Sudan - Transporte der Hoffnung

Unzählige Hilfstransporte haben unser Afrika-Koordinator Franco Moroni und sein Mitarbeiter Bonaventure Kawino in den letzten Jahren für Hoffnungszeichen im Sudan durchgeführt. Jeder Transport ist eine neue Herausforderung – und ein Lichtblick für die geschundenen Menschen im Südsudan.

Manchmal geht es, wenn überhaupt, nur im Schritttempo vorwärts – ein Hilfstransport per Lkw in den Südsudan ist wochenlang unterwegs.

Unser kenianischer Mitarbeiter Bonaventure Kawino ist erschöpft nach dieser langen Reise. Fünf Wochen, vom 5. Februar bis zum 11. März, war er als Begleiter mit einem Lkw auf unsagbar schlechten Buschpisten von Nairobi in Kenia in den Südsudan und zurück unterwegs, um hilfsbedürftigen Menschen Nahrungsmittel und Medizin zu bringen.

 

„Unsere Strapazen sind nichts gegen das Leid der Menschen hier“

Für Bonaventure, der mit unserem Afrika-Koordinator Franco Moroni zusammenarbeitet, sind die Strapazen der Hilfslieferungen per Lkw Alltag. Wochenlang ist er bei einer Hilfslieferung am Stück unterwegs, übernachtet im Freien und kocht sein Essen auf einem Spirituskocher. Was sich anhören mag wie Abenteuerurlaub und Lagerfeuerromantik, ist für Bonaventure und die Fahrer der Lkws harte, auszehrende und nicht selten gefährliche Arbeit. Es kann vorkommen, dass ein Lkw mit Hilfsgütern mitten im südsudanesischen Niemandsland für mehrere Tage „liegen bleibt“, weil eine Brücke zerstört ist oder ein unentbehrliches Ersatzteil fehlt. Bonaventure und der Fahrer schlafen bei diesen unfreiwilligen Pausen nachts unter dem Lkw, weil es in den kalten Nächten dort am wärmsten ist. Per Satelliten-Telefon steht er in ständigem Kontakt mit Franco Moroni, der entweder in Nairobi arbeitet oder aber selbst mit einem anderen Hilfstransport unterwegs ist. Die meisten technischen Pannen am Lkw können die geschickten Männer zwar selbst beheben, aber die wochenlangen Touren über die staubigen Buckelpisten des Südsudan macht auch die robusteste Technik selten unbeschadet mit.

Aber all diese Ärgernisse und Strapazen, erzählt Franco, treten in den Hintergrund, sobald man auf die Menschen trifft, die auf diese Hilfe warten. „Wenn ich in ihre Gesichter sehe, wenn ich höre, wie sie auf mich einreden, obwohl sie genau wissen, dass ich ihre Sprache nicht verstehe, wenn ich ihnen einen Hilfssack überreichen kann und die Dankbarkeit darüber in ihren Augen lese – dann weiß ich, warum ich das tue. Unsere Strapazen bei den Hilfslieferungen sind nichts gegen das, was diese Menschen in ihrem Leben schon erleiden mussten.“

 

Hoffnungszeichen-Mitarbeiter Bonaventure Kawino (2. v. rechts): „Wenn man bei den Menschen ankommt, die unsere Hilfe brauchen, sind alle Strapazen vergessen.“
Große Freude über die Hilfe: Mit dem Inhalt eines Hilfssacks kann eine Familie mehrere Wochen überleben.

„Das sind die Menschen, für die wir hierher kommen“

Man spüre, dass viele Menschen froh sind, wenn ihnen jemand einfach nur zuhört, erzählt Franco. Mit der Hilfe von Übersetzern ist es möglich, einzelne Schicksale genauer kennen zu lernen. Wie das der 21-jährigen Elia Nicola. Bonaventure sprach mit der jungen Frau, die in Deim Zubeir lebt, einem kleinen Ort in der Region Raga. Die Menschen in Raga leiden unter den Nachwehen des Krieges und unter Krankheiten wie Flussblindheit oder der tödlichen Schlafkrankheit, die beide von Insekten übertragen werden.

“Meine Eltern sind tot”, erzählt Elia Nicola. „Zuerst starb mein Vater. 1995 wurde er von einem Hund gebissen. Die Wunde heilte nicht, und wir hatten keine Medikamente, um ihm zu helfen. Als er im Sterben lag, bat er mich, dass ich mich um meine Geschwister kümmern sollte. Damals war ich 10 Jahre alt. Ich sollte vor allem dafür sorgen, dass sie eine Ausbildung erhielten. Als er starb, hatten wir 38 Kühe, aber alle wurden uns gestohlen. Meine Mutter, die schon lange krank war, starb 1997 an Asthma. Ich habe vier Brüder und eine Schwester, und es ist sehr schwer, für sie alle zu sorgen.“

Elia Nicola war wie so viele Menschen mit ihrer Familie vor den Kämpfen geflohen, die in den vergangenen Kriegsjahren in der Region tobten. Jetzt ist sie, nach Jahren im Flüchtlingslager, zurückgekehrt und steht vor dem Nichts – eine Situation, die durch den Verlust ihrer Eltern fast untragbar für sie ist. Jede noch so kleine Hilfe nimmt sie dankbar an: „Die Hilfsgüter und die Medizin von Hoffnungszeichen waren ein großer Segen. Meiner Schwester und einem Bruder ging es sehr schlecht. Ich habe einen Onkel, der mir helfen könnte, aber er und seine Familie sind auf dem Weg hierher verschwunden, und niemand weiß, wo er ist. Jetzt geht meine Schwester zur Schule, und ein Bruder ist in einem Priesterseminar in der Stadt Wau. Ich gehe eigentlich auch zur Schule, aber die meiste Zeit muss ich unterwegs sein, um wenigstens etwas zu Essen zu besorgen. Ich brauche Hilfe, um einerseits für meine Geschwister sorgen zu können, andererseits aber auch regelmäßig die Schule besuchen zu können. Mir wird von den anderen Dorfbewohnern häufig geraten, doch zu heiraten. Ich habe aber keine Aussteuer, und außerdem könnte ich dann auch nicht mehr die Schule besuchen.“

Elia Nicolas Schicksal steht für viele andere im Südsudan. „Diese Menschen sind es, für die wir hierher kommen“, sagt Franco Moroni. Und ist dabei, schon wieder den nächsten Transport zu organisieren. Und wieder wird Bonaventure Kawino seinen Rucksack packen und sich auf den Weg machen. Mit Ihrer Spende können Sie, liebe Leserinnen und Leser, ihn zu den Menschen im Südsudan begleiten.

 

 

 

 

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