wir uns dieses leidvolle Leben nicht gewünscht haben, sondern einfach unsere Menschenwürde und freie Meinung verteidigen wollten. Vielleicht werden sie auch so denken wie wir. Dann werden sie Verständnis haben für unsere Denkweise und sie fortsetzen“, hofft er.

Narges Mohammadi und ihre Familie brauchen jede Unterstützung, die möglich ist. Wir wollen die oberste Justizautorität, Ayatollah Sadegh Larijani, mit unserer Protestkarte auffordern, das Urteil gegen Frau Mohammadi aufzuheben und sie freizulassen. Bis dahin ist sie vor Folter und anderweitigem Missbrauch zu schützen, ihr ist sofortiger und ständiger Zugang zu ärztlicher Betreuung zu gewähren sowie ein Rechtsbeistand ihrer Wahl und Kontakt zu ihrer Familie. Mit unserer Protestaktion stehen wir Narges Mohammadi und ihrer Familie bei. Vielen Dank für Ihre Teilnahme.

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