Nigeria - Gewalt unter dem Deckmantel des Glaubens
Nach einem blutigen Weihnachtsfest reißt die Anschlagsserie auf Christen in Nigeria nicht ab. Die radikalislamische Sekte "Boko Haram" bringt großes Leid über die Menschen und führt das religiös gespaltene Land an den Rand eines Bürgerkriegs.
Sie hatten sich am Dreikönigstag zu einem Trauergottesdienst versammelt, um ihren Schmerz mit den Angehörigen der Anschlagsopfer von Weihnachten zu teilen. Die Mitglieder der christlich-apostolischen Gemeinde in Yola (Bundesstaat Adamawa) wollten Abschied von den Gewaltopfern aus ihrer Mitte nehmen, als sie selbst zur Zielscheibe religiös verblendeter Gewalt wurden. Ein Journalist, dessen Identität geheim bleiben soll, schilderte laut ZEIT online, dass es bei diesem Blutbad im Gotteshaus wieder zahlreiche Opfer gab: „Einige wurden getötet, etliche verletzt.“ Krankenhaus-Mitarbeiter in Yola bestätigten gegenüber dem Fernsehsender Al Jazeera, dass 8 bis 10 Leichen sowie mehrere Schwerverletzte eingeliefert wurden. Bereits am Vorabend waren bei einem Anschlag auf eine Kirche in Gombe (Nordostnigeria) mindestens 20 Menschen getötet und weitere Gläubige schwer verletzt worden. Auch hier seien bewaffnete Männer in die „Deeper Life“-Kirche eingedrungen und hätten das Feuer auf die Teilnehmer des Abendgottesdienstes eröffnet. „Sie schossen durch die Fenster“, sagte der Pastor Johnson Jauro, der bei diesem perfiden Anschlag seine Ehefrau verlor.
Boko Haram bekannte sich zu mindestens einem dieser Überfälle und auch zu einem Schießkommando am 6. Januar in Mubi (ebenfalls im Staat Adamawa). Dieser Angriff belegt das gezielte und gnadenlose Vorgehen der Attentäter. Die radikalen Islamisten hatten einen Treffpunkt ausspioniert, an dem sich christliche Händler vor der Eröffnung ihrer Läden versammeln. „Wir haben Schüsse durch die Fenster gehört“, so der Augenzeuge Okey Raymond im Nachrichtenmagazin Spiegel. „Jeder hat versucht, sich in Sicherheit zu bringen. Die Bewaffneten riefen: 'Gott ist groß', während sie auf uns schossen.“ 15 seiner Händlerkollegen starben. Raymond selbst versteckte sich zunächst unter einem Tisch und konnte dann durch die Hintertür unverletzt entkommen.
Ein Ultimatum setzt Christen unter Druck
Ein vom Präsident verhängter Notstand, Ausgangssperren und abgeriegelte Außengrenzen konnten weitere heimtückische Angriffe nach dem blutigen Weihnachtsfest mit 49 Toten nicht verhindern. Vor allem in Nordnigeria lebt die christliche Minderheit, die Hauptzielgruppe der Anschläge ist, in großer Angst. Viele christliche Familien sind bereits geflüchtet oder denken über Flucht nach, nachdem die Sekte ihnen ein Ultimatum zum Verlassen des Nordens gestellt hatte. Damit würden viele Ansätze des religiösen Dialoges zunichte gemacht, bedauert Pater Timothy Lehane Barret. Der Generalsekretär des Päpstlichen Werkes für die Glaubensverbreitung betont im Gespräch mit der kirchlichen Nachrichtenagentur fidesdienst: ,,Die Boko-Haram-Sekte vertritt nicht die nigerianischen Muslime: Ich habe bei vielen interreligiösen Initiativen festgestellt, dass einheimische Muslime die Arbeit der Christen schätzen.“ Trotzdem, so berichten einheimische Christen, „besteht die Gefahr, dass es zu Racheakten kommt, die zu weiterer Gewalt und Blutvergießen führen“.
Nigeria – ein religiöses Pulverfass
Seit vielen Jahren gibt es im religiös gespaltenen Land schwere Konflikte zwischen Muslimen und Christen. Die radikalislamische Boko-Haram-Sekte, die jede Form von westlichem Einfluss in der Erziehung und auch in der Politik ablehnt, versucht nun, das Land grundlegend zu destabilisieren. Sie bezichtigt die Regierung unter dem christlichen Präsidenten Goodluck Jonathan, sie stehe im Sold der westlichen Industriestaaten.
Unklar ist auch, ob das nigerianische Staatswesen bereits von der Sekte unterwandert ist, denn die Erfolge von Polizei und Justiz sind bisher erschreckend gering. Dies muss sich ändern. Die nigerianischen Behörden müssen mit aller Kraft gegen die Gewaltverbrecher vorgehen und sie zur Rechenschaft ziehen. Nur so kann die nun zu befürchtende Gegengewalt effektiv verhindert werden. Bitte fordern Sie den Präsidenten zu noch wirkungsvollerem Handeln gegen Boko Haram auf.
Eine Chronologie des Schreckens:
Seit Weihnachten 2010 haben mind. 450 Männer, Frauen und Kinder bei Anschlägen der radikalislamischen Sekte Boko Haram ihr Leben verloren. Hier ein Auszug aus einer Chronik des Schreckens:
24. Dezember 2010: Bei blutigen Angriffen auf Christen sterben an Heiligabend mind. 80 Menschen.
30. Mai 2011: Wenige Stunden nach der Amtseinführung von Präsident Goodluck Jonathan werden bei einem Attentat in Bauchi mind. zehn Menschen getötet.
8. Juni 2011: In Maiduguri sterben 5 Christen bei einem Brandanschlag auf eine Kirche.
16. Juni 2011: Anschläge auf eine Polizeistation (2 Tote) und nahe einer Kirche in Damboa. Hier werden 4 Kinder getötet.
4. Juli 2011: Bombenanschlag auf ein von Soldaten besuchtes Ausflugslokal in Maiduguri (5 Tote). Bereits eine Woche zuvor erschießen die Terroristen 25 Kneipen-Besucher aus Protest gegen den Genuss von Alkohol.
26. August 2011: Mind. 25 Tote nach einem Selbstmordanschlag auf das UN-Gebäude in Abuja.
26. Dezember 2011: Verschiedene Anschläge auf Weihnachtsgottesdienste fordern mind. 49 Opfer.
4.Januar 2012: Drei Explosionen ohne Todesopfer im Norden Nigerias.
5. Januar 2012: 8 Tote und 10 Verletzte bei einem Kirchenanschlag in Gombe.
6. Januar 2012: Terroristen töten in Mubi mind. 28 Menschen, darunter 15 christliche Markthändler.
(Quellen: div. Medienberichte, dpa)
Offiziell wird die Zahl der 2011 in Nigeria aus religiöser Gewalt getöteten Christen mit mind. 300 angegeben, laut open doors könnte die Dunkelziffer bei 1.000 bis 1.500 Opfern liegen.
Protestieren Sie für:
- Religionsfreiheit
- Schutz und Sicherheit für Christen
- Strafverfolgung der Gewalttäter von "Boko Haram"
Protestieren Sie bei:
Goodluck Jonathan
Office of the President
Aso Rock
Abuja
Federal Capital Territory
NIGERIA
Botschaft der Bundesrepublik Nigeria
S.E. Herr Abdul Bin Rimdap
Neue Jakobstraße 4
10179 Berlin
Fax 030 - 21230212
Vorschlag für ein Protestschreiben:
Dear Mr. President,
I have been following the series of attacks perpetrated by the terrorist sect Boko Haram with great dismay. During Christmas already 49 Christians died and no end to this violence blinded by religion is in sight, despite the introduction of emergency measures.
I would like to kindly request you to do everything in your power to fight this brutal terror and put an end to this wrongdoing. Please ensure that the perpetrators and those behind these attacks are being prosecuted and sentenced. I have high regard for your personal commitment to inter-religious dialogue. Please ensure that especially the followers of all religions can live peacefully in your country and enjoy equal rights. The fundamental rights to freedom of expression and freedom of religion must be asserted and protected in Nigeria. Yours sincerely,
Datum, Unterschrift
Mit großer Bestürzung verfolge ich die Anschlagsserie, die von der Terrorsekte Boko Haram verübt wird. Allein an den Weihnachtstagen starben mindestens 49 Christen, und trotz eingeleiteter Notstands-Maßnahmen ist kein Ende dieser religiös verblendeten Gewalt abzusehen.
Ich möchte Sie höflich bitten, diesen brutalen Terror mit all Ihrer Macht zu bekämpfen und den Machenschaften ein Ende zu setzen. Bitte sorgen Sie dafür, dass die Täter und Drahtzieher dieser Anschläge verfolgt und verurteilt werden. Ich habe Hochachtung vor Ihrem persönlichen Einsatz für den interreligiösen Dialog. Bitte sorgen Sie verstärkt dafür, dass Anhänger aller Religionen in Ihrem Land gleichberechtigt in Frieden leben können. Die Grundrechte auf freie Meinungsäußerung und freie Ausübung der Religion müssen in Nigeria durchgesetzt und geschützt werden.











