Peru - Ein Haus der Hoffnung
Die Evangelisch-Lutherische Kirche Perus leitet seit vierzig Jahren ein Kindersozialwerk in Lima. Dort werden tagsüber Kinder betreut, deren Eltern arm oder sozial geschwächt sind, oder die aus zerbrochenen Ehen stammen.

- Die kleine Juana Valentina spielt auf dem Boden. Ihre Mutter betreibt am Marktplatz von Breña einen Stand. Sie kann sich tagsüber nicht um ihre Kleine kümmern.
Obwohl es gerade drei Uhr nachmittags ist, sieht die Umgebung düster und unbehaglich aus. Ich haste auf einer asphaltierten, von Betonhäusern eingemauerten Straßenschlucht entlang. Staub und Müllreste säumen den Gehsteig. Eine Gruppe Jugendlicher steht an der Ecke und mustert mich. Mir ist nicht ganz wohl dabei. Gut, dass ich in dem Arbeiterviertel Breña in Lima nicht ganz alleine unterwegs bin. „Wir sind da“, sagt Maranella. Auch sie ist mit forschen Schritten gelaufen – die ist keine Gegend zum Verweilen. Wir stehen vor einer Eisentür an einem unverputzten, 2-stöckigen Haus aus Betonblöcken. Emilia – sie wirkt müde und geschafft – öffnet und bittet uns herein. Sie arbeitet als Reinigungskraft. Als Nachtschicht-Straßenfegerin, um es genau zu sagen. Dazu muss die 30-Jährige knapp drei Kilometer laufen und von 21 Uhr bis 8 Uhr durcharbeiten. Im Haus wohnen neben Emilia und ihrer 3-jährige Tochter Saemy noch weitere Angehörige. Emilia kommt für die gesamten Lebenskosten der Familie auf. Als sie damals die Arbeitstelle gefunden hatte, war sie dankbar, dass sie ihre Tochter tagsüber einem christlichen Tagesheim anvertrauen konnte.

- Maranella, die Sozialarbeiterin von Casa Belén: „In dieser Gegend gibt es viel Armut und Drogenmissbrauch. Unsere Kinder stammen alle aus den ärmlichsten Verhältnissen.“
Entlastung für Eltern und Kinder
Emilia kennt Maranella von zahlreichen Hausbesuchen. Maranella ist eine junge peruanische Sozialarbeiterin, angestellt im Kindersozialwerk Casa Belén. Sie hat die Aufgabe, die Kinder und ihre Eltern zu besuchen und ihre Wohnverhältnisse zu besichtigen. „In dieser Gegend gibt es viel Armut und Drogenmissbrauch. Unsere Kinder stammen alle aus den ärmlichsten Verhältnissen, häufig aus zerrütteten Familien, bei denen sie nichts wert sind“, erklärt sie. Viele Eltern würden ihre Kleinkinder tagsüber sich selbst überlassen oder sie auf die Straße schicken, weil sie sich nicht um sie kümmern können.Die Leitung von Casa Belén sieht sich in erster Linie dazu verpflichtet, allein stehende und sozial verarmte Mütter zu unterstützen. Im Heim werden deren Kinder tagsüber betreut, damit sie arbeiten können. Insgesamt werden 200 Kinder aufgenommen, die vom 1. Lebensjahr bis zur Vollendung der 4. Schulklasse betreut werden. Danach gibt es Kooperationen mit vier Schulen in der nächsten Umgebung, wo die Kinder die 5. und 6. Klasse besuchen können. Nachmittags dürfen diese Kinder dann weiterhin zu Casa Belén kommen, um Nachhilfeunterricht von den Lehrern zu erhalten.
Das Heimgelände ist sauber und gepflegt. Der große Schulhof sowie ein Spielplatz mit Spielgeräten sind umgeben von mehreren Klassenzimmern und einem Speisesaal. Die Kinder erhalten dort eine Mahlzeit und kleinere Snacks. Bunte Bilder und freundliche Farben geben dem Gelände ein einladendes Gesicht, und die Kinder fühlen sich hier sichtlich wohl. Sie wirken ansteckend fröhlich und aufgeweckt.

- Schüler der 1. Klasse erhalten eine kleine Erfrischung im Klassenzimmer, bevor der Unterricht weiter geht.
Die Kinder mit Bildung und christlichen Werten stärken
Maranella erklärt mir, dass ca. 60 Anträge jährlich an Casa Belén zur Aufnahme von Kindern gerichtet werden. Diese werden von ihr, der Direktorin und einer Psychologin ausgewertet, und dann wird gemeinsam über die Aufnahme entschieden. Ein Hauptkriterium ist das finanzielle Einkommen der Familie. Es werden aber zum Beispiel auch der Gesundheitszustand des Kindes oder die Notwendigkeit von psychologischer Betreuung berücksichtigt. Die Eltern des Kindes werden in den Erziehungsprozess mit einbezogen. Sie werden häufig eingeladen, mit ihren Sprösslingen im Heim zu spielen, damit eine gute Beziehung zwischen Kind und Eltern entstehen kann.
Die Direktorin, Carolina Pérez de Castro, betont, dass das Heim nach christlichen Werten und Ansätzen arbeitet. Hier will sie mit ihren Mitarbeitern den Kindern durch liebevolle Wertschätzung und Betreuung Freude am Leben und viel Selbstbewusstsein schenken. Aber auch auf die Qualität des Schulunterrichts wird viel Wert gelegt, denn Casa Belén möchte erreichen, dass alle betreuten Kinder einen guten Abschluss schaffen. Der Schulbetrieb ist ein wesentlicher Teil des gesamten Sozialwerks Durch eine gute Schulausbildung erhalten die Kinder im späteren Leben bessere Chancen.
Diese Arbeit hat uns überzeugt und daher möchten wir Casa Belén unterstützen: Wir finanzieren im Schulbetrieb anteilig die Kosten für fachlich qualifizierte Lehrerinnen.










