Südsudan: Eine Chance für Mutter und Kind
Viele schwangere Frauen im Südsudan erhalten weder medizinische Versorgung noch fachlichen Beistand bei der Entbindung. In Duong gibt es nun endlich ein Geburtshaus.
- Nyalok (hier im Gespräch mit Carolin Braun) ist die erste Mutter, die ihr Kind im neuen Geburtshaus entbunden hat. Die Dorfgemeinschaft ist sehr froh über diese neue Einrichtung.
- Bereits vor der Geburt erhalten die werdenden Mütter Eisen und Vitamine, um das Neugeborene gut zu versorgen. Auch nach der Geburt finden regelmäßige Untersuchungen statt.
In einer Lehmhütte im Dorf Duong liegt eine junge schwangere Frau auf ihrer Matte. Nyalok Ruok Lam ist erst 20 Jahre alt und bekommt bald ihr erstes Kind. Ihre Nachbarin sitzt neben ihr und hält ihre Hand. Schon am Vormittag kamen die ersten Wehen. Immer häufiger überkommen sie die Schmerzen. Auch die Abstände der Wehen werden kürzer. Sie rauben ihr jedes Mal den Atem, so dass sie sich kaum noch rühren kann. Einen Moment lang kann sie kurz verschnaufen. Die warme Luft von draußen weht ihr über das Gesicht. Was soll sie tun? Sie ist sich nicht sicher. In den vergangenen Tagen hat sich die Nachricht herum gesprochen, dass die Mutter-Kind-Station in der Hoffnungszeichen-Buschklinik bald eröffnet wird.
Es gibt viele Frauen im Südsudan, die erhebliche Komplikationen während der Geburt haben, zum Beispiel eine ungünstige Geburtslage, ausbleibende Wehen oder einen Gebärmutterriss. Auch Nyalok hat Angst vor der Geburt. Um im Notfall gut versorgt zu sein, entschließt sie sich, ihr Kind in der Klinik zu bekommen. Mühsam rappelt sie sich auf. Gestützt von ihrer Nachbarin schleppt sie sich zur Buschklinik. Als sie dort ankommt, nimmt sie der Geburtshelfer Alex Mwendwa in Empfang und bringt sie zum Geburtshaus. Nyalok ist froh darüber, dass bei der Geburt ihres ersten Kindes auch ein Mediziner dabei ist, der sich um sie kümmert. Einige Stunden später erblickt ihr kleines, gesundes Mädchen das Licht der Welt. Erschöpft und dankbar zugleich hält Nyalok ihr Kind in den Armen. Als ich sie ein paar Wochen später bei der Nachuntersuchung in Duong treffe, berichtet sie mir: „Ich war froh, mein Kind in der Klinik zu bekommen. Meine Cousine gebar zuhause; ihr Kind ist bei der Geburt gestorben. Wegen der guten Betreuung empfehle ich auch anderen Frauen, in die Klinik zu kommen.“
Hohe Müttersterblichkeit
Nyalok brachte am 9. Oktober 2011 als erste Mutter in der Klinik ihr Kind zur Welt. Sie ist sehr froh. Die wenigsten schwangeren Frauen im Südsudan haben die Möglichkeit, mit medizinischer Hilfe ihr Kind zu bekommen. Deshalb kommt es auch viel öfter vor, dass Mütter bei der Niederkunft sterben. Etwa eine von 32 Frauen erliegt bei der Geburt ihres Kindes den Komplikationen, laut einer Studie der Vereinten Nationen*. In Deutschland trifft dieses Schicksal 7 von 100.000 Frauen. Die hohe Mutter-Kind-Sterblichkeit ist in der Region ein großes Problem. Jede Frau kennt mindestens eine andere Mutter, die bei der Geburt ihr Kind verlor oder selbst ihr Leben ließ.

- Müttersterblichkeit ist im Südsudan ein großes Problem. In der Buschklinik in Duong helfen wir schwangeren Frauen, ihr Kind gesund auf die Welt zu bringen.
- Der Geburtshelfer Alex Mwendwa kontrolliert regelmäßig das Gewicht der Kinder. Wir setzen uns dafür ein, dass Kinder und Mütter eine Chance haben. Möchten Sie diese Arbeit unterstützen?
„Meistens gebaren die Frauen in ihren Hütten im Beisein einer traditionellen Hebamme. Diese Hebammen haben jedoch weder blutstillende Medikamente noch medizinische Instrumente zur Verfügung, um entsprechende Hilfe bei Geburtsverletzungen leisten zu können“, weiß der Geburtshelfer Alex Mwendwa. „Bei Komplikationen waren die Frauen bisher vollkommen auf sich allein gestellt.“
Ein Segen für schwangere Frauen im Südsudan
Hoffnungszeichen arbeitet eng mit einer Dorfhebamme zusammen. Sie empfiehlt den werdenden Müttern im Dorf, bereits zur Vorsorge in die Klinik zu gehen. Dabei werden die Schwangeren auf Krankheiten wie z.B. Malaria oder Blutarmut untersucht, welche das Kind gefährden könnten. Der Geburtshelfer schaut auch, ob alles in Ordnung ist und ob das Kind richtig liegt. „Unsere neue Mutter-Kind-Station ist wie ein Rettungsanker für viele Frauen“, berichtet der erfahrene Geburtshelfer Alex Mwendwa weiter. Im Sommer letzten Jahres wurde neben der Klinik in Duong das Geburtshaus errichtet. Darin befinden sich eine Entbindungsliege, ein Tisch, eine Dusche und eine Toilette. Die werdenden Mütter können hier in einer sauberen Umgebung und mit medizinischer Hilfe ihr Kind auf die Welt bringen. Hoffnungszeichen | Sign of Hope 02/12 5 Die Frauen werden gut betreut und bekommen professionelle Hilfe bei Komplikationen. Zwischen Mitte Oktober und Dezember 2011 wurden elf Frauen aus der Umgebung bei ihren Entbindungen begleitet. Alle 12 Kinder sind gesund auf die Welt gekommen, darunter sogar ein Zwillingspärchen. Nach der Geburt werden die Kinder jeden Freitag gewogen und untersucht. Dabei schaut der Geburtshelfer, ob sich die Neugeborenen gut entwickeln. Für die oft jungen Wöchnerinnen ist die Mütterberatung ein Segen. Dort bekommen sie Fürsorge und hilfreiche Tipps, zum Beispiel bei Stillproblemen.
Diese Erweiterung des medizinischen Angebots in unserer Buschklinik bedeutet, dass neben den Räumlichkeiten auch eine Versorgung mit speziellen Medikamenten nötig ist. Für die fachkundigen Mitarbeiter der Mutter-Kind-Station entstehen Ausgaben in Höhe von rund 146 Euro pro Woche. Liebe Leserinnen und Leser, diese segensreiche Arbeit lebt von Ihrer Unterstützung. Jeder Betrag hilft, dass schwangere Frauen nicht mehr wegen Komplikationen bei der Geburt ihr Leben lassen müssen und ihre Kinder gesund auf die Welt bringen können.
* Zahlen für ehemals Sudan gesamt, Unicef Statistics (2008)

Reimund Reubelt
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