Monatsmagazine - 2009
Magazin 12/2009
DR Kongo: Marie Sifa (14) ist ein fröhliches Mädchen. So wirkt sie, wenn man sie sieht, und man ahnt nichts vom schweren Schicksal, welches sie hinter sich hat. Düster und traurig ist ihre Geschichte; eine Geschichte, die sie den fürsorglichen Mitarbeitern unserer Partnerorganisation PEDER anvertraut hat: „Ich lebte friedlich mit meinem Eltern im Dorf Nindja. Doch in der Nacht kamen Rebellen und attackierten unser Dorf, setzten die Häuser in Flammen und vergewaltigten alle Frauen in aller Öffentlichkeit. Ich musste mit ansehen, wie sie meinen Vater töteten. Dann rannten wir weg, in alle Richtungen, Hauptsache fliehen. Soweit es geht. Auf der Flucht habe ich meine Mutter verloren, bis heute weiß ich nicht wo sie ist. Ich strandete hier in der Stadt Bukavu und lebte auf der Straße.“
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Magazin 11/2009
Indonesien: Mayar (37) zittert die Stimme, als sie mir von dem schweren Erdbeben erzählt. „Ich war im Haus, als es geschah. Panisch rannte ich raus, alles bebte. Ich wusste nicht, wo meine Kinder waren, und hatte große Angst um sie.“ Mayars Familie hatte Glück im Unglück – niemand wurde verletzt. Doch ihr Haus ist komplett zerstört, und die seelischen Wunden, die die Naturkatastrophe schlug, werden lange nicht verheilen. „Wir rannten alle raus und sahen von draußen unser Haus einstürzen. Schlafen kann ich jetzt nicht mehr. Wenn es irgendeine Bewegung gibt oder ein Geräusch, wache ich auf. Ich habe immer noch Angst vor einem weiteren Beben.“ Mayar lebt nun mit ihrer Familie in einem Zelt vor den Ruinen ihres Heims.
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Magazin 10/2009
Sudan: Heute ist der 19. Juni 2009. Ein gewöhnlicher Tag für den Buscharzt Dr. Benjamin Jok Mach. Doch für den kleinen Marial Alook (2 Jahre) ein zweiter Geburtstag. Heute nimmt sich der Arzt des Kleinen an. Völlig abgemagert und von Krankheit geschwächt nahm seine Mutter mit ihrem Erstgeborenen den langen Weg hierher zum Gesundheitszentrum in Marial Lou auf sich. „Schon seit drei Tagen hat Marial Durchfall; seit vier Tagen erbricht er sich, begleitet von einem trockenen Husten. Seine Mutter hat kein geeignetes Essen daheim, weil sie kein Einkommen hat“, berichtet uns Dr. Mach. Der Arzt hat Marial nun gründlich untersucht. Er kennt jetzt die Blutwerte und analysiert sie. Auch das Gewicht des dünnen Jungen ist inzwischen gemessen – nur 6 kg.
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Magazin 9/2009
Berg Karabach: Es ist kein Tisch, an den sich die neunjährige Sina* setzt, um ihr karges Abendbrot zu essen. Sina hockt sich auf den Fußboden und stellt die Schüssel mit der dünnen Suppe auf den einzigen Stuhl im Raum – ganz einfach, weil es keinen Tisch gibt. Die großen schwarzen Augen von Sina mustern neugierig das große Paket mit dem grünen Hoffnungszeichen-Logo, das gerade in ihrer Stube abgestellt wurde. Aber sie fragt nicht nach, spricht überhaupt kein Wort, geht auch nicht zu dem Paket hin, um nachzuschauen, was darin sein könnte. Sina hat noch nie gesprochen und ist noch nie mehr als ein paar Schritte gelaufen.
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Magazin 8/2009
Sri Lanka: Ravanan und seine Familie haben einen langen Weg hinter sich. Seine drei Kinder, seine Frau und er haben es nach tagelangem Marsch durch die Sümpfe geschafft, aus dem Kriegsgebiet zu flüchten. Die Erschöpfung sieht man ihnen an. Ausgemergelt und schmutzig erreichen sie die Stadt Vavuniya. Sicher ist es hier für ihre Kinder. Das ist ihnen wichtig, doch aufatmen können Ravanan und seine Frau nicht, denn die Sorge um ihre junge Familie geht weiter. Hier in Vavuniya sind sie eine von zehntausend Flüchtlingsfamilien, welche auf der Suche nach Wasser und Nahrung sind. Sie wissen nicht, wann sie ihren Kindern wieder etwas zu Essen geben können.
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Magazin 7/2009
Simbabwe: Die kleine Eshia schreit laut, als die Krankenschwester ihr die Schutzimpfung gibt. Liebevoll wiegt ihre Mutter sie im Arm. Sie ist heute wie viele andere den weiten Weg zu Fuß hierher ins christliche Hospital in Mangora gekommen, um ihr Baby gegen Krankheiten wie Tetanus, Hepatitis B, Polio und Diphtherie impfen zu lassen. Vor dem Hospital, aber auch in den Gängen des verschachtelten Gebäudes, stehen die Menschen geduldig in langen Schlangen an. Es herrscht rege Betriebsamkeit. Mitarbeiter des Krankenhauses lotsen ganze Gruppen von Müttern und Kindern in die Räume oder wieder hinaus. Ab und an fängt ein Kind während der Impfung an zu weinen, worauf die anderen anwesenden Kinder aus Solidarität gleich mitschreien – dann haben die Mütter vollauf damit zu tun, die aufgeregten Kinder zu beruhigen. Sie tun es mit der ihnen eigenen Gelassenheit und Fröhlichkeit.
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Magazin 6/2009
Vietnam: Luong Thi Anh (61) ist eine der Ärmsten in ihrem Dorf. Seit dem Tod ihres Mannes vor vier Jahren ist sie auf sich allein gestellt und muss auch zum Unterhalt ihrer Enkel beitragen. Mit den spärlichen Erträgen ihres kleinen Feldes kann die Familie gerade so überleben. Die Allianz Mission e.V., unser Partner vor Ort, hat Ende 2006 den Haushalt von Tochter Hung, der in der Armenliste der Gemeinde geführt ist, in das Kuhbankprojekt aufgenommen. Eine Leihkuh ging in den Besitz der Familie über, die seitdem von Frau Anh umsorgt wird. Dankbar schilderte sie Hoffnungszeichen-Mitarbeiterin Sabine Kapfhamer mit Blick auf die Zukunft, wie sie sich eine kleine Herde aufbauen möchte.
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Magazin 5/2009
DR Kongo: Angst und Misstrauen sind auf dem Gesicht von Sangolo (12) abzulesen. Am finsteren Blick und den verschränkten Armen spiegelt sich die Härte seines noch so jungen Lebens wider; eines Lebens auf der Flucht, eines Lebens auf der Straße. Es ist das Gefühl, nicht zu wissen, wie er die Nacht überstehen soll und was der morgige Tag birgt. Ein Leben geprägt von Elend, Unsicherheit, Hoffnungslosigkeit. Straßenkinder wie er leben in ununterbrochener Angst vor Gewalt. Ich besuche die Stadt Bukavu im Osten der Demokratischen Republik Kongo. Diese Region ist gezeichnet von jahrelangem Krieg zwischen Soldaten, Milizen und Rebellen. Dessen Folgen sind deutlich sichtbar, als ich durch die Straßen dieser Stadt gehe. Ich sehe viele arme Menschen, und in Gesprächen mit ihnen erzählen sie mir, dass sie vor den Gefechten fliehen mussten, um nicht vergewaltigt oder ermordet zu werden. Viele dieser Menschen, die rechtzeitig fliehen konnten, retteten sich in die Provinzhauptstadt Bukavu und strandeten in Armenvierteln.
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Magazin 4/2009
Sudan: Es war für den Arzt Dr. Malek eine Freude, der einjährigen Akuac Nyang dabei zuzusehen, wie sie gesund wurde. Eine Freude, die mit einem Schock begann, als das völlig unterentwickelte Kind am 29. Februar 2008 in das Hospital im südsudanesischen Ort Marial Lou gebracht wurde. Schwach vor Erschöpfung, von Husten, Dehydrierung und Durchfall geplagt, lag das kleine Mädchen, ein 4 Kilogramm leichtes Bündel aus faltiger Haut, in den Armen seiner Großmutter. Sofort stellte der Arzt einen Ernährungsplan zusammen, und Akuac Nyang erhielt Spezialnahrung und intensive medizinische Betreuung. 6 Tage später hatte sie schon an Gewicht zugelegt, doch jetzt musste der Arzt gegen das Fieber ankämpfen, das die Kleine befallen hatte. Am 12. März schließlich, nur knapp 2 Wochen nach ihrer Einlieferung, wog Akuac Nyang schon 5 Kilogramm. Der Durchfall war gestoppt, sie hustete nicht mehr und legte täglich ein paar Gramm Gewicht zu. Der schönste Tag für den Arzt und die Großmutter, die sich um Akuac Nyang kümmert, war der 25. März – das kleine Mädchen, mittlerweile 6 Kilogramm schwer, lächelte zum ersten Mal.
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Magazin 3/2009
Simbabwe: Das Wimmern der jungen Mutter Irandai ist immer noch zu hören. Seit Stunden sitzt sie neben ihrer Tochter und weint um deren Tod. Die kleine Takunda hat es nicht geschafft; zu spät erreichten sie die Gesundheitsstation, zu weit war der Weg dorthin. So hat die Cholera einem weiteren Kind das Leben gekostet. Verzweiflung. „Die Cholera ist furchtbar. Scheint sie in einer Gegend unter Kontrolle, breitet sie sich auf eine andere aus“, berichtet mir Schwester Teresa vom Orden Sisters of Our Lady der Diözese Chinoyi. In dieser Diözese wütete die Cholera besonders heftig. Ich besuche zusammen mit dem Jesuiten-Pater Konrad Landsberg eines der Behandlungszentren.
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Magazin 2/2009
Simbabwe: Total heiser war die Frau. Pater Landsberg, der mit ihr sprach, konnte sie kaum verstehen. Aus Verzweiflung hatte sie auf der Beerdigung geweint und geschrieen, so dass ihr nun die Stimme fehlte. „Als ich ihre Worte dann verstand, konnte ich es nicht fassen: In der letzten Woche hatte diese Frau fünf ihrer eigenen Kinder begraben. Cholera!“, berichtet uns Jesuiten-Pater Konrad Landsberg aus Simbabwe. Und er fährt fort: „Heute kam eine Angehörige dieser Frau Hilfe suchend wieder. Eine der verstorbenen Töchter hatte ein Baby hinterlassen. Zwei Wochen alt. Sie bat mich um etwas Milch.“
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Magazin 1/2009
Sudan: „Wir brauchen schnell Hilfe – es gibt wieder LRA-Angriffe in verschiedenen Grenzregionen zum Kongo“, schrieb uns Schwester Giovanna Calabria aus Nzara am 6. November. „Die Regionen um Nakpokpo und Bangadi sind schlimm betroffen: Viele Menschen wurden getötet, mit Macheten niedergemetzelt, Familien in ihren Hütten lebendig verbrannt. Die, die fliehen konnten, haben Zuflucht bei uns in Rinzara, Lirangu und Nzara gefunden. Allein in Rinzara sind es mindestens 1.000 Menschen, meist Frauen und Kinder. Die lokalen Behörden sprechen von insgesamt 3.000 Flüchtlingen. Sie haben nichts, sie sind um ihr Leben gerannt. BITTE HELFT SCHNELL!“
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