DR Kongo - Flüchtlingshilfe Süd-Kivu
Im Osten überfallen bewaffnete Rebellengruppen regelmäßig Dörfer. Sie morden, vergewaltigen und plündern. Hoffnungszeichen brachte Hilfe für rund 875 Menschen, die kürzlich Opfer von Angriffen wurden.

- Aufgrund seiner geographischen Lage in einem Tal ist das Dorf Kaniola besonders anfällig für Angriffe von Rebellengruppen, die sich in den umliegenden Bergen versteckt halten.

- Zusammen mit unserem Projektpartner, der Erzdiözese von Bukavu, haben wir 175 Hilfspakete mit Nahrungsmitteln, Kleidung, Decken, Moskitonetzen und Haushaltsutensilien an bedürftige Familien in Kaniola verteilt.
Sie kamen im Schutze der Nacht und töteten wehrlose Kinder, Frauen und Männer, während sie schliefen. Mit Äxten, Knüppeln und Messern gingen die Angreifer vor, um bei ihrer Schandtat kein Aufsehen zu erregen. In der Nacht vom 26. auf den 27. Mai wurde in Kaniola, in der Provinz Süd-Kivu im Ostkongo, ein grausames Massaker an der Zivilbevölkerung verübt. Nach Angaben von MONUC, der Mission der Vereinten Nationen im Kongo, wurden bei diesem Überfall mindestens 29 Menschen getötet und zahlreiche weitere verletzt.
Stumme Schreie, die nach Hilfe flehen
Diese brutale Grausamkeit prägt den Alltag der Bewohner von Kaniola seit Längerem. In der Vergangenheit wurde das Dorf mehrmals Ziel von Rebellenangriffen und auch in diesem Jahr gab es neben dem Überfall im Mai eine weitere gezielte Attacke Anfang April. Immer wieder kommt es zu Entführungen von Dorfbewohnern, um Lösegeld zu erpressen. Seine geographische Lage macht den Ort besonders anfällig für Attacken: Er liegt in einem Tal und wird von Bergen umgeben, in denen sich die Rebellen gut verschanzen können. Im Juni besuchte ich die Bewohner von Kaniola. Ohne die Sprache zu verstehen, verstand ich die stummen Hilfeschreie, die aus den Augen und den ausgezehrten Gesichtern der Menschen sprachen. Sie sind sichtbar gezeichnet von der anhaltenden Gewalt, die immer wieder ihr Dorf heimsucht. Die 15-jährige Rebeka Furaha, wurde am 11. März 2007 von Rebellen entführt und erzählte: „In dieser Nacht kamen sieben Rebellen in unser Dorf. Sie knebelten meinen Vater, meine Mutter und meine jüngere Schwester. Auch mich knebelten sie, während sie mich schlugen. Insgesamt nahmen sie zehn Leute mit. Sie forderten von unserem Dorf 150 US-Dollar Lösegeld für jeden von uns. Nach und nach kamen viele frei. Weil unser Dorf nicht genügend Geld für uns vier aufbringen konnte, ließen sie erst meine Eltern und meine Schwester gehen, während ich zurückbleiben musste. Mein Vater versprach mir, dass er alles tun wollte, um das Geld für mich so schnell wie möglich aufzutreiben. Als alle weg waren, fingen sie an, mich zu vergewaltigen, sogar zu viert. Ich musste für sie kochen und Wäsche waschen. Das ging zwei Monate so. Ich konnte es kaum mehr ertragen, fast jeden Tag vergewaltigt zu werden. Eines Tages war das Dorf in Aufruhr und ich nutzte die Gelegenheit und lief so schnell ich konnte davon. Nach zwei Tagen erreichte ich mein Dorf. Meine Eltern konnten nicht glauben, dass ich zurück war. Und erzählten mir, dass sie längst das Geld für mich geschickt hätten. Ich hasse diese Menschen für das, was sie uns antun. Der Gedanke, wieder von ihnen mitgenommen zu werden, macht mir Angst.“

- Rebeka Furaha aus Kaniola wirkt noch immer gezeichnet von den Misshandlungen, die sie vor kurzem erleiden musste. Die 15-Jährige wurde im März von Rebellen entführt und über einen Zeitraum von zwei Monaten immer wieder vergewaltigt.
Arm und vergessen – Hoffnungszeichen-Hilfe muss weitergehen
Durch die permanente Angst vor Übergriffen haben viele Menschen es sich angewöhnt, nachts zum Schlafen an sichere Orte abseits des Dorfes zu wandern. Die Zeit, die sie für die Bewirtschaftung ihrer Felder aufwenden können, ist durch diese Vorsichtsmaßnahmen eingeschränkt. In meinen Augen gibt es keine größere Armut als die, die ich in Kaniola gesehen habe: Arm und bedürftig zu sein, und wegen der Gefahr von neuen Angriffen durch bewaffnete Gruppen auch von Hilfsleistungen ausgespart zu bleiben. Diese Menschen sind auf fremde Hilfe von außen angewiesen, sie haben weder ausreichend Nahrung noch Kleidung. Deshalb war der Hilfsgütertransport, den wir von Hoffnungszeichen nach Kaniola schickten, gerade in dieser Situation so wichtig. Wir zeigten den Menschen damit, dass wir sie nicht alleine lassen in ihrer Not und Trauer. Zusammen mit unserem Projektpartner, der Erzdiözese von Bukavu, verteilten wir an 175 Familien Hilfspakete. Geht man davon aus, dass eine Familie aus fünf Mitgliedern besteht, dann konnten wir insgesamt 875 bedürftigen Menschen in Kaniola helfen. In den Säcken enthalten waren Nahrungsmittel wie Reis, Maismehl, Bohnen, Milchpulver, Zucker, Salz und Öl, aber auch Kochtöpfe, Seifen, Moskitonetze, Decken und Kleidung.
Bevor ich ging, habe ich den Menschen in Kaniola gesagt, dass ich Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, erzählen werde, was ich gesehen und was ich gehört habe. Ich habe ihnen auch zugesichert, dass ich Sie um Unterstützung für die hilflosen Menschen im Ostkongo bitten werde.
Dieser Artikel erschien in der Juli 2007 Ausgabe des Hoffnungszeichen Magazins. Wir haben im Zeitraum März bis September 2007 dank Ihrer Hilfe 825 Bewohner Kaniolas mit unserer Hilfslieferung erreichen können. Insgesamt wurden 13.300 Kg Hilfsgüter verteilt. In den Säcken enthalten waren Reis, Maismehl, Bohnen, Milchpulver, Zucker und Speiseöl, aber auch Kleidungstücke, Töpfe, Seife, Moskitonetze und Decken. Vielen Dank!










