Monatsmagazine – 2006
Magazin 12/2006
Still und abwartend sitzt Maria Yago auf einem Bett des Krankenhauses in Mapuordit. Sorgfältig schauen sich ein Arzt und ein Ernährungsexperte ihre sechs Monate alte Tochter Agana Jima an. Auf den ersten Blick ist zu erkennen, dass das kleine Mädchen extrem unterernährt ist. Ihre Ärmchen sind so dünn, dass man sie mit seinen Fingern umfassen kann. Jede Rippe zeichnet sich deutlich unter der spröden Babyhaut ab. Sie wirkt apathisch und sehr schwach. Das schlimmste sind die geschwollenen Beinchen des Mädchens. Durch die Mangelernährung haben sich Ödeme – Wasserablagerungen im Gewebe – gebildet.
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Magazin 11/2006
In langen Reihen sitzen die Menschen auf dem Boden – dicht an die Hauswand gedrückt, um wenigstens den Oberkörper im Schatten zu haben. Die meisten von ihnen warten hier schon geduldig seit den frühen, noch kühleren Morgenstunden – und nachdem sie einen langen Fußmarsch hinter sich haben. Wer kann, geht trotz seiner Krankheit allein den weiten Weg zum Krankenhaus in Lui. Aber manch einer muss von seiner Familie auf einer selbstgebauten Trage hergebracht werden. Auch viele Mütter sieht man, ihre apathischen Kinder sanft wiegend. Alle hoffen sie hier in der Buschklinik in Lui auf Hilfe.
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Magazin 10 / 2006
Dr. Dipak Nath ist ein ruhiger, ausgeglichener Mensch, der leise und wohlüberlegt spricht. Den Mathematikprofessor aus Kalkutta kann scheinbar nichts aus der Ruhe bringen. Während eines Vortrags, in dem er auf seine zurückhaltende, aber packende Art über die Situation und Chancen der Menschen in Indien referiert, hat er seine Emotionen aber nicht mehr im Griff – seine Stimme zittert; er wischt sich mehrmals die Augen.
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Magazin 09 / 2006
Mit einer Seelenruhe berichtet Peter Kariuki von einer seiner strapaziösen Touren in den Sudan:
"Mit meinem 40-Tonnen-Lkw fuhren wir den langen Weg von Lokichoggio (Kenia) nach Rumbek. Die sonst staubige Straße war bereits seit Tagen vom Regen aufgeweicht und matschig. Als ich im 2. Gang vorsichtig eine Bergkuppe überquerte, sah ich schon, dass wir zu spät kamen. Vor uns tobte ein reißender Strom im sonst ausgetrockneten Flussbett – unmöglich, dass wir ihn passieren konnten. Wir mussten umkehren."
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Magazin 08 / 2006
Moussa ist nur einer von vielen nigrischen Bauern. Im vergangenen Jahr ging sein Saatgut wegen der Dürre nur vereinzelt auf. Was nicht verdorrte, wurde dann auch noch von den Heuschrecken gefressen. Was Moussa blieb, war ein karges und staubiges Feld. Die spärliche Ernte, die als Saatgut für das nächste Jahr gedacht war, musste die Familie essen, um zu überleben. Seine letzen Ersparnisse hat Moussa kürzlich auf dem Markt für ein wenig Hirsesamen ausgegeben. In harter Arbeit haben er und seine Familie damit nun wieder das Feld bestellt.
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Magazin 07 / 2006
Die 4-jährige Nisha Hela schaut mich mit ihren ängstlichen Augen an, scheint mich dabei anzuflehen: „Bitte tu mir nichts!“ Ich kann mich leider nicht mit ihr unterhalten, denn mein Bengali reicht nicht einmal aus, um ihr einen guten Tag zu wünschen. Aber ihre Lehrerin trägt mir die Geschichte des kleinen Mädchens vor.
Sangita Choudhury erzählt: „Nisha musste vor einem Jahr mit ansehen, wie ihr Vater während eines Wutanfalls ihre Mutter zu Tode prügelte. Davor hatte er sie schon öfter misshandelt.
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Magazin 06 / 2006
Nimule. Mit diesem Ort werde ich immer die Verzweiflung verbinden, die aus der Stimme von Martha herausklang, als Klaus Stieglitz und ich im Februar 2006 dort mit ihr sprachen. Sie erzählte uns über die Entführung ihres 10-jährigen Sohns James durch die Rebellen der LRA (Lord’s Resistance Army). Es waren, trotz der sichtlichen Bemühung ihre Fassung zu wahren, ihre innere Aufwühlung und die Tränen, die mich tief bewegten. Mitten im Flüchtlingslager Nimule-Center – ein Windstoß wirbelte Staub auf und Plastikfetzen flatterten durch die Luft...
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Magazin 05 / 2006
Es hat ihn schlimmer getroffen, als der schlimmste Wall-Street-Börsencrash es je tun könnte: Tura Guyo hat innerhalb eines Monats mehr als die Hälfte seiner 20-köpfigen Viehherde verloren, nachdem es ihm nicht mehr gelang, ausreichend Weidefläche und Wasser zu finden. Hier in Nordkenia, wo es seit einem Jahr keinen einzigen Tropfen geregnet hat, und in den beiden Jahren davor nur gerade genug, um den Staub, der überall in der Luft herumwirbelt, anzufeuchten. Für Tura bedeutet seine Herde alles. Seine Existenz hängt buchstäblich von ihr ab.
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Magazin 04 / 2006
Mit einer Portion Genugtuung setzt der Beamte seinen Stempel und seine Unterschrift unter Jacquelines Antrag. „Abgelehnt! Grund: Status der Bewerberin = Flüchtling“ heißt es dort wieder einmal, obwohl sie sich diesmal wirklich Hoffnung auf die Arbeitserlaubnis gemacht hatte. Jacqueline lebt mittlerweile bald neun Jahre in Nairobi, der Hauptstadt Kenias, und unterrichtet dort Englisch, darf aber aufgrund der Flüchtlingsgesetze im Land keiner bezahlten Tätigkeit nachgehen.
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Magazin 03 / 2006
Das „Wartezimmer“ ist brechend voll. Die Menschen sitzen auf den noch kühlen Betonbänken der nach allen Seiten offenen Hütte. Der leichte, kaum wahrnehmbare Luftzug und der Schatten unter dem Dach mildern die an diesem frühen Vormittag schon sehr heiße Sonne etwas ab. Es herrscht reges Stimmengewirr. Mütter, die ihre kleinen Babys stillen, schwatzen miteinander. Kinder sitzen geduldig dazwischen. Vor allem Frauen und Kinder sind es, die hier warten.
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Magazin 02 / 2006
Die Realität einer verlassenen Mutter mit Kleinkind im Südsudan: Ihr stehen Hunger und Müdigkeit ins Gesicht geschrieben. Ihre 18-monatige Tochter, in einem staubigen Tuch auf ihrem Rücken eingewickelt, wirkt desinteressiert und träge, bringt kaum noch einen Laut hervor.
Zu Fuß unterwegs hat sie die wenigen Lebensmittel, die sie noch vor ihrem Aufbruch mitnehmen konnte, längst aufgebraucht. Mit langsamen Schritten nähert sie sich dem Rande eines kleinen Dorfes und hört, wie dort der Klang einer afrikanischen Schulglocke...
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Magazin 01 / 2006
Der 9. Januar ist für die Menschen im Kreis Terekeka (Bezirk Mundri in der Provinz Western Equatoria) ein ganz besonderer Tag.
Und nicht nur für sie, sondern für die meisten Menschen im südlichen Sudan; denn an diesem 9. Januar vor einem Jahr war der Krieg für sie „offiziell“ zu Ende.
Dieser Bürgerkrieg, der mit einer 11-jährigen Unterbrechung länger als 50 Jahre gewütet, ihre Heimat zerstört und ihre Familien zerrissen hatte.
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