Erfolgreiche Protestaktionen - Pakistan

Protestkartenaktionen September 1999 und September 2001

Die pakistanischen Christen Rasheed Masih und Saleem Masih wurden 1999 aufgrund angeblicher „Blasphemie“ gegen den Islam zu je 35 Jahren Gefängnis verurteilt. Ihre Protestkarten, liebe Leserinnen und Leser, haben mit dazu beigetragen, dass beide Familienväter am 19. März 2003 freigesprochen und freigelassen wurden.

 

Protestkartenaktion November 2006 - Shahid Masih ist frei!

Shahid Masih im Gewahrsam der Polizei von Faisalabad. (Bild: compass direct)

Shahid Masih ist frei. Der 17-jährige pakistanische Christ war im September 2006 angeklagt worden, weil er unter Verdacht stand, Buchseiten zerrissen zu haben, die eine Auslegung von Koranversen enthielten. Im Januar 2007 ist er mehr als vier Monate, nachdem er angeklagt worden war, auf Kaution aus der Haft entlassen worden. Hoffnungszeichen hatte seine Leser im November 2006 zu einer Protestaktion aufgerufen.

Protestkartenaktion September 2008 - Aneela Masih darf zu ihren Eltern zurück!

Aneela Masih (10) ist die Anspannung wegen des Gerichtsverfahrens förmlich ins Gesicht geschrieben. (Bild: compass direct)

Am 26. Juni 2008 wollten Saba und Aneela ihren Onkel besuchen, der in der Nähe der Familie Masih wohnt. Doch die Mädchen kamen dort nicht an. Zwei Tage nach dem Verschwinden der beiden Mädchen teilten Polizisten Younis Masih, dem Vater von Aneela und Saba, mit, die beiden muslimischen Männer Muhammed Arif Bajwa und Amjad Ali, in deren Obhut sich die Mädchen mittlerweile befanden, hätten ein Verfahren eröffnet und verlangten das Sorgerecht für die beiden christlichen Mädchen. Angeblich hatte Amjad Ali Saba Masih am 27. Juni geheiratet.

Das Provinzgericht von Muzaffargarh sprach am 12. Juli 2008 den Eltern das Sorgerecht ab. Richter Main Naeem Sardar begründete sein Urteil: Weil die Eltern Christen seien und die Mädchen dem Gericht erklärt hatten, sie hätten den Islam angenommen, gebe es keine Beziehung zwischen den Eltern und den Mädchen mehr. Den Eltern stünde das Sorgerecht nicht mehr zu, berichtete compass direct (cd).

Gegen dieses Urteil hatte Younis Masih unverzüglich Berufung bei der Außenstelle Multan des Hohen Gerichtshofs von Lahore eingelegt. Eine weltweite Welle des Protestes gegen den Richterspruch vom 12. Juli erreichte Pakistan. An den Protesten beteiligten sich mehrere tausend Hoffnungszeichen-Leser, die in der September-Protestaktion Postkarten nach Pakistan schickten.

Der Richter am Hohen Gerichtshof von Lahore hat am Dienstag, dem 9. September 2008 entschieden, dass Aneela Masih wieder zu ihren Eltern darf. Ihrer älteren Schwester Saba ließ er die Wahl, ob sie zu ihren Eltern zurückkehren möchte, oder nicht. Saba entschied sich dafür, bei dem Mann zu bleiben, der sie in der Zwischenzeit geheiratet hat – und aller Wahrscheinlichkeit nach auch ihr Entführer ist. Beobachter des Prozesses fürchten, dass Saba Masih in ihrer Entscheidung nicht frei war.

Der Umstand, dass Richter Malik Saeed Ejaz nun das Sorgerecht an Aneela wieder ihren Eltern zusprach, ist für pakistanische Verhältnisse ein großer Erfolg. Akbar Durrani, ein Anwalt der Familie Masih, der für die pakistanische Rechtshilfeorganisation CLAAS arbeitet, freut sich über diesen Teil des Urteils sehr: „Das ist ein juristischer Sieg.“

Der andere Teil des Urteils hingegen bleibt problematisch: offensichtlich sah Richter Ejaz nur die Möglichkeit, lediglich Aneela, das jüngere der beiden Mädchen, in die Obhut der Eltern zu übergeben. Wie anders könnte es sonst zu erklären sein, dass das Gericht die Geburtsurkunde von Saba, der älteren Tochter, nicht als Beweismittel über ihr Alter zuließ? Und die Frage des Alters des Kindes ist in diesem Fall von ganz herausragender Bedeutung. Denn nach pakistanischem Recht kann eine junge Frau erst ab 16 Jahren ohne die Zustimmung der Erziehungsberechtigten heiraten. Das Gericht ging bei seinem Urteil offensichtlich davon aus, Saba sei über 16 Jahre alt und damit wirksam verheiratet. Nach Angaben der Eltern Sabas sage aber die Geburtsurkunde klar aus, dass Saba erst 13 sei. Demnach wäre die Eheschließung ungültig und das Sorgerecht an Saba müsste wieder auf die Eltern übergehen. Das Gericht wollte oder konnte sich dieser Argumentation nicht anschließen.

Eine weitere Frage bleibt zunächst unbeantwortet: Warum hat sich Saba gegen die Rückkehr zu ihren Eltern entschieden, als der Richter ihr die Entscheidung überließ, bei wem sie leben möchte? Für Rashid Rehman von der pakistanischen Menschenrechtskommission ist die Antwort auf diese Frage nicht schwer zu finden. Das Mädchen sei von der Familie Alis unter enormen Druck gesetzt worden: „Das ist eine bekannte Vorgehensweise“ erklärte Rashid Rehman gegenüber cd. „Sie wurde von der Familie ihres Mannes Ali belehrt und einer Gehirnwäsche unterzogen. Und natürlich haben sie ihr eingeredet, dass ihre Eltern sie verletzen und unmenschlich behandeln würden. Tatsächlich würde das aber nie geschehen. Ihre Familie ist wirklich friedfertig und blieb währen der ganzen Verhandlung vor dem Hohen Gerichtshof sehr friedlich.“

Die Familie Alis wird bei Ihrem Vorhaben, das Mädchen Saba zu behalten, von vielen muslimischen Fanatikern unterstützt. So bedrohten Islamisten die Anwälte der Familie Masih vor und nach dem Gerichtstermin am 9. September.

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Klaus Stieglitz
Menschenrechtsbeauftragter
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Ägypten

Genaue Beobachtung verdient für Volker Kauder (CDU) die Lage der Christen in Ländern, in denen islamische Kräfte nach dem „Arabischen Frühling“ ein größeres Gewicht bekommen haben. So soll im politischen Dialog mit Ägypten um die gewünschte wirtschaftliche Zusammenarbeit auch die Religionsfreiheit thematisiert werden. (Quelle: KNA)
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