Sudan - Hoffnungszeichen-Buschklinik in Duong

Für zehntausende Menschen ist unsere Buschklinik seit ihrer Eröffnung 2009 schon zum Anlaufpunkt bei Krankheiten, Mangelernährung und Schmerzen geworden. Auch die Betreuung von Schwangeren, Müttern und Kindern ist ein Hauptanliegen in Duong.

Die Hoffnungszeichen-Buschklinik versorgt die Menschen des ganzen Landkreises mit medizinischer Hilfe. Das Klinikteam im abgelegenen Duong ist von regelmäßigen Transportlieferungen abhängig.
Die Hoffnungszeichen-Buschklinik versorgt die Menschen des ganzen Landkreises mit medizinischer Hilfe. Das Klinikteam im abgelegenen Duong ist von regelmäßigen Transportlieferungen abhängig.
Der kleine Machiek ist in erschreckendem Zustand. Er kann seine Umgebung nicht mehr wahrnehmen. Eine Infusion mit Rehydrationslösung soll seinen Zustand stabilisieren.
Zuhören und erfahren, was den Menschen Sorgen macht. Klaus Stieglitz umringt von neugierigen Kindern bei seinem ersten Besuch in Duong im November 2008.
Zuhören und erfahren, was den Menschen Sorgen macht. Klaus Stieglitz umringt von neugierigen Kindern bei seinem ersten Besuch in Duong im November 2008.
Aus Plan wird Wirklichkeit: Neben dem Behandlungsraum werden auch vier kleinere Hütten als Gemeinschaftsraum und als Personalunterkünfte errichtet.
Das Bauprojekt Buschklinik im Frühsommer 2009. Neben dem Behandlungsraum werden auch vier kleinere Hütten als Gemeinschaftsraum und als Personalunterkünfte errichtet.
Der kleine Machiek ist in erschreckendem Zustand. Er kann seine Umgebung nicht mehr wahrnehmen. Eine Infusion mit Rehydrationslösung soll seinen Zustand stabilisieren.
Assistent Thomas (links) nimmt einen schwer kranken, liegenden Patienten vor dem Behandlungsraum in Empfang. Für Krankentransporte steht derzeit kein Fahrzeug zur Verfügung. Im ersten Jahr konnten bereits 10.000 Patienten behandelt werden.
Mehr als die Hälfte der Patienten sind Kinder unter 15 Jahren. Auch dem dreijährigen Ezekiel konnte Jonathan Musana helfen.
Mehr als die Hälfte der Patienten sind Kinder unter 15 Jahren. Auch dem dreijährigen Ezekiel konnte Jonathan Musana helfen.
Assistent Thomas (links) nimmt einen schwer kranken, liegenden Patienten vor dem Behandlungsraum in Empfang.

Die Menschen in Duong

Die Bewohner von Panyjiyar County gehören größtenteils dem Stamm der Nuer an, der zu den nilotischen Volksgruppen zählt. Die Nuer machen die zweitgrößte ethnische Gruppe im südlichen Sudan aus. Die hochgewachsenen, dunkelhäutigen Nuer nennen sich selbst Naath. Sie siedeln vor allem im Sumpfgebiet des Oberen Nils und passen ihren Lebensstil an die klimatischen Bedingungen bzw. Jahreszeiten (Regen- und Trockenzeit) an. Sie leben in einfachen, kreisrunden Hütten (Tukul) aus Lehm und Stroh, deren Kuppeldach mit Gras bedeckt wird. Es gibt weder Strom noch einfache sanitäre Anlagen. Die Menschen praktizieren meist animistische Religionen oder sind Christen. Sie sind in Stämmen und Clans orga­nisiert und leben hauptsächlich von der Viehzucht, von der Subsistenz-Landwirtschaft und der Fischerei. Die Rinder bestimmen das Leben der Nuer. Die Familien ernähren sich meist einseitig von Getreide wie Sorghum (einer Hirseart), Milch und Milchprodukten. Das Ansehen eines Mannes ist von seinem Viehbesitz abhängig, Streitigkeiten um das Vieh kommen oft vor und führen häufig zu Fehden.

Ziel des Projektes

Im Vordergrund steht die Verbesserung des allgemeinen Gesundheitszustands der Bevölkerung, indem Gesundheitsproblemen, die eine große allgemeine Krankheitsbelastung darstellen, vorgebeugt wird oder diese entsprechend behandelt werden. Durch ein therapeutisches Ernährungsprogramm wollen wir Mangelernährung bei Kleinkindern reduzieren bzw. kurien. Daneben soll durch pre- und postnatale Versorgung und fachmännische Geburtshilfe die Gesundheit von Müttern und Kindern verbessert werden. Durch ein Ausbildungsprogramm für Einheimische als Gesundheitshelfer/Krankenpfleger wollen wir einen einen Beitrag zum Aufbau lokaler Kompetenzen und lokalen Wissens leisten.

Von der Idee zur Wirklichkeit

Im Oktober 2008 reisten wir zum ersten Mal nach Duong. Durch Begehungen, Gespräche und Interviews mit der Dorfbevölkerung, mit den Dorfvorstehern und dem Landrat von Panyijiar County wurden ein allgemein schlechter Gesundheitszustand der rund 2.000 bis 4.000 Dorfbewohner, ein niedriges Bildungsniveau und chronischer Mangel an Nahrungsmitteln als Hauptprobleme identifiziert. In der Ortschaft gab es zum damaligen Zeitpunkt keine medizinische Einrichtung und keine Schule. So reifte der Entschluss, dass Hoffnungszeichen sich mit dem Bau einer kleinen Gesundheitseinheit für die Dorfgemeinde engagieren könnte. Ende 2008 begann Hoffnungszeichen mit den Planungen und ersten Vorbereitungen für den Bau der Krankenstation in Duong. Bis zum Einsetzen der Regenzeit im Mai 2009 konnten unter Federführung unseres Afrika-Koordinators Franco Moroni verschiedene Klinikgebäude errichtet werden: ein Hauptgebäude mit Behandlungszimmer, einem Medikamentenlager und einem kleinen Labor. In unmittelbarer Nähe wurden drei Personalhütten sowie ein Gemeinschaftsraum gebaut. Die lokale Dorfgemeinde entrichtete des weiteren ihren Beitrag, indem sie Material und Zeit für die spätere Errichtung der Umzäunung zur Verfügung stellte.

 

Beginn des Klinikbetriebs im Oktober 2009

Im Oktober 2009, am Ende der Regenzeit, nahmen unsere Mitarbeiter die ersten Arbeiten auf. Am 14. November 2009 konnte der Zweite Vorstand von Hoffnungszeichen, Klaus Stieglitz, die Klinik offiziell eröffnen. Die regelmäßige Versorgung mit Medikamenten und Spezialnahrungsmitteln für das Ernährungsprogramm erfolgt von Kenia aus. 

Unser Klinikteam engagiert sich in folgenden Bereichen:

  • Kurativmedizin wie die Erstversorgung von Notfällen (gegebenenfalls Überweisung) und Behandlung weit verbreiteter, teilweise endemischer Krankheiten wie Malaria

  • kleinere operative Eingriffe

  • ein spezielles Ernährungsprogramm für gemäßigt und schwer mangelernährte Kinder (ambulante Versorgung inklusive Lebensmittelausgabe)

  • Laboruntersuchungen

  • interne Schulungen für das lokale Personal

Gemäß unserer eigenen Statistiken zählen Infektionen der Atemwege, Malariaerkrankungen, Durchfall, Augenentzündungen sowie weitere Infektionskrankheiten zu den häufigsten Krankheitsursachen.

 

Zwischenbilanz – erste Erfolge

Von Oktober 2009 bis Ende September 2010 wurden insgesamt 11.454 Patienten behandelt, mehr als die Hälfte davon (58 %) waren Kinder und Jugendliche unter 15 Jahren.

  • Zwischen Januar und August 2010 wurden von 133 Kindern 129 Kinder durch das spezielle Ernährungsprogramm von ihrer Mangelernährung geheilt; 3 Kinder verließen das Programm frühzeitig. Leider verstarb ein Kind im Zusammenhang mit einer Malaria-Infektion.

  • Zwischen Oktober 2009 und September 2010 wurden 178 kleinere Operationen, z. B. (Abszesse und Ausschabungen) durchgeführt.

  • Das einheimische Personal konnte durch interne Schulungen sein Fachwissen erweitern.

  • Das Bewusstsein der Dorfgemeinschaft bzw. Patienten über Hygieneverhalten, Krankheitsvermeidung und Ernährung wurde durch Gesundheitserziehung geschärft.

 

Ausblick für 2011

  • Einführung eines Impfprogrammes nach WHO-Standard für Babys und Kleinkinder unter 5 Jahren und schwangere Frauen.

  • Bau eines einfachen, hygienischen Entbindungsraums und Betreuung der Schwangeren durch eine Hebamme

  • Verstärkung des Klinikteams:
    Der Zustrom an Patienten ist für das bisher beschäftigte Personal nicht zu bewältigen. Durchschnittlich kommen täglich 90 Personen zur Station. Es sollen eine leitende Krankenschwester und ein bis zwei einheimische/r Gesundheitshelfer/in eingestellt werden.

  • Bau einer einfachen Übernachtungshütte für Kranke

  • Ausbildungsprogramm für Einheimische als künftige Gesundheitshelfer

Weitere Schritte zur Dorfentwicklung

Es gibt weder einen Kindergarten noch eine Grundschule in Duong. Der Unterricht von Kindern und Jugendlichen wird von den Dorflehrern sporadisch unter freiem Himmel abhalten. Nach Auskunft eines Lehrers gibt es zwischen 300 und 500 Kinder und Jugendliche im Schulalter. Wir wollen mit der Förderung der Kleinsten beginnen und planen den Bau eines Kindergartens.

 

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